"Wir sind ganz normale Karnevalisten"

Sie sind hier:

Jüdische Jecken - "Wir sind ganz normale Karnevalisten"

Datum:

Mit den "Kölsche Kippa Köpp" gibt es den ersten jüdischen Karnevalsverein seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Gegründet 2017, ist er erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen.

Archiv: Aaron Knappstein (r), Präsident des jüdischen Karneval Vereins Kölsche Kippa Köpp e.V., aufgenommen am 06.02.2019
Aaron Knappstein (r.), Präsident des jüdischen Karnevalvereins "Kölsche Kippa Köpp e.V."
Quelle: dpa

Es ist ein gesellschaftliches und politisches Statement, aber den Kippa Köpp geht es bei ihrer Gründung in erster Linie um den Karneval. Mitgründer Patric Levy freut sich schon auf den Straßenkarneval, der ab diesem Donnerstag den Höhepunkt der Session einleitet. Der Geschäftsführer eines Autohauses ist eines von zwölf Mitgliedern des Vereins, der sich bereits im Herbst 2017 in der Karnevalshochburg Köln gründete.

Traditionelle Verankerung der jüdischen Gemeinde im Karneval

Bei uns ist jeder herzlich eingeladen mitzumachen, ganz unabhängig von der Religion.
Patric Levy, Mitgründer der "Kölsche Kippa Köpp"

Bis die Entscheidung gereift war, jetzt mit der Vereinsgründung an die Öffentlichkeit zu gehen, vergingen knapp zwei Jahre. Auch innerhalb der jüdischen Gemeinde blieb die jecke Bewegung bis dahin unbekannt. Zunächst wollten die zwölf Narren testen, ob sie sich bei ihren monatlichen Treffen tatsächlich auch verstehen, denn sie kannten sich vorher kaum. Bisher sind nur Juden im Verein, aber sie würden auch Mitglieder anderen Glaubens gerne aufnehmen. "Bei uns ist jeder herzlich eingeladen mitzumachen, ganz unabhängig von der Religion", stellt Levy klar.

"Kleiner Kölner Klub" von den Nazis verboten

In Erinnerung an den jüdischen Karnevalsverein "Kleiner Kölner Klub", der bis in die Zeit des Nazi-Regimes bestand, entschieden sich die Karnevalisten bewusst für die drei großen K im Namen. Zeigen wollen sie damit, dass die jüdische Gemeinde nicht nur Teil des Karnevals, sondern auch der Stadt und ihrer Traditionen ist.

Erster Mottowagen der jüdischen Gemeinde Düsseldorf
Erster Mottowagen der jüdischen Gemeinde Düsseldorf im Jahr 2018
Quelle: dpa

Der ehemalige "KKK" wurde durch die Nazis verboten. Auf Karnevalsumzügen gab es Wagen, die die Kölner Juden verhöhnten. Mehr als sieben Jahrzehnte hat es gedauert, bis nun eine jüdische Gemeinde wieder sichtbar im rheinischen Karneval vertreten ist. 2018 fuhren Düsseldorfer Juden mit einem eigenen Mottowagen im Rosenmontagszug mit.

Eigene Karnevalsmütze mit hebräischer Schrift

Archiv: Die Inschrift der Narrenkappe des jüdischen Karnevalvereins "Kölsche Kippa Köpp e.V.", aufgenommen am 06.02.2019
Die Inschrift der Narrenkappe des jüdischen Karnevalvereins "Kölsche Kippa Köpp"
Quelle: dpa

Mit den "Kölsche Kippa Köpp" existiert in Deutschland nun der erste jüdische Karnevalsverein seit den dreißiger Jahren. Kippa ist die traditionelle jüdische Kopfbedeckung, Köpp das kölsche Wort für Köpfe: Natürlich haben sie auch ihre eigene Karnevalsmütze mit hebräischer Schrift. Negative Reaktionen auf die Gründung des Vereins hat Patric Levy bisher nicht wahrgenommen. Aber natürlich macht ihm der wachsende Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft Sorgen.

Die Levys sind gleich mit drei Familienmitgliedern im "KKK" vertreten. Außer Patric sind es Vater Carlos und Bruder Frank. Alle sind sie außerdem seit vielen Jahren auch in anderen Traditionsgesellschaften engagiert. So sitzt Patric im Elferrat der Blauen Funken. Den Gründern der "Kölsche Kippa Köpp" geht es nicht um Abgrenzung, sondern darum, den Kölner Karneval noch bunter zu gestalten.

Freude über großes Interesse

Die Levy-Brüder wuchsen zwischen den beiden Religionen auf. Nachdem die Großeltern vor der Judenverfolgung im Deutschen Reich flohen, kehrte ihr Vater später aus Argentinien nach Deutschland zurück. Ihre Mutter war zunächst Christin. Gefeiert hat Patric Levy als Kind sowohl christliche als auch jüdische Festtage. "Ich gehöre heute der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Köln an, habe mein Judentum aber für mich persönlich definiert", sagt er. "Für mich steht der Schabbat vor allem für die Verbundenheit in unserer Familie."

Von dem medialen Echo waren wir sehr überrascht. Damit haben wir nicht gerechnet. Aber wir freuen uns natürlich über das große Interesse.
Patric Levy, Mitgründer "Kölsche Kippa Köpp"

Nicht nur in den nationalen Medien sind die "Kölsche Kippa Köpp" seit ihrem Gang in die Öffentlichkeit in aller Munde. In London berichtete man bereits über die jüdischen Jecken aus Köln und auch die "New York Times" hat sich angekündigt. "Von dem medialen Echo waren wir sehr überrascht. Damit haben wir nicht gerechnet. Aber wir freuen uns natürlich über das große Interesse", so Levy.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.