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Für Kellner und Zimmermädchen - Wo Trinkgeld ein Muss oder fehl am Platz ist

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Mit zehn Prozent Trinkgeld fährt man fast auf der ganzen Welt gut. Nicht aber in Japan, wo Trinkgeld verpönt ist. Oder in den USA, wo die Kellner vom Trinkgeld leben müssen.

Archiv: Trinkgeld liegt auf einem Tisch in einem Cafe, aufgenommen am 20.07.2017
Immer wieder knifflig: Wie viel Trinkgeld?
Quelle: imago

"Das macht 9,20 Euro", sagt die Bedienung. Der Gast reicht ihr einen Zehner-Schein und sagt: "Stimmt so." Die Bedienung lächelt und dankt. Szenen, wie sie jeden Tag in Cafés, Restaurants und Bars vorkommen. Zumindest in Deutschland. In den USA wäre ein Trinkgeld unter zehn Prozent ein Zeichen von Unmut: Irgendetwas mit dem Service hat nicht gestimmt.

USA: "Sie müssen Trinkgeld geben"

Denn in den USA ist Trinkgeld kein Dankeschön, sondern Teil des Lohns. Viele Kellner verdienen nur ein paar Dollar die Stunde - den Rest müssen sie mit dem Trinkgeld wettmachen. "You have to tip - Sie müssen Trinkgeld geben", werden Touristen in New Yorker Restaurants bisweilen vorgewarnt. 20 Prozent Trinkgeld bedeuten: Ich war mit dem Service sehr zufrieden. 15 Prozent ist das Mittelfeld, zehn Prozent das absolute Minimum. Manche Restaurants schlagen mittlerweile pauschal das Trinkgeld auf die Rechnung drauf.

Das ist in Italien auch der Fall, im Vergleich zu den USA ist der Aufschlag in "Bella Italia" aber Peanuts: Das sogenannte "coperto" ist eine Art Grundgebühr für Gedeck und Brot. Meistens kostet das "coperto" um die zwei bis drei Euro, dafür entfällt das Trinkgeld. Wer besonders italienisch durchgehen will, bestellt den Espresso an der Bar ("al banco") und trinkt ihn im Stehen. Dann kostet er oft nur 90 Cent - wobei jeder Römer die zehn Cent Restgeld auf dem Tresen liegen lassen würde. Geiz ist in mediterranen Ländern nicht geil.

Deutschland: Trinkgeld ist freiwillig

In Deutschland gibt es keinen Trinkgeld-Zwang. Zumindest theoretisch, weil kein Trinkgeld zu geben etwas unangenehm ist. "Trinkgelder sind ein freiwilliges Dankeschön der Gäste für guten Service der Mitarbeiter", sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA. "Der Gast entscheidet individuell, wann er ein Trinkgeld gibt und wenn ja in welcher Höhe." Anspruch auf ein Trinkgeld habe das Servicepersonal nicht.

Hartges empfiehlt, dem Personal sofort mitzuteilen, wenn etwas nicht stimmt - statt nichts zu sagen, die Bedienung am Ende aber mit null Euro Trinkgeld abzustrafen. "Redenden Menschen kann geholfen werden. Wenn Sie mal mit dem Service oder dem Essen nicht zufrieden sind, sagen Sie das dem Servicepersonal oder dem Wirt." Denn nur so könne die Situation gerettet werden.

Bedienungs- oder Gemeinschaftskasse?

Laut DEHOGA sind Trinkgelder "nicht Bestandteil der Vergütung, sondern Zuwendungen eines Dritten". Will heißen: Sie müssen nicht versteuert werden, auch keine Sozialversicherungsbeiträge werden fällig. "Das war übrigens eine langjährige Forderung des DEHOGA, die 2002 endlich erfüllt wurde", sagt Hartges. Wie in einem Betrieb mit Trinkgeldern umgegangen wird, bestimme der Unternehmer oder der Betriebsleiter. Manchmal geht das Geld direkt an die Bedienung - manchmal wird es aber unter allen aufgeteilt. Schließlich ist der Koch mindestens genauso wichtig, damit der Restaurant-Besuch mundet.

"Häufig gibt es auch Regelungen - über mündliche Verabredungen, den Arbeitsvertrag oder über Betriebsvereinbarungen -, wonach Trinkgelder in eine Gemeinschaftskasse fließen und anschließend unter allen Kollegen aufgeteilt werden. Das wird auch Tronc-System genannt", sagt Harges. "Gastronomie ist Teamarbeit und so profitieren auch Servicemitarbeiter, die nicht kassieren dürfen, oder die Kollegen, die in der Küche ihr Bestes geben, von den Trinkgeldern der zufriedenen Gäste."

Zimmermädchen gehen öfter leer aus

In Hotels freuen sich auch Zimmermädchen über ein bis zwei Euro Trinkgeld pro Tag. Allerdings haben sie den Nachteil, dass sie oft unsichtbar sind. Es fällt dem Kunden schwieriger, einer lächelnden Bedienung das Trinkgeld auszuschlagen, die vor einem steht, als einem Zimmermädchen, das man ohnehin nicht sieht. Egal ob auf dem Kopfkissen, dem Schreibtisch oder dem Nachttisch: Gerade für Zimmermädchen, die nur den Mindestlohn verdienen, ist das Trinkgeld eine wichtige Form der Anerkennung.

Japan ist zwar ein teures Reiseland - Geizkragen dürften sich aber über die japanische Trinkgeld-Politik freuen: Trinkgeld gilt traditionell als Anmaßung oder Beleidigung. Denn aus japanischer Sicht ist es selbstverständlich, dem Kunden einen exzellenten Service zu bieten. Dafür muss er nicht noch extra zahlen.

Tringeld: Wo, wie viel und wie?
Land Wie viel? Wie?
Deutschland 5-10 % Dem Kellner beim Bezahlen der Rechnung geben
Frankreich Aufrunden, bei tollem Service 5-10 % Trinkgeld auf dem Tisch liegen lassen
Griechenland Wird nicht erwartet, ggf. ein paar Euro aufrunden Trinkgeld auf dem Tisch liegen lassen
Großbritannien 10-15 % Dem Kellner beim Bezahlen der Rechnung geben
Österreich 5-10 % Dem Kellner beim Bezahlen der Rechnung geben
Schweiz Wird nicht erwartet, ggf. ein paar Franken aufrunden; in Restaurants 5-10 % Dem Kellner beim Bezahlen der Rechnung geben
Portugal Wird nicht erwartet, ggf. ein paar Euro aufrunden Trinkgeld auf dem Tisch liegen lassen
Spanien Wird nicht erwartet, ggf. ein paar Euro aufrunden Trinkgeld auf dem Tisch liegen lassen
Italien Man zahlt das "coperto", ggf. ein paar Euro aufrunden Trinkgeld auf dem Tisch liegen lassen
Türkei 10 % Trinkgeld auf dem Tisch liegen lassen
USA 15-20 % Dem Kellner beim Bezahlen der Rechnung geben
Japan - Trinkgeld gilt in Japan als unangebracht.

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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