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Wechsel an CDU-Spitze - Konservativer, cleverer, weniger kleines Karo

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Nach und nach kommen einige aus der Deckung. Trotzdem ist offen, wer in der CDU die Nachfolge von Angela Merkel antritt. Wofür die Kandidaten stehen - ein Überblick.

"Herzlich willkommen zum 31. Parteitag der CDU Deutschlands" steht auf einem Werbebanner vor den Messehallen und dem Hamburger Fernsehturm
Werbung vor den Messehallen in Hamburg, wo der Parteitag der CDU stattfindet.
Quelle: dpa

Wolfgang Schäuble ist für Friedrich Merz. Daniel Günther für Annegret Kramp-Karrenbauer. Prominente Unterstützer für Jens Spahn sind, noch, rar. Und die 1001 Delegierten? Lassen sie sich davon beeinflussen? Manche sagen offen und mit Kalkül, wen sie zur Nachfolgerin, zum Nachfolger von CDU-Parteichefin Angela Merkel am Freitag wählen wollen. Manche halten sich bedeckt. Am liebsten wäre den meisten wohl eine Mischung: eine Parteichefin, ein Parteichef so erfahren wie Annegret Kramp-Karrenbauer, rhethorisch so schlagfertig wie Friedrich Merz und so jung wie Jens Spahn.

Nimmt man die Regionalkonferenzen der vergangenen zwei Wochen zum Maßstab, könnte es am Freitag ein enges Rennen zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz geben. Wofür die Kandidaten bislang inhaltlich stehen - ein Überblick.

Kramp-Karrenbauer: Konservativer als Merkel

Annegret Kramp-Karrenbauer wird Bürgernähe zugeschrieben.
Annegret Kramp-Karrenbauer.
Quelle: Gregor Fischer/dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer präsentiert sich als die Erfahrene: Gute Kenntnis, wie die Partei tickt, Erfahrung als Ministerin und Ministerpräsidentin des Saarlandes, Wahlgewinnerin aus der Opposition heraus - das wirft sie in die Waagschale. Der CDU-Generalsekretärin, die sie seit Februar war, heftet das Etikett Merkel-Vertraute an. Was sie selbst, "nicht als Makel" empfindet. Je länger der parteiinterne Wahlkampf um den Vorsitz jedoch dauert, desto mehr versucht sie sich von Merkel zu lösen. Denn die Stimmung in der Partei geht eher Richtung Veränderung.

AKK, wie sie genannt wird, ist oft rechter als Merkel. Die 56-Jährige würde Straftäter auch nach Syrien abschieben, ist gegen das volle Adoptionsrecht Homosexueller und gegen die Ehe für alle, obwohl sie als "gute Demokratin", wie sie sagt, den Beschluss des Bundestages nicht zurückdrehen würde. Sie ist für eine allgemeine Dienstpflicht und ein stärkeres Abgrenzen von Russland. Nach der Blockade im Asowschen Meer würde sie auch europäische Häfen für die Russen schließen. "Man muss Präsident Putin ein Stoppschild zeigen", sagt Kramp-Karrenbauer. Die Ostseepipeline Nordstream II würde sie zumindest "überdenken".

Merz: Comeback aus der Vergangenheit

Friedrich Merz feiert gern sein Comeback in der Politik, nachdem er vor neun Jahren sein Bundestagsmandat niedergelegt hatte und seitdem als Anwalt und Aufsichtsrat arbeitete. Häufig betont er, dass er aus der eigenen Partei "gedrängt" worden sei, wieder einzusteigen. Seine Kandidatur sei keine Frage "meiner persönlichen Eitelkeit". Der 63-Jährige verweist in seinen Reden auf den Regionalkonferenzen immer auf die desaströsen Landtags- und Umfrageergebnisse für die CDU unter 30 Prozent. "Ich will den Trend stoppen", sagt Merz. "Und ich bin sicher, dass das geht."

Kandidaten für den CDU-Vorsitz: Friedrich Merz. Archivbild
Friedrich Merz
Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Merz präsentiert sich als Macher, der in kurzen, knackigen Sätzen und mit verschränkten Armen Handlungsfähigkeit demonstriert. Und Wirtschaftskompetenz natürlich. "Wir müssen wieder eine Partei werden, in der wirtschafts- und finanzpolitische Kompetenz mit sozialer Verantwortung verbunden ist", sagt er. Er sagt, ländliche Regionen seien nicht nur Tourismus, da seien Arbeitsplätze. Er streichelt den Mittelstand und das Handwerk. Und er vergaloppiert sich im Asylrecht, als er einen Gesetzesvorbehalt für Artikel 16a fordert. Weil Deutschland als einziges Land weltweit ein individuelles Asylrecht habe und andernfalls eine Vereinbarkeit mit europäischen Recht nicht möglich sei. Beides ist falsch.

Merz, so wird danach gehöhnt, habe eben einiges in den vergangenen Jahren verpasst. Auch wenn er von Diskos statt Clubs spricht, sieht man ihn eher an die 90er Jahre als in der Zukunft. In anderen Dinge ist er wiederum auf der Höhe der Zeit: Dass junge Väter heute viel mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, das sei "doch schon toll", sagt Merz.

Spahn: Der Mann der Zukunft

Jens Spahn ist der jüngste Kandidat. Wenn man mit seinen 39 Jahren als "blutjung" gelte und auf die Zukunft vertröstet werde, sagt Spahn, sei vielleicht genau das das Problem der CDU. Selbst wenn ihm im Rennen der Drei die geringsten Chancen ausgerechnet werden: Spahn macht nicht den Eindruck, als habe er aufgegeben. Er ist bei vielen Themen konkret, er setzt seine Regierungserfahrung ein - und lässt damit Merz, wie er aus dem wertkonservativen Lager, ein bisschen alt aussehen. Den meisten Applaus bekommt er dafür allerdings nicht, sondern Merz.

In seiner Bewerbungsrede auf den Regionalkonferenzen entwirft Spahn eine Vision des Jahres 2040. Es geht mehr um die Zukunft als die Gegenwart. Die Digitalisierung ist deswegen eines seiner Themen. "Wir müssen den Anspruch haben, Digitalweltmeister zu werden", sagt Spahn. Zweites Thema: die alternde Gesellschaft. Der amtierende Gesundheitsminister will Kinderlosen höhere Beiträge in die Sozialversicherungen aufdrücken. Er will ein späteres Renteneintrittsalter. Sein drittes Zukunftsthema: der Klimawandel, "Bewahrung der Schöpfung", wie es bei Christdemokraten heißt. Er fordert eine EU-Mission gegen den Plastikmüll. "Nur Strohhalme verbieten, das ist zu kleines Karo."

Und was wollen alle Drei?

Bei vielen Themen liegen die Kandidaten nicht so weit auseinander. Die Abschaffung des Soli zum Beispiel wollen alle. Sie sind für die Digitalisierung, flächendeckendes 5G und mehr innere Sicherheit, auch wenn die Wege dorthin unterschiedlich sind. Sie wollen nicht, dass der Paragraph 219a abgeschafft wird, der die öffentliche Information für Abtreibung verbietet. Und alle Drei wollen die neue Debattenkultur in der CDU fortsetzen.

Alle drei Kandidaten eint auch die Sorge um die Partei nach dem Wahltag. Jeder Kandidat, sagt Kramp-Karrenbauer, habe "höchstpersönlich die Verantwortung", seine Unterstützer bei der Stange zu halten. Spahn sagt, die "Enttäuschten" müssten durch die Wahl des Generalsekretärs aufgefangen werden, was Merz ähnlich sieht. Also ein Merz-Anhänger für die Vorsitzende AKK und ein ostdeutsche AKK-Anhängerin für Merz oder Spahn. Wer das sein könnte? Darüber wird viel gerätselt. Eins ist sehr sicher: Angela Merkel wird es nicht.

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