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Bequeme Hilfe bei Ärger - Rechtsportale im Netz: Schnell, aber einfach

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Flugverspätung, Mieterhöhung, Knöllchen: Online-Rechtsportale wollen dem User helfen. Sie arbeiten schnell und kostengünstig. Bei komplexen Fällen stoßen sie aber an ihre Grenzen.

Bei über drei Stunden Verspätung werden Passagiere entschädigt.
Bei über drei Stunden Verspätung werden Passagiere entschädigt. Quelle: Frank May/dpa

Alltag auf deutschen Flughäfen, nicht nur zur Urlaubszeit: Das Flugzeug, mit dem man in den Urlaub starten wollte, verspätet sich um Stunden. Anschlussflüge werden nicht erreicht. Der frustrierte Urlauber verlangt eine Entschädigung. Doch die Fluggesellschaft will nicht zahlen. Was tun? Vor Gericht ziehen oder nachgeben und auf dem Schaden sitzen bleiben?

Recht haben - Recht bekommen?

Viele kennen ihre Rechte nicht oder scheuen die Kosten, die ihnen drohen, falls sie den Prozess verlieren. Denn geht der Fluggast vor Gericht, muss er einen Anwalt einschalten und Gerichtsgebühren vorschießen. Bei einem Streitwert von nur 100 Euro betragen allein schon die eigenen Anwaltskosten und die Gebühren laut Stiftung Warentest rund 263 Euro. Verliert der Kläger, muss er alle Kosten tragen, auch die der Gegenseite.

Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, ist auf der sicheren Seite, könnte man meinen. Doch oft weigern sich die Versicherungen mit Hinweis auf das Kleingedruckte in ihren Policen, die Kosten zu ersetzen. Beim Ombudsmann für Versicherungen häufen sich die Beschwerden. Fluggastrechteportale wie Flightright, Fairplane, Flug-verspaetet.de oder EUClaim wollen in die Bresche springen und dem Fluggast zu seinem Recht verhelfen.

Kein Erfolg, keine Kosten

Die Nutzung der Fluggastrechteportale ist einfach und bequem. Der Fluggast füllt ein Online-Formular mit seinen Flugdaten und dem Beschwerdegrund aus. Um den Rest kümmern sich die Portalbetreiber. Honorare werden erst fällig, wenn die Fluggesellschaft dem Anspruch auf Entschädigung stattgegeben hat. Dann ist eine Provision zu zahlen, die meist 20 bis 30 Prozent der Entschädigung beträgt. Geht der Fluggast leer aus, entstehen ihm keine Kosten.

Stiftung Warentest hat Fluggastrechteportale und andere Online-Rechtsberatungsdienste für die Zeitschrift "Finanztest" untersucht. Bei den Streitigkeiten handele es sich in aller Regel um juristisch einfache Fälle, sagt Eugénie Zobel-Kowalski von Stiftung Warentest. Sie seien gleich gelagert und eindeutig gesetzlich geregelt, so etwa durch die EU-Fluggastverordnung. Danach können Kunden ab drei Stunden Verspätung Ansprüche auf Entschädigung geltend machen, im Maximalfall bis zu 600 Euro pro Person.

Letzter Ausweg SÖP

Portale wie Flightright führen eigene Datenbanken, in denen Flugverspätungen erfasst und abgespeichert werden. Die Portalbetreiber können also mit einfachen Mitteln kostengünstig prüfen, ob der Entschädigungsanspruch eines Fluggastes tatsächlich berechtigt ist. Eigenen Angaben zufolge führt Flightright wegen Flugverspätungen europaweit aktuell rund 10.000 Verfahren.

Nicht immer sind Fluggastrechteportale für den Urlauber der Weisheit letzter Schluss. Denn wer die hohen Provisionen scheut oder von einem digitalen Fluggasthelfer abgelehnt wurde, kann sich online auch an die SÖP, die kostenlose Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr, wenden. "Bevor Sie die SÖP einschalten, müssen Sie aber versucht haben, eine Einigung mit der Fluggesellschaft zu erzielen, Ihren Anspruch also dort schon einmal vergeblich geltend gemacht haben", so Zobel-Kowalski zu heute.de.

Je nach Problem ein Portal

Neben den Fluggastrechteportalen gibt es Online-Dienste wie Frag-einen-anwalt.de oder Juraforum.de, die ihre Nutzer kostengünstig rechtlich beraten. "Sie können dort einfach und bequem Fragen zu Ihrem Fall stellen und bekommen meist sehr schnell eine Antwort", sagt Zobel-Kowalski. Bei Fällen, in denen viele Unterlagen nötig seien oder große Summen auf dem Spiel stünden, sollte man allerdings besser einen Anwalt aufsuchen, rät die Expertin.

Andere Portale haben sich auf spezielle Rechtsfragen spezialisiert. So kümmert sich Geblitzt.de um Bußgeldverstöße im Straßenverkehr. Wenigermiete.de hilft in Mietrechtsfragen. Hartz4widerspruch.de prüft Hartz4-Bescheide und legt gegebenenfalls Widerspruch ein. Verspätungsärger mit der Deutschen Bahn muss der Kunde derweil wieder selber regeln. Das auf Zugverspätungen spezialisierte Portal Bahn-buddy.de wurde kürzlich eingestellt.

Ohne Anwalt geht es nicht immer

Das Angebot an Online-Rechtsdienstleistern werde weiter wachsen, den Anwalt vor Ort aber nicht überflüssig machen, meint Eugénie Zobel-Kowalski. Sobald die Fälle komplexer würden und Standardlösungen nicht mehr passten, würden die Online-Dienste an Grenzen stoßen. Dann sei der Anwalt vor Ort die bessere Adresse. Lasse der Nutzer bei der Formulierung seiner Frage an den Online-Dienst wichtige Details weg, könnte die Folge womöglich ein falscher Rechtsrat sein. Der Vorteil einer persönlichen Beratung vor Ort sei deshalb auch, "dass der Anwalt fragt, worauf man selbst nicht kommt", sagt die Juristin.

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