Sie sind hier:

Wachstumsprognosen - Konjunkturelle Schwächephase mit Lichtblicken

Datum:

Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose halbiert. Das liegt auch an einem verlangsamten Wachstum in China. Doch aus dem Reich der Mitte gibt es auch positive Signale.

Containerhafen in China. Archivbild
Containerhafen in China. Archivbild
Quelle: Yu Fangping/SIPA Asia via ZUMA Wire/dpa

Für dieses Jahr rechnet die Bundesregierung nur noch mit einem schwachen Wachstum von einem halben Prozent. Ende Januar war die Regierung noch von einem Wachstum von einem Prozent ausgegangen, im Herbst waren es sogar noch 1,8 Prozent.

Schwächephase hält an

Die deutsche Volkswirtschaft habe ihre Wachstumsschwäche noch nicht überwunden, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) deswegen bei der Vorstellung der Frühjahrsprognose in Berlin. Ähnlich sieht man das in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Commerzbank. Auch dort hat man kürzlich die Wachstumsprognosen nach unten korrigiert.

Vor allem der Rückgang der Auftragseingänge im März habe die Aussichten zuletzt eingetrübt. "Für das erste Halbjahr zeichnet sich damit ein noch geringeres Wachstum ab als bisher unterstellt", sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Krämer rechnet für dieses Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,4 Prozent, also mit noch etwas weniger Wachstum als die Bundesregierung.

Autoindustrie bremst mit

Bedingt ist die aktuelle Schwächephase nach Ansicht der meisten Ökonomen vor allem durch die schwelenden internationalen Handelskonflikte, aber auch den ungelösten Brexit. In Deutschland kam vor allem im zweiten Halbjahr 2018 noch dazu, dass die Autohersteller Probleme beim Umstellen auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP hatten. Deswegen sind die Absätze von Neuwagen deutlich zurückgegangen.

Gerade in den südeuropäischen Ländern verliert die Konjunktur an Kraft, Italien rutscht sogar in die Rezession
Branchenanalyst Peter Fuß

Dieser Trend allerdings zeigt sich mittlerweile auch andernorts: So hat der europäische Verband der Autohersteller ACEA bekannt gegeben, dass die Zahl neu zugelassener Fahrzeuge in Europa im März um 3,9 Prozent eingebrochen ist. Das ist ein deutlicher Rückgang – und der siebte in Folge. "Gerade in den südeuropäischen Ländern verliert die Konjunktur an Kraft, Italien rutscht sogar in die Rezession", sagte Branchenanalyst Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY.

China - wichtiger Absatzmarkt schwächelt

Vergleichsweise gute Nachrichten dagegen kommen aus China. Denn die Statistiker in Peking haben ausgewiesen, dass das Bruttoinlandsprodukt des Landes im ersten Quartal dieses Jahres um 6,4 Prozent gestiegen ist. Das ist historisch gesehen zwar wenig – das Niveau des chinesischen Wirtschaftswachstums ist mit diesem Wert so klein wie seit drei Jahrzehnten nicht. Es ist aber etwas mehr, als die Ökonomen auf Grund vergangener schlechter Nachrichten aus China angenommen hatten – und das ist ein gutes Zeichen. Denn China ist die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft, das Land trägt mittlerweile zu rund einem Viertel des globalen Wachstums bei.

Insbesondere ist das Land aber für die deutsche Exportindustrie immens wichtig: Nach den USA ist China vor zwei Jahren zum zweitwichtigsten Absatzmarkt deutscher Exporteure außerhalb Europas aufgestiegen. Gerade auch Autokonzerne profitieren vom größten Automobilmarkt der Welt. Fast jedes zweite Auto aus der weltweiten Volkswagen-Produktion beispielsweise findet im Reich der Mitte seine Abnehmer.

Peking versucht zu stützen

Ich denke, in den vergangenen Wochen war die Stimmung in China und im Blick auf China zu pessimistisch
Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski

"Ich denke, in den vergangenen Wochen war die Stimmung in China und im Blick auf China zu pessimistisch", sagt der Chefvolkswirt der ING, Carsten Brzeski zu den jüngsten Daten aus Peking. "Die Konjunkturprogramme der Regierung beginnen offenbar zu wirken".

In der Tat hat Peking Maßnahmen eingeleitet, um die Wirtschaft des Landes gegen negative Auswirkungen etwa des Handelsstreites mit den USA zu stützen. Dazu gehören etwa Steuersenkungen, aber auch geldpolitische Erleichterungen für die Wirtschaft des Landes. Die US-Großbank JP Morgan schätzt die Summe dieser Maßnahmen auf rund 600 Milliarden US-Dollar.

Schwächephase bald überwunden?

China scheint sich dem Trend und den negativen Unkenrufen erfolgreich zu widersetzen
Folker Hellmeyer, Ex-Chefvolkswirt der Bremer Landesbank

Die Industrieproduktion in China hat im ersten Quartal um 8,5 Prozent, zugelegt – das sind Werte, von denen die übrigen führenden Industrieländer der Welt nur träumen können. "China scheint sich dem Trend und den negativen Unkenrufen erfolgreich zu widersetzen", sagt Folker Hellmeyer, ehemaliger Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, mittlerweile Chefanalyst des Vermögensverwalters Solvecon. Das ist eine gute Nachricht. Denn mit wachsender Nachfrage steigt auch die Nachfrage bei Exporteuren hierzulande.

So rechnet auch die Bundesregierung in ihrer Frühjahrsprognose mit immerhin relativ moderaten Zuwächsen für die deutschen Exporteure. Optimistischer ist sie mit Blick auf die Binnenkonjunktur: Die boomende Baubranche etwa, steigende Löhne und der hohe Beschäftigungsgrad seien tragende Säulen der Deutschen Konjunktur. Deswegen geht man in Berlin auch nur von einer vorübergehenden Schwächephase aus: Für das kommende Jahr 2020 rechnet die Regierung in Berlin wieder mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Allerdings sollte man auch diese Prognose mit Vorsicht genießen.  Denn ihre letzten beiden Vorhersagen im Herbst und Januar hatten nur eine sehr kurze Haltbarkeit.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.