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Wohnzimmer-Spionage - Wenn Alexa den Fernseher steuert

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Amazon will die TV-Fernbedienung auf lange Sicht in den Elektromüll befördern. Die Fernseher sollen auf Zuruf über Alexa bedient werden. Doch das ist riskant.

"WISO-Dokumentation: Amazon - gnadenlos erfolgreich": Nahaufnahme eines Amazon-Echo-Dots.
Alle Sprachaufnahmen, die "Alexa" aufnimmt, landen auf dem virtuellen Cloud-Server von Amazon
Quelle: ZDF/Jürgen Heck

Das Wohnzimmer hat Amazon mit seine Sprachassistentin Alexa schon fast erobert. Nur der Fernseher fehlte noch. Und den nimmt Amazon jetzt in Angriff. Auf der Internationalen Funkausstellung haben einige Branchenexperten schon von den Alexa-Fernsehern gesprochen.

Kampf um die Fernbedienung

Im Oktober will Amazon die Streaming-Box Fire TV Cube auf den Markt bringen. Schon heute bietet der Gigant für viele Smart-TVs, Alexa Apps an, die die Fernbedienung weitgehend ersetzen. So richtiger Bedienungskomfort beim Einschalten des TV-Gerätes oder beim Umschalten auf einen anderen Kanal bieten allerdings erst Smart-TVs ab dem Baujahr 2016. Auch für ältere Geräte sind zwar Apps für Smartphone verfügbar, aber die zeichnen sich nicht gerade durch Benutzerfreundlichkeit aus.

ZDFmediathek auf TV-Gerät
Quelle: ZDF

So muss etwa bei älteren Fernsehern die Smartphone-App geöffnet sein, weil Alexa nur die Handy-App steuert, nicht aber den Fernseher direkt. Der erhält seine Kommandos dann vom Smartphone. Das ist bei modernen Smart-TV anders. Die spricht Alexa direkt an. So hat die frühere Traditionsmarke Grundig, inzwischen bei einem türkischen Konzern untergeschlüpft, ihrem neuesten Fernseher eigens auf Alexa abgestimmte Module eingebaut. Bei anderen Smart-TVs muss die Kommunikation mit Alexa am Anfang etwas trainiert werden.

Fernsehen auf Zuruf

Doch dann kann der Fernsehzuschauer für die üblichen TV-Kommandos die Fernbedienung getrost beiseitelegen. Das TV-Gerät ein- oder auszuschalten, den Kanal zu wechseln, die Lautstärke zu erhöhen oder abzusenken oder eine Sendung mitzuschneiden - das hat Alexa alles im Griff. Schwierig wird es, wenn der Fernseher eingerichtet werden soll oder Gerätebesitzer sich durch endlose Menues hangeln muss. "Da ist die Fernbedienung mit ihren Tasten schneller als Alexa", gibt auch Amazon-Manager Marc Whitten freimütig zu. Doch hier arbeiten die Alexa-Entwickler inzwischen bereits an benutzerfreundlicheren Lösungen.

Auch beim Digitalverband Bitkom geht man von einem raschen Siegeszug Alexas in Sachen TV-Steuerung aus. Denn immerhin nutzen einer Bitkom-Studie zufolge bereits 80 Prozent der erwachsenen Deutschen einen Sprachassistenten. Uneingeschränkter Marktführer ist hier Amazon mit Alexa. Die hat sich im Wohnzimmer auch ziemlich breit gemacht. Zugleich sorgt sie aber immer mal wieder für Missstimmung, wenn denn ein Fall von Wohnzimmerspionage aufgedeckt wurde.

Alexa ist eben immer eingeschaltet. Die Sprachaufzeichnungen überspielt Alexa dann auf einen Amazon-Server. Laut Amazon passiert das natürlich nur, um die Benutzerfreundlichkeit von Alexa zu verbessern. "Neben der Datenerhebung durch Amazon steht auch das potentielle Risiko der Weitergabe der verarbeiteten Daten an staatliche Stellen, insbesondere an Geheimdienste, im öffentlichen Diskurs", warnt denn auch der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages in einem Gutachten zu Alexa.

Spähangriff auf’s Wohnzimmer

Im Verbund mit Smart-TVs entstehen da noch weitere Risiken. So kann nicht nur erhoben werden, welche Sendung die Wohnzimmerbesatzung sich gerade im Smart-TV anschaut, sondern auch aufgezeichnet werden, was und wie sie über die Sendung spricht. Für Fernsehsender und Marktforschungsunternehmen ist das eine Datengoldgrube.

Der Informatiker Marco Ghilieria hat bereits im Jahr 2013 in einer aufsehenerregenden Untersuchung auf die Ausspäh-Risiken hingewiesen, die die Nutzung eines smarten TV-Gerätes mit sich bringt. Damals ging es nur um die Wohnzimmer-Spionage, die sich über den Rückkanal der sogenannten HbbTV-Funktion des smarten Fernsehers realisieren lässt.

Nicht nur das gerade geschaute Programm, sondern auch Reaktionen der Zuschauer über die eingebaute Web-Cam des TV-Gerätes oder eingebaute Mikrofone können so erfasst werden. Insbesondere Sprachmitschnitte der Fernsehzuschauer waren aber nur mit größerem technischen Aufwand zu bewerkstelligen. Das wird mit Alexa einfacher. Datenhändler zahlen für derartige TV-Nutzungsdaten hohe Summen. Auch das wird seit fünf Jahren diskutiert. Auch wenn die Gerätehersteller immer wieder betonen, dass solche Spähattacken aufs Wohnzimmer illegal seien. "Gemacht werden sie trotzdem", weiß Sicherheitsforscher Professor Hartmut Pohl aus Sankt Augustin. Dafür gibt dieser Markt einfach zu viel Geld her. Mit Alexa und Kolleginnen noch etwas einfacher als zuvor.

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