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WM-Aus beim Rudelgucken - Geteiltes Leid

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Die Deutschen sind aus der WM geflogen. Geteiltes Leid ist halbes Leid - heißt es. Irgendwie ist da was dran. Die Bilanz eines Rudelguckens in einem Dortmunder Biergarten.

Enttäuschte Fans beim Public Viewing am 27.06.2018
Enttäuschte Fans.
Quelle: epa

15.30 Uhr. Genau richtig, um mir im Biergarten in Dortmund westlicher City noch einen guten Sitzplatz fürs gemeinsame Spielerlebnis zu sichern. Von wegen! Drinnen ist schon voll, draußen Schlangen an zwei Eingängen. Eintritt und Mindestverzehr. Okay, kann man verstehen. 31 Minuten später habe ich eine Limo und einen Stehplatz ergattert. Es geht los - das Spiel, bei dem es für die deutsche Nationalelf gegen Südkorea um alles bei dieser WM geht.

Das müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn nicht!

Zwei Leinwände, gespeist von Beamern, drei Monitore und eine gemeinsame Beschallung. Zugegeben, zu Hause wäre es schon komfortabler - mit freiem Blick auf den Bildschirm, und den Kommentator könnte man auch verstehen. Nebenan bekommt ein kleines Mädchen einen Schreikrampf. Will sie in den Sandkasten fünf Meter hinter meinem Stehplatz und darf nicht? Keine Ahnung, aber sie ist echt laut.

Poldi, Schweini, Götze und der ganze Rest, alle sind sie gekommen, um die Mannschaft auf ihrem Weg in die K.o.-Runde zu begleiten. Deutschland-Trikots überall. Perfektes Sommerwetter. Südkorea, steht der Gegner nicht irgendwo ganz hinten vor Albanien in der Weltrangliste? Klare Sache also! Das Summen der Gespräche dominiert: Rechts von mir geht es um die Erlebnisse im letzten Urlaub auf Fuerte, links um Mode und vor mir um die Frage, wann man endlich mal wieder zum Shoppen ins Outlet in den Niederlanden fährt.

"Die müssen jetzt nur mal Tore schießen"

"Ohhhhhh!" Was war das? Südkorea mit einer Chance. Ziemlich unerwartet. "Ahhhhhh!" Ja, zwischendurch nimmt auch Deutschland das gegnerische Tor ins Visier. "Wir sehen hier natürlich kein gutes Spiel", hören wir den Kommentator. Recht hat er. "Schön ist auch nicht wichtig", ruft es von rechts, "die müssen jetzt nur mal ein paar Tore schießen." Tun die aber nicht. Halbzeitpause.

Geht wieder los. 47. Minute, laute Stimmen. Es gab wohl eine Torchance, aber in dem Moment sehe ich nur Rücken. Habe zwischenzeitlich einen Sitzplatz ergattert. 50. Minute, Menschen fassen sich an den Kopf. "Die führen, die Schweden?" Das Summen des Biergartenschwarms wird ruhiger. Die vier Männer vor mir analysieren bereits: "Wenn wir jetzt gewinnen, können wir sogar Gruppensieger werden." Höre ich da optimistische Vorfreude?

Gomez, Gomez, Gomez... nix passiert

Gomez kommt ins Spiel. "Bitte nicht Gomez", schallt es von hinten, einige pflichten dem per Applaus bei. 62. Minute: Korea greift an, Müller kommt, Schweden führt 2:0. "Jetzt reicht uns schon ein Tor, und Mexiko ist raus", höre ich vor mir. "Schieß doch, spiel doch, mach direkt", werden die Kommentare jetzt immer lauter, wenn die Mannschaft vor Koreas Tor agiert. 64., 68., 71. Minute. Gomez, Gomez, Gomez... nix passiert. Der Zwei-Meter-Mann vor mir springt jetzt immer öfter schon bei klitzekleinen Chancen der Deutschen auf. Ich fürchte, wenn da ein Tor käme, sähe ich es nicht.

"Sechs Minuten Nachspielzeit?" Ein Raunen geht durch die vielleicht 300 bis 400 Biergartengäste. Gut, sechs Minuten Zeit für ein Tor der Deutschen. Tor Korea, leise stöhnendes Entsetzen. Abseits, brüllende Erlösung. Videobeweis, gespannte Stille. Mist! "Da kriegen die so ein Geschenk von Mexiko und stellen sich so dämlich an", sagt einer meiner Vordermänner, jetzt mit dem Rücken zum Bildschirm. Das Weizen wird wichtiger. Er verpasst Neuers Ausflug und das 2:0 der Koreaner. 100 Minuten und Schluss. Manche Gäste brechen auf. Der Großteil bleibt. Geteiltes Leid.  

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