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Wirtschaftsfaktor WM - Die fetten Wochen kommen jetzt

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In wenigen Tagen startet die Weltmeisterschaft. Die Vorfreude ist groß, auch bei Deutschlands Unternehmen: Das Geschäft mit dem Fußball verspricht satte Umsätze.

Fanartikel zur Fußball-WM
Hauptsache Schwarz-Rot-Gold: Fan-Artikel zur WM. Quelle: dpa

Was würde Marcel Cornelißen ohne Fußball machen? Vielleicht "etwas mit Mode". Das hatte Cornelißen mal überlegt, damals, 2006, vor der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Doch dann kam das "Sommermärchen" - und Deutschland stand Kopf.

"Die deutsche Fahne", erinnert sich Cornelißen, "war auf einmal wieder in Mode." Autohäuser hätten mit ihr geworben, Brauereien. "Die negative Belastung war weg." Also gründeten er und sein Geschäftspartner einen Online-Handel für Fahnen, Everflag - und wurden regelrecht "überrollt von der Nachfrage".

Expansion bis zum Millionenumsatz

Cornelißen hatte sich das so vorgestellt: Während dem Sommer 2006 ein gutes Geschäft machen und danach umsatteln. Doch die Kunden kauften Fahnen fürs Auto, Fahnen zum Tragen, Fahnen ohne Ende. "Niemand hätte gedacht, was das 'Sommermärchen' für ein Ausmaß annimmt", sagt Cornelißen. "So sind wir ins Geschäft gekommen - und geblieben." Er und sein Geschäftspartner expandierten, nahmen andere Nationen ins Flaggen-Sortiment auf, irgendwann auch andere Produkte.

Heute beschäftigt Everflag in Krefeld acht Mitarbeiter und macht in einem normalen Jahr einen Umsatz von knapp einer Million Euro. "Die großen Turniere", sagt Cornelißen, "sind aber immer noch etwas Besonderes." In einem WM-Jahr steige der Umsatz auf 1,5 Millionen Euro, rechnet der Geschäftsführer vor. "Das ist ein Drittel mehr als in einem normalen Jahr", sagt er.

Branchenübergreifend "Umsatzimpulse"

Doch nicht nur Cornelißen, der mit klassischen Fan-Artikeln handelt, freut sich auf das Turnier. Deutschlandweit wetteifern Unternehmen mit Sonderangeboten um die Gunst der fußballbegeisterten Kunden. Aus gutem Grund, weiß Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland (HDE).

Damenschuhe in Deutschland-Farben zur WM
Damenschuhe: nicht für "Miss Deutschland"-Wahlen entworfen, sondern zur WM. Quelle: imago

Zwar liegen dem HDE keine genauen Zahlen vor. Doch der Verband kennt die Hochgefühle, die eine WM beim Kunden auslösen kann - und rechnet branchenübergreifend mit "Umsatzimpulsen", wie Pressesprecher Hertel es nennt.

Dabei ist es vor allem das "Erlebnis Fußball", das die Kunden zum Kaufen animiert. "Es gibt zwei Voraussetzungen, damit die Weltmeisterschaft für die Händler erfolgreich wird", sagt Hertel. Zum einen das Wetter. "Ein ganz wichtiger Faktor, gerade beim Public Viewing", sagt Hertel. Zum anderen eine erfolgreiche Weltmeisterschaft. "Die deutsche Elf muss möglichst lange im Turnier bleiben, damit sich eine dauerhafte Euphorie etabliert", sagt der Pressesprecher. Dann hätten nicht nur Fan-Artikel Hochkonjunktur, sondern auch Grillgut, Chips, Salzstangen, Kaltgetränke, sogar Fernseher. Kurz: Alles, was zum "Erlebnis Fußball" dazugehört; alles, was einen erfolgreichen Fußballabend ausmacht.

Große und kleine Unternehmen im WM-Rausch

Das beschert nicht nur kleineren Händlern wie Everflag ein Rekordgeschäft, sondern verschafft sogar Branchen-Riesen wie Rewe einen Umsatzschub. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitiert Vorstandschef Lionel Souque mit den Worten: "In den Wochen der Weltmeisterschaft rechnen wir für unsere Filialen mit einem Mehrumsatz von mindestens zwei Prozent." Dazu beitragen sollen auch die kostenlosen Sammelkarten, die Rewe-Kunden derzeit beim Einkaufen erhalten. Die Hoffnung: Wer einmal anfängt, die Karten der DFB-Spieler zu sammeln, kommt wieder - bis er alle hat. Ein Prinzip, mit dem auch Panini Turnier für Turnier Millionen macht.

Einen deutlichen WM-Effekt verspüren traditionell auch die deutschen Bier-Brauer. Die sommerlichen Temperaturen der vergangenen Wochen hätten die Nachfrage bereits erheblich erhöht, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele. "Es gibt Brauereien, die fahren in diesen Wochen Sonderschichten, um genügend Bier ausliefern zu können", sagt Eichele. Wenn das Wetter nun halte und die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich sei, könne das den Bierabsatz noch einmal "richtig ankurbeln".

Der Blick in die Vergangenheit bestätigt Eichele: 2006 seien vor und während der WM fünf Prozent mehr Bier verkauft worden als sonst in Sommermonaten. "Bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 waren es rund vier Prozent mehr."

"Natürlich ist die WM etwas ganz Besonderes"

Noch stärker dürften nur die profitieren, die unmittelbar an der Weltmeisterschaft beteiligt sind, Ausrüster Adidas etwa. Der Konzern aus Herzogenaurach hält sich zwar bedeckt. Konkrete Zahlen nennt Adidas nur für das WM-Jahr 2014: acht Millionen verkaufte Trikots, davon drei Millionen von der deutschen Nationalmannschaft. Dennoch wird klar: Die WM ist wichtig für Adidas, sehr sogar.

Das Turnier sei "eine fantastische Möglichkeit, unsere Marke weltweit zu präsentieren", sagt Konzernsprecher Oliver Brüggen. "Mehr als 3,2 Milliarden Menschen haben in 2014 ein WM-Spiel gesehen." In Russland statte Adidas zwölf Mannschaften aus, "mehr als jeder andere Sportartikelhersteller", und stelle außerdem den offiziellen Spielball. "Unsere Konsumenten schätzen unsere Produkte über das ganze Jahr“, sagt Brüggen. "Aber natürlich ist die Weltmeisterschaft etwas ganz Besonderes."

Die fetten Wochen - sie kommen jetzt. Für Giganten à la Adidas ebenso wie für Einzelhändler wie Marcel Cornelißen. Der und sein Team haben bereits einen neuen potenziellen Bestseller entworfen: eine Deutschland-Fahne mit "Weltmeister"-Schriftzug. Cornelißens Einschätzung: "Auf jeden Fall ein großer Renner." Wie so Vieles, während der WM.

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