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Die wenig sichtbare Kanzlerin - Wo ist Merkel?

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Was macht eigentlich Angela Merkel? Seit ihrem Verzicht auf den CDU-Vorsitz setzt die Kanzlerin kaum innenpolitische Akzente. Und im Europawahlkampf findet sie quasi nicht statt.

"Wo ist Merkel? Warum ist sie in diesem Wahlkampf so versteckt?" Die niederländische Journalistin Judith van de Hulsbeek wundert sich. Als am Wochenende CDU und CSU den gemeinsamen Europawahlkampf starten, fehlt die mächtigste Politikerin Europas. Angela Merkel sei weder auf den Plakaten noch Teil der Wahlkampfveranstaltungen, sagt Hulsbeek. Und findet das ein wenig merkwürdig. Die CDU mache stattdessen Wahlkampf mit Annegret Kramp-Karrenbauer und CSU-Mann Manfred Weber. "Aber die kennt niemand", sagt sie. Gewinnt man mit Angela Merkel keine Wahlen mehr?

Ganz so will das CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann jetzt auch nicht sagen. Spricht dann aber doch von einem "Trainerwechsel", den es in der CDU gegeben habe. Mit neuer Taktik: Angela Merkel müsse als Regierungschefin den Koalitionsvertrag umsetzen. Aber die neue Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer müsse die CDU für die nächste Bundestagswahl vorbereiten. Das Profil der Partei schärfen. Inhaltliche Forderungen nicht der SPD überlassen. Das also sei künftig nicht mehr die Aufgabe der Kanzlerin. Sondern die von Annegret Kramp-Karrenbauer. Trainerwechsel - die teilweise Entmachtung Angela Merkels klingt viel schöner, wenn sie mit einem Begriff aus dem Sport umschrieben wird.

Lindner: Kanzlerin bereits im politischen Vorruhestand

Auch der politische Gegner stichelt. FDP-Chef Christian Lindner attestiert Angela Merkel ein thematisches Vakuum. Bundespolitische Debatten präge sie jedenfalls im Moment kaum noch. "Die Kanzlerin befindet sich bereits im politischen Vorruhestand", sagt Lindner der Rhein-Neckar-Zeitung. "Es gibt eine parteipolitische Abstinenz von Frau Merkel." Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil wirkt ein wenig hämisch. Das Fehlen Merkels beim Europawahlkampf kommentiert er bei Twitter, all zu gemeinschaftlich trete die Union im Moment ja auch nicht gerade auf.

Immerhin: Am 24. Mai tritt Merkel tatsächlich bei einer Wahlkampfveranstaltung auf. Unmittelbar vor der Wahl. Nun könnte man die Diskussion darüber, wie oft Merkel auf einer Wahlkampfbühne steht, noch als eher unbedeutend abtun. Doch dahinter steckt mehr. Nämlich die Frage, was Merkel inhaltlich noch zu sagen hat. Welche Akzente sie setzen will. Wollte Merkel nicht einmal Klimakanzlerin sein? Oder sich um die Digitalisierung kümmern? Bei diesen Themen lässt Merkel kaum Visionen erkennen. Selbst CDU-Mann Wolfgang Bosbach kritisiert: Noch habe man als CDU doch die Mehrheit. Man könnte die Macht also einsetzen. "Die Frage ist: wofür?"

Merkels Rückhalt schwindet

Es ist eine Frage, die auch Annegret Kramp-Karrenbauer beantworten muss. Der Aufschwung nach dem Wechsel an der Parteispitze ist weitestegehend verpufft. Kramp-Karrenbauers Umfragewerte sinken, parteiintern wird damit auch Merkel selbst schwächer. Der konservative CDU-Flügel fordert bereits Konsequenzen auch im Kabinett. Friedrich Merz etwa als Minister. Und hinter vorgehaltener Hand auch Merkels Rücktritt als Kanzlerin.

Auch das will Carsten Linnemann keinesfalls so fordern. Doch er sagt dann doch: "Frau Merkel war 13 Jahre lang nicht nur Bundeskanzlerin, sondern auch dreizehn Jahre lang Parteivorsitzende. Irgendwann gab's keine Trennung mehr, auch in den Aussagen. Und das war falsch", sagt er. Deswegen sei Merkels Idee, beide Ämter zu trennen, richtig gewesen. "Man kann das eine Zeit lang machen, aber nicht zu lange." Nach sehr viel Unterstützung für die Kanzlerin klingt das nicht gerade.

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