Sie sind hier:

Im Fußballfieber - Knöllchenfrei durch den WM-Rausch

Datum:

Spiegelsocken, WM im Job, Fußballabende - das werden großartige Weltmeisterschaftswochen. Aber was geht als Fußballfan - und wo hört der Spaß auf?

"Spiegel-Socke" - Überzug mit Deutschland-Farben über Auto-Außenspiegel
Quelle: imago

Dass Autos hervorragende Werbeträger sind, kennen wir ja alle von der Einfallstraße zum Shopping-Center. "Logo, das kann mein Auto auch", denkt sich da mancher und hat auch schon die entsprechenden Maßnahmen zur Fußball-WM parat. Winkefähnchen ins Türfenster geklemmt, Socken in Nationalfarben über die Außenspiegel und los - Farbe bekennen! Entsprechende Accessoires warten an allen Ecken und Enden des Einzelhandels auf ihren Einsatz. Aber ist das eigentlich OK?

Spiegelsocken? Nur ohne integrierten Blinker

Ja, und zwar "so lange der Fahrer freie Sicht hat und andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden", sagt Alexandra Elhöft, Rechtsexpertin beim ADAC Nordrhein. Plus: Funktionen des Fahrzeugs dürfen nicht eingeschränkt werden. Wer also Außenspiegel mit integrierten Blinkern hat, sollte tunlichst keine Fan-Socken drüber ziehen, sonst droht ein Knöllchen. Bleiben ja wenigstens noch die kleinen Fähnchen oben in Dachhöhe, zumindest bei geringen Geschwindigkeiten. Ab Tempo 50 steigt laut ADAC allerdings die Gefahr, dass die Anhängsel sich verabschieden, womit man schon beim Thema Gefährdung wäre.

Alles, was nach hinten fliegen kann, dort vielleicht auf der Windschutzscheibe folgender Fahrzeuge landet, die Sicht des Fahrers behindert und so einen Unfall verursacht, sollten Fahrer tunlichst vermeiden. In so einem (Un-)Fall könne man durchaus in Mithaftung genommen werden. Wobei Fähnchen eher Müll verursachen, größere Banner oder auch Schals dagegen schon eher geeignet sind, den nachfolgenden Verkehr zu behindern, wenn sie vom Fahrzeug wegfliegen. "Da bieten sich dann eher Motorhauben-Abdeckungen an, die mit Gurten richtig festgemacht werden", so Thomas Müther vom ADAC Nordrhein.

Fahnen mit Stangen aus dem Autofenster? Geht gar nicht

Was gar nicht geht, sind Flaggen, die an Stangen aus dem Fenster gehalten werden - auch nicht beim Autokorso nach einem gewonnenen Spiel. Streng genommen geht laut Straßenverkehrsordnung auch schon der Autokorso nicht. Da sagt Paragraph 30 nämlich, dass unnötiges Hin- und Herfahren in Deutschland nicht gestattet ist. Okay, meist drückt die Polizei zu solchen Anlässen ja beide Augen zu, sogar beim Hupen - aber nicht, wenn Mitfahrer dabei den Oberkörper aus der Schiebedachöffnung recken oder im Golf mit fünf zugelassenen Sitzplätzen acht Fans umher kutschieren. Möchte man ja eigentlich auch nicht drinsitzen, wenn der Fahrer plötzlich bremsen muss ...

Und vorher, also wenn gespielt wird? Schauen wir doch mal auf die Anstoßzeiten. Die Mannschaft hat es ganz gut erwischt in der Vorrunde, Sonntag (17.6.) 17 Uhr, Samstag (23.6.) 20 Uhr, Freitag (27.6.) 16 Uhr. Das liegt jetzt nur bedingt in der Kernarbeitszeit von Deutschlands Werktätigen - aber es gibt ja auch noch jede Menge andere Spiele, die vielleicht mit dem Job kollidieren. Also Fernseher auf den Schreibtisch und die Werkbank gestellt oder in den Livestream reingeklickt?

WM am Arbeitsplatz? Unbedingt abklären

Arbeitsrechtlich ist das nicht unbedingt die beste Idee, solange das nicht mit dem Arbeitgeber abgeklärt ist - auch dann nicht, wenn es in der Vergangenheit vielleicht geduldet wurde. "Stellt der Arbeitgeber jetzt zur WM klar, dass Fernsehen oder die private Internetnutzung ab sofort untersagt ist, riskiert der Arbeitnehmer bei einem Verstoß eine Abmahnung, im Wiederholungsfall sogar die Kündigung", sagt Oliver K.-F. Klug, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen. Was dann natürlich genauso für beispielsweise Online-Wetten gilt: Privat bleibt privat.

Und mal eben so ein paar Stunden Urlaub nehmen, wenn es keine Gleitzeit-Regelungen gibt? Auch da sieht es schlecht aus. "Halbe Urlaubstage sind gesetzlich nicht vorgesehen", so Klug. Bleibt also jeweils ein ganzer Tag Urlaub, den man einreichen könnte. Aber wenn der abgelehnt wird? "Auch eigenmächtig angetretener Urlaub kann ein Grund zur fristlosen Kündigung sein", weiß der Arbeitgebervertreter. Immerhin: Laut einer Studie der Universität Hohenheim dulden in diesem Jahr 48 Prozent der Arbeitgeber, dass WM-Spiele am Radio verfolgt werden dürfen, 38 Prozent finden auch TV-Übertragungen am Arbeitsplatz in Ordnung.

Public Viewing? Gar nicht mehr so oft

Bleibt, wenn das mit der Freizeit geklärt ist, eigentlich nur noch die Frage, wo man sich die Spiele der WM anschaut. Public Viewing wäre so eine Möglichkeit. Tatsächlich scheint das Phänomen des Rudelguckens aber längst nicht mehr so attraktiv zu sein wie noch 2006. In vielen Großstädten stehen Massenveranstaltungen in diesem Jahr nicht auf der Agenda. So ist das mit dem technischen Fortschritt: Wandfüllende Fernseher lassen grüßen.

Zusammen in der Kneipe oder zu Hause ist außerdem ganz ohne Sonnenbrand oder Regenschirm. Und überhaupt bequemer. Gerade in den eigenen vier Wänden ein bisschen enger vielleicht und lauter, wenn Gäste zur WM-Party kommen. Was nicht heißt, dass man da die ganze Nacht Fußball-Alarm machen dürfte. WM ist schließlich kein rechtlicher Ausnahmezustand. Wobei, schauen wir auch da noch einmal kurz auf die Anstoßzeiten ... nein, 20 Uhr ist der späteste Start, Halbfinale und Finale starten nachmittags. Da schafft man es selbst im größten Freudentaumel, so bis kurz nach zehn den Lärmpegel runterzuschrauben. Kann also losgehen!

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.