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Hohe Preise und Arbeitslosigkeit - Wirtschaftslage macht Iranern zu schaffen

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Mit ihrem Atomdeal wollte die Führung in Teheran die Wirtschaft des Landes stärken. Doch viele Iraner spüren davon nichts - und gehen auf die Straße.

Bei regimekritischen Protesten im Iran sind zwei Demonstranten getötet worden.

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Es sind die größten Proteste in Iran seit der umstrittenen Präsidentenwahl 2009, und längst bricht sich auch politischer Unmut Bahn. Das Fass zum Überlaufen aber brachte die Wirtschaftslage des Landes. In der Bevölkerung herrschen Unmut über Arbeitslosigkeit, hohe Preise und mutmaßliche Korruption.

Zwar hat sich die iranische Wirtschaft seit dem Atomabkommen des Landes mit den UN-Vetomächten und Deutschland erholt. Der gemäßigte Präsident Hassan Rohani hatte 2015 zugesagt, die Urananreicherung einzuschränken. Im Gegenzug handelte er die Aufhebung von Finanz- und Handelssanktionen aus. Vielen Durchschnittsiranern aber hat das bisher nur wenig gebracht. Der Verfall der Währung wurde zwar gebremst und die Ölproduktion wieder hochgefahren. Doch die Wirtschaft erholt sich nur langsam.

Arbeitslosigkeit und Inflation

Tatsächlich ist die Arbeitslosigkeit immer noch vergleichsweise hoch. Im laufenden Fiskaljahr stieg die Quote amtlichen Angaben zufolge auf 12,4 Prozent. An den iranischen Universitäten machen jedes Jahr junge Menschen ihren Abschluss, ohne dass sie Aussicht auf einen Job haben. Die Inflation liegt bei etwa acht bis zehn Prozent. Auslöser der Proteste war offenbar, dass die Preise für Eier und Geflügel um 40 Prozent nach oben schossen. Die Regierung führte den Anstieg auf Notschlachtungen aus Furcht vor der Vogelgrippe zurück.

Auch schrecken die verbleibenden US-Sanktionen weiter viele Banken und Konzerne von Geschäften mit dem Iran ab. Die meisten Iraner hätten weiterhin keinen Zugang zu internationalen Kreditkarten, schildert die Mitarbeiterin einer Privatbank die Lage. "Ich weiß, dass westliche Banken unter dem Deal den iranischen Markt betreten sollten", sagt sie. "Aber in der Praxis ist das nicht geschehen."

Der Abgeordnete Hamid Garmabi sagte der Nachrichtenagentur Fars, die Unzufriedenheit habe auch mit dem Kollaps "illegaler Finanzinstitutionen" zu tun. In der Amtszeit von Präsident Mahmud Ahmadinedschad von 2005 bis 2013, als die Inflation explodiert war, hatten hunderttausende Iraner ihr Erspartes bei dubiosen Finanzinstituten angelegt, die ihnen hohe Zinsen versprachen. Mehrere dieser Institute waren später bankrott gegangen, so dass die Anleger ihr Geld verloren.

"Die Wirtschaft ist in keinem guten Zustand"

Zuletzt hatte sich Rohani im Präsidentschaftswahlkampf im Frühjahr harsche Kritik wegen seines Wirtschaftskurses anhören müssen. Der Präsident mache Politik für die Oberschicht, welche die Armen und Arbeitslosen vernachlässige, kritisierte sein unterlegener konservativer Kontrahent Ebrahim Raisi. Bilder von Obdachlosen, die in Gräbern vor den Toren Teherans hausten, schockierten seinerzeit die Nation. Arme Menschen, jung wie alt, wühlen in den Städten im Abfall nach etwas Essbarem oder waschen für ein paar Münzen Autoscheiben an Ampeln.

Die staatlichen Unterstützungszahlungen für die Ärmsten der Bevölkerung betrugen - Stand Mitte des Jahres - umgerechnet bereits mehr als elf Milliarden Euro. Mit Zahlungen hatte einst schon Rohanis Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad die Landbevölkerung für sich gewonnen. Rohani dagegen wollte die Hilfszahlungen an einzelne Personen zurückfahren und das Geld stattdessen für nachhaltige Entwicklungsprojekte nutzen. Mehdi Chaladschi, Dozent am Washington Institute for Near East Policy, stellte jüngst fest: "Die Wirtschaft ist in keinem guten Zustand."

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