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Der Kampf um bezahlbare Mieten - Teurer wohnen

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Explodierende Mieten, verdrängte Mieter - die Situation auf dem Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten und Ballungsräumen ist eine der drängendsten sozialpolitischen Fragen.

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Das Problem der Gentrifizierung trifft mehr oder weniger alle Großstädte, je beliebter, desto stärker: Stadthäuser werden schick saniert und dann für Otto Normalverbraucher kaum noch bezahlbar.
Quelle: dpa

Clemens Rudolph und Astrid Menzel wohnen mit ihren zwei Kindern in Oderwitz in Sachsen nahe der Grenze zu Tschechien. Hier auf dem Land wohnt man günstig. Doch jetzt hat Clemens Rudolph einen neuen Job als Garten- und Landschaftsbauer im 100 Kilometer entfernten Dresden gefunden.

Seit Monaten sucht die vierköpfige Familie dort eine bezahlbare Wohnung. Mehr als 20 Vermieter hat Astrid Menzel angerufen, dann hat sie aufgehört zu zählen: "Oft wurde schon am Telefon klar, dass die Vermieter lieber eine Familie haben würden, bei der beide Eltern arbeiten. Und wenn ich dann sage, dass wir zwei Kinder unter fünf Jahren haben, dann macht man uns nicht mehr viel Hoffnungen."

Bezahlbarer Wohnraum fehlt

Bezahlbarer Wohnraum fehlt nicht nur in Dresden. Als bezahlbar gilt: Die Warmmiete soll nicht höher sein als ein Drittel des Einkommens. Gemessen daran fehlen in Berlin 310.000 bezahlbare Wohnungen. Gefolgt von Hamburg mit 150.000, Köln mit 86.000 und München mit 79.000. Zu wenig Wohnraum gibt es außerdem in Bremen, Hannover, Dresden, Leipzig, Düsseldorf und Nürnberg. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung fehlen insgesamt in Deutschlands Städten fast zwei Millionen bezahlbare Wohnungen.

In Dresden ist der Wohnungsmarkt auch deshalb so angespannt, weil die Stadt vor zwölf Jahren alle ihre Sozialwohnungen verkauft hat, um den Haushalt zu sanieren. Peter Bartels, der Chef des Mietervereins, hatte immer davor gewarnt. Die größte Sünde für ihn: Der Abriss ganzer Wohnblocks: "Das waren teilsanierte Häuser. Es war ein gut funktionierendes Wohngebiet. Und dann hat die Stadt beschlossen, dass dieses Wohngebiet rückgebaut werden soll. Die Hälfte der Wohnungen sind verschwunden."

Um die Jahrtausendwende standen viele Wohnungen leer. Doch Bartels sagte voraus: Die Stadt werde wieder wachsen. Und er sollte Recht behalten. "Wir sind in einer neuen Wohnungsnot angekommen. Und schuld daran ist die Politik, die in dieser Stadt gemacht wurde", sagt Bartels.

Bestand der Sozialwohnungen schrumpft

In ganz Deutschland gibt es immer weniger Sozialwohnungen: Der Bestand schrumpfte seit 1990 von 2,9 auf 1,2 Millionen im Jahr 2017. Der Staat zog sich mehr und mehr aus der Förderung des Wohnungsbaus zurück. Die Devise: Der Markt wird es schon richten. Jetzt will die Regierung handeln, hat eigens ein Heimatministerium gegründet. Doch Heimat- und Bauminister Horst Seehofer hat für ein Interview keine Zeit.

Dabei waren die Ankündigungen vollmundig: "Für mich ist die Frage der Entwicklung unserer Mieten das soziale Problem", hatte Seehofer im März im Bundestag gesagt. In den sozialen Wohnungsbau will die Regierung zwei Milliarden Euro investieren. Zu wenig, kritisiert die finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Lisa Paus: "Zwei Milliarden ist eigentlich ein Witz gegenüber dem Problem, vor dem wir stehen. Jedes Jahr fallen allein 50.000 bisherige Sozialwohnungen aus der Sozialbindung heraus."

Bezahlbaren Wohnraum schaffen für Geringverdiener und Mittelschicht - wie das gehen kann, zeigt Münster. Die Stadt in Westfalen boomt, es gibt viele Arbeitsplätze. Aber zu wenige Wohnungen. Deshalb hat der Stadtrat 2014 das sogenannte Münsteraner Modell beschlossen. "Wir vergeben Grundstücke nicht nach dem Höchstgebot", sagt Matthias Peck, Dezernent für Wohnungsversorgung. "Denn teurer Boden generiert teure Mieten. Wir machen einen Festpreis für ein Grundstück. Den ermittelt ein Gutachter. Wir geben das Grundstück dann an denjenigen Investor, der die niedrigste Startmiete für die Mieter hinterher bietet."

Erst mal in eine WG

In Dresden gibt es dieses Modell nicht. Die Familie von Clemens Rudolph muss weiter suchen. "Ich werde jetzt erstmal in eine WG in Dresden ziehen, und meine Familie bleibt in Oderwitz", sagt Clemens Rudolph. "Das tut sehr weh, wenn man die Familie nur am Wochenende sehen kann."

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