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Wirkung, Zulassung, Kosten - Die Fakten zur Homöopathie-Diskussion

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Sollen Krankenkassen nicht mehr für Homöopathie aufkommen? Die Koalition diskutiert. Was bringen Globuli und Schüßler-Salze? Und wie hoch sind die Kosten? Die Fakten im Überblick.

Archiv: Globuli im Fläschchen, homöopathisches Arzneimittel.
Wirken nicht über den Placebo-Effekt hinaus: Globuli.
Quelle: imago

Was ist Homöopathie?

Im 19. Jahrhundert begründete der deutsche Arzt Samuel Hahnemann die Homöopathie. Das Prinzip lautet: "Heile Ähnliches mit Ähnlichem". Stoffe, die in großen Mengen Krankheiten auslösen, sollen in verdünnten Kleinstdosen die Beschwerden lindern. So kann - der homöopathischen Lehre zufolge - eine Zwiebel tränende Augen heilen, etwa bei Heuschnupfenpatienten. Der Wirkstoff wird dabei extrem verdünnt - vom Verhältnis 1:10 bis nahezu unendlich. Eingenommen werden die Mittel meist in Form von kugelförmigen Globuli.

Wirken homöopathische Mittel?

Es gibt Hunderte Studien zur Wirksamkeit oder Unwirksamkeit von Homöopathie. Einige der Untersuchungen, oft von Homöopathie-Befürwortern, wollen einen positiven Effekt nachgewiesen haben. Andere kommen zu negativen Ergebnissen.

Welcher Studie also glauben? Um den medizinischen Forschungsstand zusammenzufassen, gibt es in der Wissenschaft Meta-Analysen: Die Ergebnisse vieler Studien zu einer Fragestellung werden zusammengefasst, gegeneinandergestellt, überprüft. Außerdem gibt es sogenannte Reviews, die Ergebnisse und Messmethoden von Studien kritisch überprüfen.

Viele systematische Reviews und Meta-Analysen zeigen: Obwohl schon seit 200 Jahren praktiziert, gibt es keine glaubwürdigen wissenschaftlichen Belege für die Wirkung von Homöopathie. Studien, die eine Wirksamkeit nachgewiesen haben wollen, haben zum Teil gravierende methodische Mängel.

Und: Wenn Effekte einer homöopathischen Behandlung gezeigt werden, gibt es dafür andere Gründe. Eine Erklärung ist die Betreuung durch den Homöopathen, eine weitere ist der Placebo-Effekt: Das sogenannte "Placebo" sieht aus und fühlt sich an wie ein wirksames Medikament - enthält jedoch keinen Wirkstoff. Trotzdem "wirkt" das Placebo, was sich psychosozial erklären lässt.

Placebos werden in medizinischen Studien eingesetzt, um die Wirksamkeit eines Medikaments zu erforschen: Dabei erhält eine Testgruppe das Medikament, die andere Testgruppe ein Placebo, im Glauben es handele sich um das Medikament. Erzielt das Medikament eine bessere Wirkung als das Placebo, ist das ein Hinweis auf die Wirksamkeit des Medikaments.

Dass Homöopathie nicht über den Placebo-Effekt hinaus wirkt, ist auch Ergebnis der Untersuchungen der Gesundheitsbehörden in Großbritannien. Die französische Gesundheitsbehörde HAS kam Ende Juni ebenfalls zu dem Schluss: Es gebe keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der Homöopathie, die eine Erstattung durch die Krankenkassen rechtfertige.

Mit homöopathischen Arzneimitteln werden oft erstaunliche Heilerfolge erzielt. Doch was ist eigentlich drin in den weißen Kügelchen und wie werden sie hergestellt? Mai Thi Ngujen-Kim zeigt das mal in unserem Lesch & Co-Labor.

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12 min
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Warum sind sie als Therapie zugelassen?

In Deutschland fallen homöopathische Mittel unter die sogenannten "besonderen Therapierichtungen". Ihnen räumt der Gesetzgeber einen Sonderstatuts ein: Sie benötigen keine Arzneimittel-Zulassung, sondern nur eine Registrierung. Im Gegensatz zur Zulassung von Arzneimitteln wird dafür kein Beleg der Wirksamkeit durch klinische Studien gefordert. Es ist jedoch nachzuweisen, dass die Mittel eine "angemessene pharmazeutische Qualität" haben.

Warum finanzieren Krankenkassen Homöopathie?

Die Techniker Krankenkasse (TK) verweist auf Kundenbefragungen: Viele Versicherte wünschten sich ergänzende Angebote zur Schulmedizin. "Wir nehmen diese Kundenwünsche ernst", so ein Sprecher.

Denn: Homöopathische Arzneimittel gehören nicht zu den Regelleistungen der Krankenkassen. Es handelt sich um eine sogenannte "Satzungsleistung": Der Gesetzgeber erlaubt den Kassen, freiwillig bestimmte Zusatzleistungen anzubieten - etwa nicht verschreibungspflichtige, homöopathische Medikamente. Voraussetzung: Der Gemeinsame Bundesausschuss, der die Pflichtleistungen der Kassen festlegt, schließt das Mittel nicht aktiv von den Sonderleistungen aus.

Soll Homöopathie eine Kassenleistung sein oder nicht? Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen hält sich in der Diskussion zurück. Homöopathie sei ein "Wettbewerbsinstrument". In diesem Wettbewerb zieht mittlerweile der Großteil der Krankenkassen mit: etwa zwei Drittel der gesetzlichen Kassen erstattet homöopathische Mittel. Alle Kassen müssen übrigens homöopathische Arzneimittel für Kinder bis 12 Jahre zahlen - das ist eine Regelleistung.

Was sagen Krankenkassen und Ärzte zur Wirkung?

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen möchte die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln nicht beurteilen. Das sei eine "medizinische Frage", so eine Sprecherin. Die Beurteilung dieser Frage liege bei den einzelnen Kassen und dem medizinischen Fachpersonal.

Die Techniker Krankenkasse, die Homöopathie anbietet, verweist auf die Wünsche der Kunden. Zur Wirksamkeit habe die Kasse "keine Position".

"Es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren", sagt der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet über die Regelleistungen der Krankenkassen. Auch dessen Vorsitzender, Josef Hecken, sieht keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit.

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte erklärt hingegen: "Ein Verbot der Erstattung homöopathischer Leistungen wäre ein Schritt hin zu einer 'Monokultur' in der Medizin." Gefragt sei eine "pluralistische Medizin".

Wie viel Geld wird mit Homöopathie umgesetzt?

35 Millionen Packungen homöopathischer Arzneimittel im Wert von 380 Millionen Euro gingen im vergangenen Jahr über die Theken deutscher Apotheken. Der Trend geht allerdings zurück: 2016 machte der Verkauf von Homöopathika noch 405 Millionen Umsatz aus.

Im Verhältnis zum Gesamtumsatz deutscher Apotheken ist das ein Bruchteil: Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 50,76 Milliarden Euro. Im Bereich der Selbstmedikation (3,72 Milliarden) machen homöopathische Mittel aber immerhin 10 Prozent aus.

Wie viel geben die Krankenkassen für Homöopathie aus?

Der GKV-Spitzenverband hat keine Aufstellung darüber, wie viel Krankenkassen für Homöopathie ausgeben.

Die Techniker Krankenkasse gibt "rund 1 Promille unserer Leistungsausgaben für Homöopathie-Leistungen aus". Bei einem Gesamtvolumen von 26 Milliarden Euro für Versorgungen im vergangenen Jahr mache dies rund 26 Millionen Euro für homöopathische Mittel und ärztliche Leistungen.

Dem Autoren auf Twitter folgen: @luc_ei

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