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Recht auf Homeoffice - Flexibler, produktiver, länger

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Das Arbeitsministerium plant ein Recht auf Homeoffice noch in diesem Jahr. Viele dürften das begrüßen. Diese Fakten sollte man kennen, bevor man sich für Heimarbeit entscheidet.

Archiv: Eine Frau sitzt am 24.10.2017 in Rattelsdorf (Bayern) auf der Couch ihrer Wohnung und arbeitet am Laptop
Viele Arbeitnehmer würden lieber zuhause als im Büro arbeiten.
Quelle: dpa

Der Stau zur Rushhour, hustende Kollegen und dann auch noch der schreckliche Kaffee im Büro, gesegnet scheinen da Beschäftigte zu sein, die von zuhause aus arbeiten dürfen. Homeoffice ist ein Wunsch vieler Beschäftigter, die sich dadurch vor allem mehr Flexibilität bei ihren Arbeitszeiten wünschen. Das Arbeitsministerium unter Hubertus Heil (SPD) will dem Rechnung tragen und noch in diesem Jahr ein Gesetz auf den Weg bringen, das Home Office für mehr Arbeitnehmer ermöglicht.

Alle, die zumindest gelegentlich genauso gut von zu Hause aus arbeiten könnten, sollten bessere Möglichkeiten erhalten, das auch zu tun, sagte Staatssekretär Björn Böhning dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Zum geplanten Rechtsrahmen gehöre auch, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander über Modelle der Arbeitszeiterfassung reden.

Ver.di begrüßt Vorstoß

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov für das Redaktionsnetzwerk Deutschland befürworteten 68 Prozent der Deutschen die Pläne des Bundesarbeitsministeriums. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) von 2016 könnten 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland von zu Hause aus arbeiten, aber nur zwölf Prozent tun dies auch. Vor allem gut ausgebildete, vollzeitbeschäftigte seien an der Heimarbeit interessiert. In den meisten Fällen scheitert der Wunsch danach aber am Arbeitgeber, heißt es in der Studie.

Die Gewerkschaft Ver.di begrüßt auf Nachfrage von heute.de das Vorhaben des Arbeitsministers, da sie sich dadurch mehr Flexibilität für Beschäftigte erhofft. Es müssten jedoch klare Regelungen für das Homeoffice gelten, etwa zur Erfassung der Arbeitszeit, zur Nichterreichbarkeit, sowie zu Überstunden und Ruhezeiten. Des Weiteren fordert Ver.di eine gerechte Aufgabenverteilung zwischen am betrieblichen Arbeitsplatz Beschäftigten und zuhause Beschäftigten. Auch müssten Arbeitszeitmodelle einer sozialen Isolation entgegenwirken, weshalb Mindestanwesenheitszeiten im Betrieb nötig seien, heißt es von Seiten der Gewerkschaft. Homeoffice-Beschäftigte müssten zudem unter die gleichen Regelungen zu Überstunden- und Mehrarbeit fallen wie alle anderen Beschäftigten auch.

Auch die Arbeitgeber begrüßen das Vorhaben, teilen den Bedarf der Gewerkschaft nach Regelungen aber keineswegs. "Was Arbeitszeit und Arbeitsort angeht, machen sich gerade wir Arbeitgeber an allen Stellschrauben stark für mehr Flexibilität", sagt Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zu heute.de. Allerdings sollten diese Regelungen in den Betrieben miteinander und selbstbestimmt festgelegt werden und nicht durch Gesetzgebung. "Statt die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, fällt der Bundesregierung fast jede Woche etwas neues ein, was genau das Gegenteil erreicht", kritisiert Kampeter.

Die Reaktion der Gewerkschaft zeigt: Arbeitnehmer dürfen nicht nur Vorteile von der Heimarbeit erwarten. Was sagen Studien über das Homeoffice?

 1. Homeoffice steigert die Produktivität

In einer Studie der Universität Stanford aus dem Jahr 2015 zeigte sich, dass untersuchte Arbeitnehmer, die von zuhause aus arbeiteten 13 Prozent produktiver waren, als ihre Kollegen im Büro. Davon waren jedoch nur vier Prozent auf eine höhere Effizienz zurückzuführen. Der Großteil der gesteigerten Produktivität (neun Prozent) kam daher, dass die Arbeitnehmer zuhause einen größeren Anteil ihrer Schicht arbeiteten und weniger Pausen machten oder krank waren. Auch steigerte sich demnach die Produktivität noch weiter, wenn Arbeitnehmer selbst darüber entscheiden konnten, ob sie im Büro arbeiten oder nicht. Eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) von 2017 sagt zudem, dass ein Teil der höheren Produktivität auch daher rührt, dass die Angestellten innovativer arbeiten und bei ihrer Arbeit neue Wege gehen.

2. Homeoffice fördert eine gute Work-Life-Balance

Die Studie der IAO legt zudem nahe, dass die Arbeit von zuhause insgesamt einen positiven Effekt auf die Work-Life-Balance hat. Der speist sich vor allem daraus, dass Arbeitnehmer sich die Zeit für den Weg zur Arbeit sparen und selbst darüber entscheiden können, wie sie ihre Arbeitszeit einsetzen.

3. Homeoffice-Arbeiter neigen zu Überstunden

Laut IAO-Studie müssen Heimarbeiter eher länger arbeiten als ihre Kollegen im Büro. Der DIW-Bericht sieht das ähnlich, obwohl er hier nur leichte Unterschiede sieht. "Wenn Überstunden geleistet werden, fallen bei den Heimarbeitern allerdings recht viele an – und die meisten Überstunden werden nur teilweise beziehungsweise gar nicht durch Freizeit oder Lohn entgolten", heißt es in dem Bericht.

4. Heimarbeit kann sich negativ auf Gesundheit auswirken

Aus der IAO-Studie geht hervor, dass die Aussagen der untersuchten Arbeitnehmer beim Thema Gesundheit auseinander gehen: Während manche Heimarbeiter sagen, dass ihnen die Arbeit zuhause gesundheitlich gut bekommt, sagen andere, dass diese Form der Arbeit schlecht für sie ist. So nehmen die Wissenschaftler auch an, dass bei der Arbeit zuhause Stress gesteigert und Schlafprobleme begünstigt werden können. In diesen Fällen empfehlen die Autoren der Studie, die Überstunden der Arbeitnehmer zu reduzieren. Demnach seien die Neigung zu Überstunden und das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeitszeit und Privatleben das größte Problem von der Arbeit zuhause.

Annelie Buntenbach, Mitglied im Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, fordert gegenüber heute.de deshalb, dass die geplanten Regelungen von Arbeitsminister Heil "die nötige Sicherheit bieten, um unsichtbare Mehrarbeit und ständige Erreichbarkeit zu vermeiden." Entscheidend sei daher, dass das Recht auf Nicht-Erreichbarkeit eingehalten werde, weil auch im Home-Office Arbeits- und Gesundheitsschutz gewährleistet werden müssten. "Home Office sollte für die Beschäftigten stets freiwillig bleiben, denn viele wollen eine klare Trennung von Beruf und Privatleben", so Buntenbach.

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