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Gastland der Hannover Messe - Mexikos Wirtschaft überraschend stabil

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Drogenkrieg, Traumstrände und Tequila: Das Mexiko-Bild hierzulande ist etwas einseitig. Dabei präsentiert sich die Wirtschaft trotz politischer Attacken der USA als stabil.

Duetsche Autowerk in ASan Jose Chiapa (Mexiko)
Mexikos Automobilindustrie auf Rekordkurs
Quelle: reuters

Für den Rest der Welt ist Mexiko schon lange ein wichtiger Partner in Lateinamerika. Der südliche Nachbar der USA hat sich zu einem Zentrum der industriellen Produktion in Nordamerika entwickelt. "Ausschlaggebend dafür waren eine gewisse Diversifizierung und eine starke Exportorientierung“, sagt Ulrike Göldner, Regional-Managerin des Lateinamerika-Vereins, der Wirtschaftsvereinigung für Lateinamerika.

Trotz Drohgebärden des US-Präsidenten Donald Trump zu Beginn seiner Amtszeit gegenüber der in Mexiko angesiedelten Autoindustrie haben sich die Absatzzahlen der südlich des Rio Bravo produzierten KfZ in den USA im ersten Jahr der Präsidentschaft Trump noch einmal auf eine neue Rekordmarke gesteigert. Dem ersten Schreck folgte ein kurzes Durchatmen. Die Nerven bleiben trotzdem angespannt.

Luftfahrt im Aufwind

Auch die Luftfahrtbranche sowie die Elektroniksparte sind im weltweiten Vergleich stark aufgestellt, daneben florieren traditionellere Bereiche wie der Nahrungsmittelsektor und die Textilindustrie. Bei der Hannover-Messe präsentieren sich auch einige mexikanische Start-Ups. Einer der Jung-Unternehmer ist Paulino Vacas Jacques vom Unternehmen MoTeBo, das sich auf Wearable Technology rund um das "Internet der Dinge“ spezialisiert hat: "Das Klima für Start-Ups ist gut.“ Was kompliziert ist, sind Zugänge zu internationalen Märkten. "Es hilft dir nichts, wenn du zwar eine interessante Technologie hast, aber keinen Platz wo du auf dem Markt landen kannst“, sagt Vacas Jacques im Gespräch mit heute.de. Diesen Ankerplatz wollen die Mexikaner in Hannover finden.

Der Schatten des Drogenkrieges und der daraus resultierenden Gewalt lastet auf dem Land und nimmt Einfluss auf einige Entscheidungen, vor allem in der Logistikbranche. Im Streit mit den USA über das Handelsabkommen NAFTA kann sich Mexiko auf eine inzwischen stark aufgestellte Automobilindustrie mit einer imposanten Zulieferkette verlassen: "Dabei sind auch und vor allem deutsche Unternehmen beteiligt, die weiterhin und trotz der Auseinandersetzungen mit den USA Werke und Einrichtungen für die Erweiterung ihrer Produktion dort vor Ort eröffnen und umfassende Investitionen tätigen“, so Göldner.

Energiesektor offen für private Investoren

Mexikos Regierung versucht derweil die wirtschaftliche Vielfalt voranzutreiben. Im August 2014 wurde eine Verfassungsänderung verabschiedet, die den zuvor staatlich regulierten Energiesektor für private Investoren aus dem Ausland öffnet. Das ist im Land umstritten, vor allem linke Politiker und Gewerkschaften kritisieren das als Ausverkauf mexikanischer Interessen und befürchten eine Aushöhlung von Arbeitnehmerrechten in den betroffenen Branchen. Anderseits resultieren aus dieser Energiereform zahlreiche neue Öl-, Gas- und Stromprojekte. 

Mexiko Touristmus
Tourismus ist die Einnahmequelle in Mexikos Süden
Quelle: picture alliance

Das unterschiedliche Tempo der Entwicklung sorgt für Spannungen. Während durch die Export-Orientierung das Zentrum der industriellen Produktion vor allem im Norden und in der Mitte des Landes liegt, bleibt für den deutlich ärmeren Süden fast nur der Tourismus und die Landwirtschaft. Deswegen fühlt sich Mexikos Süden von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt. Überzeugende Pläne für einen Ausgleich fehlen bislang und dürften auch ein Thema für die anstehende Präsidentschaftswahl werden.

"Mexiko liegt sehr viel daran, das NAFTA-Abkommen neu zu verhandeln und es nicht abzuschaffen“, ist Mexiko-Expertin Göldner überzeugt. Das Land arbeitet offenbar an einer mehrgleisigen Strategie, um der Bedrohung eines Handelskrieges mit den USA zu begegnen. Start-Up-Gründer Vacas Jacques sagt: "Auch Europa und Deutschland sind natürlich interessante Märkte.“

Deutschland wichtiger Handelspartner

Mexiko ist bereits mit 45 Ländern durch ein Freihandelsabkommen vernetzt. Vor gut einem Monat hat es sich zudem mit 10 weiteren Partnern dem CPTPP – dem umfassenden und progressiven Abkommen für transpazifische Partnerschaft – angeschlossen. Ein klares Signal in Richtung Washington. Auch mit der Europäischen Union geht es voran. Das Globalabkommen mit Mexiko soll in Kürze modernisiert werden. Deutschland ist heute bereits für Mexiko der wichtigste Handelspartner in der EU. Investitionen aus Deutschland leisten zudem einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes. "Und sind so auch ein Schlüssel zum Wohlstand in Mexiko“, sagt Mexiko-Expertin Göldner.

Was aus dem Ausland oft übersehen wird: Mexiko verfügt über einen recht gesunden Binnenmarkt und über eine steigende Kaufkraft in der Bevölkerung. Die Wirtschaftsdaten widersprechen einem oft in den Medien dargestellten Eindruck, das Land befinde sich in einer Krise. Der IWF prognostiziert ein Wachstum von bis zu 3 Prozent in 2018. Das mexikanische Bruttoinlandsprodukt stieg 2017 um 2,1 Prozent, die Börse legte rund fünf Prozent zu, und der Peso hat sich im Januar als die stärkste Währung aller Schwellenländer bewiesen.

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