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Zahlungsabwickler unter Beschuss - Wirecard wird attackiert

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Wirecard-Aktionäre brauchen mal wieder starke Nerven. Wegen möglicher Unregelmäßigkeiten in Singapur ist die Aktie abgestürzt. Nicht zum ersten Mal wird der Konzern attackiert.

Bezahlen mit einer Wirecard
Bezahlen mit einer Wirecard
Quelle: Reuters

Der Absturz kam ohne Vorankündigung. Innerhalb weniger Minuten rauschten Aktien von Wirecard in den Keller. Minuten, in denen sich ein Börsenwert von rund fünf Milliarden Euro in Luft auflöste. Es war ein Tag Ende Januar, als die angesehene Wirtschaftszeitung "Financial Times" von Unstimmigkeiten schrieb. Der erhobene Vorwurf: Ein Mitarbeiter des Unternehmens in Singapur soll Umsätze fingiert, also die Zahlen des Unternehmens geschönt, und dabei auch gleich Geld rein gewaschen haben.

Kursmanipulationen nicht neu

Dass Anleger verschreckt auf solche Berichte reagieren, hat Tradition. Denn bereits im Jahr 2008 hatte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger Wirecard "Ungereimtheiten" vorgeworfen. Die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Stattdessen kam ein anderes pikantes Detail ans Licht. Der ehemalige Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Markus Straub, hatte auf fallende Kurse der Wirecard-Aktien gesetzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, am Ende stand im Urteil eine Freiheitsstrafe - wegen Kursmanipulation.

2016 gab es einen weiteren Angriff auf Wirecard und seinen Aktienkurs. Da hatte ein bis dato unbekannter Analystendienst "Zatarra" einen langen Bericht veröffentlicht, in dem von Betrug, Geldwäsche und Glücksspiel die Rede war. Auch dieser Bericht stellte sich später als ein Versuch von Marktmanipulation heraus. Anfällig scheint Wirecard für derartige Vorwürfe auf Grund der eigenen Geschichte zu sein. Denn angefangen hatte der Bezahldienst in den Schmuddel-Ecken des Internets. Es regelte den Zahlungsverkehr hinter Internetseiten etwa im Bereich Pornografie oder Glücksspiel.

Bislang kein Anzeichen auf Fehlverhalten von Mitarbeitern

Auf die jüngsten Anschuldigungen hat das Unternehmen reagiert – und sie ebenfalls als haltlos zurückgewiesen. Vor wenigen Tagen hatte der Wirecard-Vorstand deswegen Analysten zu einer Telefonkonferenz zusammen getrommelt. In der Tat, so erklärte Konzernchef  Markus Braun, habe ein Mitarbeiter in Singapur einen Verdacht gegen einen anderen Mitarbeiter angemeldet – das war im Frühjahr 2018. Daraufhin habe Wirecard eine für solche Fälle vorgesehene Untersuchung in Gang gebracht. In deren Verlauf habe sich heraus gestellt, dass die Vorwürfe mit Feindseligkeiten zwischen beiden Mitarbeitern zusammenhängen könnten.

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von Mischa Ehrhardt

Nach Angaben einer in diesem Zusammenhang beauftragten unabhängigen Anwaltskanzlei stehe das Prüfverfahren kurz vor dem Abschluss. Und bislang seien bei der Untersuchung kein strafbares Fehlverhalten von Führungskräften oder Mitarbeitern des Unternehmens gefunden worden. Wirecard dürfte auch deswegen eine dankbare Angriffsfläche für Zweifler bieten, weil das Geschäftsmodell im Vergleich zu anderen Unternehmen vergleichsweise komplex ist – und diese Komplexität spiegelt sich eben auch im Zahlenwerk des Unternehmens.

Aufstrebender Börsenkandidat

Heute stecken Technologien von Wirecard hinter vielen Transaktionen, die wir täglich im Internet vornehmen: Ob man eine Reise bucht, ein Buch kauft oder mit einer App etwas anderes einkauft: Im Hintergrund wickelt Wirecard die Zahlung im Dienste seiner Kunden ab. Da diese Services in Zeiten von Online-Einkaufen und dem Bezahlen aller möglicher Online-Services stark nachgefragt sind, wächst Wirecard entsprechend stark: So hat es der Konzern im vergangenen Jahr geschafft, im Dax zu landen - also unter den 30 wichtigsten Börsenkonzernen Deutschlands zu rangieren.

Dabei hat das bis dahin für viele Menschen unbekannte Unternehmen die alt eingesessene Commerzbank von ihrem angestammten Platz im Dax verdrängt. In Sachen Börsenwert ist Wirecard im vergangenen Jahr an der Deutschen Bank vorbei gestürmt. Trotz des jüngsten Kursverfalls ist Wirecard an der Börse immer noch mehr wert als die größte deutsche Bank.

Was, wiederum ebenfalls einen Ansatz zur Erklärung der für einen Dax-Konzern ungewöhnlich starken Kursschwankungen gibt. Denn die Hoffnungen in Bezug auf Wirecard richten sich auf ein anhaltend starkes Wachstum in der Zukunft. Befeuert durch den Dax-Aufstieg hat sich der Wert der Aktien innerhalb kurzer Zeit im vergangenen Jahr verdoppelt. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass bei leisen Anzeichen von Zweifeln Anleger angehäufte Gewinne einstreichen, die dann auch zu Kettenreaktionen beim Aktienkurs führen können.

Infos zu Wirecard

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