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Wohnen in New York - Nach dem Umzug ist vor dem Umzug

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Wohnen in New York ist teuer: Die Miete für ein Ein-Zimmer-Appartment liegt bei rund 3.000 Dollar. Ein deutsches Paar machte den Selbstversuch - und zog 14 Mal in 13 Monaten um.

Felix Zeltner und Christina Horsten
Sie waren Stadtnomaden in New York: Christina Horsten und Felix Zeltner sind Journalisten. Über ihr New Yorker Umzugsprojekt haben sie ein Buch geschrieben.
Quelle: Helga Traxler

"Was für eine Schnapsidee, das geht doch nicht, sagte unsere Familie in Deutschland. Was für eine tolle Idee, sagten unsere Freunde in New York." Christina Horsten lacht. Damals war der 36-Jährigen allerdings gar nicht zum Lachen zumute. Als sie nach der Geburt ihrer Tochter aus dem Krankenhaus in ihre Wohnung an der Upper Eastside kam, lag das Kündigungsschreiben im Briefkasten. Die Hausbesitzerin wollte kein Babygeschrei. Christina und ihr Mann Felix zogen vor Gericht und einigten sich am Ende mit ihrer Vermieterin. Ausziehen mussten sie trotzdem. Nach langem Suchen fanden sie eine einigermaßen bezahlbare Wohnung in Brooklyn. Allerdings stieg die Miete dort innerhalb eines Jahres um 400 Dollar. "Das konnten wir uns einfach nicht leisten - also standen wir wieder auf der Straße."

Teures Pflaster

"New York City ist einer der unüberschaubarsten, unberechenbarsten, unbezahlbarsten Mietmärkte", sagt Aaron Carr, Gründer der Mietrechtsorganisation "Housing Rights Initiative". Mieter zahlen hier durchschnittlich 2.870 Dollar im Monat - für ein Ein-Zimmer-Appartment. Die meisten Verträge werden maximal für ein Jahr abgeschlossen. Jährliche Mieterhöhungen sind eher die Regel als die Ausnahme. Und: Immer mehr Vermieter versuchen unliebsame oder nicht zahlungskräftige Mieter per Räumungsklage loszuwerden. Allein am zuständigen Amtsgericht in der Bronx sind im vergangenen Jahr 80.000 Räumungsklagen eingereicht worden.

Vor allem Mieter mit geringem Einkommen sind betroffen. Sie müssen oft mehr als 50 Prozent ihrer Einkünfte für ihre Wohnung ausgeben. Laut einer Studie sind in New York zwischen 2005 und 2017 eine halbe Million bezahlbare Appartments vom Markt verschwunden - "weil Vermieter die Preise für ursprünglich mietpreisgebundene Wohnungen drastisch erhöht haben", erklärt Mietrechtsexperte Carr. "Dass das in den meisten Fällen illegal ist, wissen die wenigsten Mieter." 

Bürgermeister de Blasio hat zwar versprochen, mit seiner "Housing New York"-Initiative bis zum Jahr 2026 mindestens 300.000 neue bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Im Moment sei es allerdings "wahrscheinlicher in Brooklyn einem Einhorn zu begegnen, als eine Mietwohnung für unter 900 Dollar zu finden", witzelt die New Yorker Boulevard Zeitung "Daily News". Es sei denn, man ist bereit, sich ein Zimmer mit Stockbett mit einem Mitbewohner zu teilen.

Appartment-"Hopping"

Christina und Felix beschlossen, aus ihrer unfreiwilligen Wohnungssuche ein Umzugsabenteuer zu machen. "Wir dachten, vielleicht können wir irgendwo zur Zwischenmiete unterkommen, oder als Haussitter einziehen", erzählt Christina. Ihr Plan: Ein Jahr lang jeden Monat in einem anderen New Yorker Stadtteil leben, Leute kennenlernen, weiterziehen. Ihre erste Station: eine Wohnung in Queens. Ein Freund überließ ihnen sein Apartment dort einen Monat lang gratis. Christina und Felix zogen mit zwei Koffern und einigen Kartons voller Kleidung und Spielsachen ein.

Buch Stadtnomaden
Der Erfahrungsbericht "Stadtnomaden" erscheint am 18. April in Deutschland.
Quelle: Benevento Verlag

Ein paar Monate lang funktionierte das Appartement-"Hopping" ganz gut. Wohnung Nummer zwei - ein schickes Loft in Chinatown - fanden sie über das "Listings Project", ein Newsletter-Service, der Abonnenten Appartements zum Tausch oder zur Untermiete anbietet. Sie zogen von Manhattan nach Staten Island, dann in ein Studio in Harlem und weiter in die Bronx, nach Chelsea und Brooklyn. "Einmal fielen wir auf Betrüger rein, standen mit unseren Koffern vor einer Wohnung, die gar nicht zu vermieten war. Das war der Tiefpunkt." Ihr Fazit nach 14 Wohnungen in 13 Monaten: ein spannendes Abenteuer, aber kein Billig-Wohnmodell.

Inzwischen sind Christina und Felix wieder sesshaft geworden. Ihre neue Behausung, ein Appartement an der Upper Westside, ist kein Schnäppchen, aber eine Oase, die die inzwischen vierköpfige Familie genießt. Nur Emma, die vierjährige Tochter, würde ganz gerne mal wieder umziehen.

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