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Fachkräfte fehlen - Gesucht: Handwerker, Ingenieure, Pfleger

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Es fehlen Fachkräfte in Deutschland, und das gilt für einige Berufsgruppen besonders deutlich. Allerdings schwanken die Zahlen je nach Berufsgruppe und Region.

Archiv: Zwei Bauarbeiter arbeiten am 19.09.2017 in Hamburg auf einer Baustelle in der Hafencity
Quelle: dpa

"Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel in Deutschland kann nicht ausgegangen werden", schreibt die Bundesagentur für Arbeit in ihrer "Fachkräfteengpassanalyse". Die erstellt sie zweimal jährlich, zuletzt im Juli. Auf 230 Arbeitslose kommen derzeit 100 Stellen, die sofort zu besetzen sind. Vor allem in den Bauberufen aber hat sich der Bundesagentur zufolge bundesweit die Lage verschärft. So fehlen immer mehr Aufsichtskräfte des Hoch- und Tiefbaus. An Ingenieuren mangelt es auch in anderen Branchen - die Unternehmen suchen nach Experten im Metallbau und der Schweißtechnik, in der Fahrzeug-, Luft- und Raumfahrttechnik.

Die Bundesbank sieht den Fachkräftemangel nicht unkritisch. "Ein zunehmender Fachkräftemangel könnte weiteren hohen Produktionssteigerungen zukünftig stärker Grenzen setzen", warnt die Notenbank. Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat sich mit der Frage beschäftigt, ob der Fachkräftemangel die deutsche Konjunktur bremst und will die Ergebnisse heute vorstellen.

In der Mechatronik und Automatisierungstechnik beispielsweise fehlen Ingenieure als Experten, aber auch als Spezialisten. Als Spezialist gilt in der Statistik jemand, der bis zu sechs Jahre Ausbildung absolviert hat, etwa Ingenieure mit Bachelor-Abschluss, aber auch Meister oder Techniker, als "Experte" bezeichnet man solche mit mehr als sechs Jahren Ausbildung, etwa mit Diplom oder Master. "Fachkräfte" sind in dieser Klassifizierung all diejenigen, die eine kürzere, aber abgeschlossene Ausbildung vorweisen können.

Lücke in MINT-Berufen

An denen herrscht etwa im Handwerk großer Mangel. Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, sagte jetzt der "Märkischen Oderzeitung", 40 Prozent der Betriebe hätten Probleme bei der Besetzung offener Stellen - und das quer durch alle Handwerksbereiche, das seien etwa im Lebensmittelhandwerk Fleischer oder Bäcker. Bauberufe im Hochbau sind sehr gefragt sowie bei Sanitär, Heizung, Klima.

Diese "Vakanz", also die Zeit, in der Stellen nicht besetzt werden können, ist im Schnitt um 18 Tage auf jetzt 100 Tage gestiegen, zeigt die Analyse der Bundesagentur für Arbeit. In den akademischen Bereichen sind es vor allem die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). "Da sehen wir eine Allzeit-Hoch-Lücke", sagt Michael Hüther, Präsident des Instituts der deutschen Wirtschaft, "die noch um ein Viertel höher wäre, wenn nicht die Zuwanderung stärker in diesen Bereich hineingegangen wäre in den letzten Jahren." Diese Lücke sieht man nicht nur bei Akademikern - sie gelte auch für andere Berufsgruppen in diesem Bereich, sagt Alexander Kubis, Leiter der Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört.

Regionale Unterschiede

Neben den MINT-Berufen gibt es Engpässe vor allem im Gesundheitsbereich. Das sei ein strukturelles Problem, erklärt Kubis. Denn weil die Einnahmen gesetzlich gedeckelt seien, müssten die Krankenhäuser auch an den Ausgaben sparen. Das geht oft zu Lasten des Personals: "Da gibt es kaum Spielraum für Lohnerhöhungen", erklärt er. Auch die Arbeitsbedingungen seien oft schwierig, sagt Michaela Kuhnhenne, Referentin der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung. Sie verweist auch auf den hohen Bedarf an Fachkräften in der frühkindlichen Pädagogik und der Erziehung. Die fehlen auch in den großen Ballungsräumen - trotz Ortszulagen kann sich ein Erzieher eine Wohnung etwa in München kaum leisten.

Regional also sind die Unterschiede groß. Fachkräftemangel ganz allgemein gibt es vor allem in den Ballungsräumen, aber auch in Bayern und Baden-Württemberg. In Nordrhein-Westfalen jedoch ist die Arbeitslosigkeit höher als in ganz Ostdeutschland.

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