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Südamerika - Wo Unternehmer stille Helden sind

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Der 1. Mai ist traditionell der Tag der Arbeit. Doch ausgerechnet in sozialistisch regierten Ländern wie Venezuela, Nicaragua oder Kuba wächst das Ansehen der Unternehmer.

Proteste in Nicaragua
Proteste in Nicaragua
Quelle: ap

Die Ränge im Stadion "Jose Bernardo Perez" im venezolanischen Valencia sind gut besucht: Als die Zuschauer der "Navegantes del Magallanes", der lokalen Baseball-Mannschaft, den Ehrengast entdecken, ist die Begeisterung groß. Die Rufe "Präsident, Präsident" drängen von den Tribünen auf das Spielfeld.

Im Mittelpunkt der Ovationen steht allerdings kein Baseball-Profi, sondern Lorenzo Mendoza (52). Und der ist Venezuelas bekanntester Unternehmer und nebenbei auch Sponsor der Baseball-Liga. Einige Wochen lang hielten sich die Gerüchte, dass Mendoza als möglicher Präsidentschaftskandidat bei den umstrittenen Wahlen am 20. Mai antreten werde. Die Opposition blockiert den Urnengang weitestgehend und kritisiert die fehlenden Rechte. Ihre Spitzenpolitiker sind entweder mit einem Berufsverbot belegt, im Hausarrest, in Haft oder im Exil. Mendoza, der bislang keine politischen Ambitionen an den Tag legte, verzichtete trotz der Rufe im Stadion vor ein paar Monaten auf eine Kandidatur.

Ein Unternehmenschef als Hoffnungsträger der Nation

Trotzdem ist er einer der populärsten Figuren innerhalb der venezolanischen Gesellschaft, weil er trotz der unternehmerfeindlichen Politik der sozialistisch-fundamentalistischen Politik der Regierung Maduro im Lande geblieben ist. Dabei hat sich das Vermögen des ehemaligen Milliardärs Schätzungen zu Folge deutlich verringert. Jüngst rief er sogar seine Landsleute, insbesondere die Studenten auf, trotz der Versorgungslage und der fehlenden Perspektive in Venezuela zu bleiben und nicht wie viele Hunderttausende andere das Land zu verlassen.

Für viele Venezolaner ist Mendoza der letzte Hoffnungsträger und ein stiller Held in einer tiefen Krise. Er steuert sein Getränke-Unternehmen in dritter Generation durch Krise, während andere Fabriken wegen einer Hyperinflation von bis zu 1000 Prozent und Rohstoffmangel reihenweise aufgeben mussten. Legendär sind Mendozas sieben Vorschläge zur Beendigung der katastrophalen Versorgungslage. "Das Allerwichtigste ist, die Realität nicht länger zu ignorieren", sagte Mendoza in seiner Brandrede vor gut einem Jahr. Laut Maduro gibt es aber gar keine Krise, sondern nur einen Wirtschaftskrieg neoliberaler Unternehmer. Doch solche auf Mendoza gemünzten Aussagen, lassen diesen nur noch populärer werden.

Arbeiter und Firmen vereint gegen die Regierung

Auch in Nicaragua kommt den Unternehmern in der aktuellen innenpolitischen Krise eine besondere Rolle zu. Seit gut zwei Wochen demonstrieren Zehntausende nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch im ganzen Land gegen die Regierung des sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega. Dabei kommt es zu einem überraschenden Schulterschluss zwischen Studentenorganisationen und dem Unternehmerverband COSEP. Dieser rief nach den zum Teil blutigen Protesten zu einem "Marsch für den Frieden und den Dialog" auf, dem Tausende folgten.

"Wir werden nicht an irgendeinem Dialog teilnehmen, so lange nicht alle Verhafteten freigelassen, die Repressionen beendet werden und es nicht die notwendigen Bedingungen gibt, um miteinander zu sprechen", sagte Michael Healy, Präsident eines Agrar-Verbandes der Zeitung "La Prensa". Die Arbeitgeber fühlten sich durch die massiven Einschnitte in das Sozialsystem, die die Unternehmer und die Arbeitnehmer gleichermaßen getroffen hätten, geradezu erpresst. Und es kam zu einer seltenen Allianz zwischen Rentnern, Arbeitern und Unternehmern gegen die Regierung Ortega, die daraufhin die umstrittene Rentenreform zurücknahmen. Die Proteste bleiben, inzwischen geht es um die politische Zukunft des Präsidenten.

Kuba: Wachsende Macht der Unternehmer

Und selbst im planwirtschaftlich regierten Kuba in dem der inzwischen aus dem Amt des Staatspräsidenten geschiedene Raul Castro vor ein paar Jahren durch die vorsichtige Öffnung des Marktes überhaupt erst den Typus des freien Unternehmer entstehen ließ, spürt die regierende kommunistische Partei im Ein-Parteien-System die wachsende Macht des neuen gesellschaftlichen Faktors. Der kubanische Oppositionspolitiker Jose Daniel Ferrer berichtete zuletzt, dass ausgerechnet diese neue Berufsgruppe inzwischen Repressionen seitens des Staates ausgesetzt ist.

Und während die kubanische Regierung wie immer den Tag der Arbeit mit großen Veranstaltungen feiert, sammeln die Klein-Unternehmer beim einfachen Kubaner mehr und mehr Sympathien. Denn sie schaffen vergleichsweise gut bezahlte Arbeitsplätze und bringen die Wirtschaft voran.

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