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Wolf als WM-Maskottchen - Jagd auf Zabivakas lebende Freunde

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Blaue Augen, fröhlicher Blick: Irgendwie pfiffig, das WM-Maskottchen Zabivaka. Weniger zu lachen haben die echten Wölfe Russlands. Sie werden das ganze Jahr lang gejagt.

Maskottchen der WM 2018 in Russland
Maskottchen der WM 2018 in Russland Quelle: Wolfgang Zimmermann/ZDF

Es gab schon Löwen, Hunde, ein Gürteltier, einen Hahn, einen Leoparden mit grünen Haaren. Tiere mussten immer gerne als WM-Maskottchen herhalten. Und jetzt eben ein Wolf. Abwegig ist das nicht, denn in Russland gibt es viele Wölfe: Bis zu 50.000 sollen es sein - über das ganze Land verteilt, in den Weiten Sibiriens genauso wie im europäischen Teil. Stolz, kämpferisch, mystisch, schön anzusehen - passend für die WM. Mehr als eine Million Russen sahen das wohl so und stimmten für den Wolf und gegen die Katze und den Tiger.

Perfekt für WM

Das neue Maskottchen heißt Zabivaka. Das bedeutet auf Russisch "Der einen Treffer erzielt". Auch das passt natürlich perfekt für die WM. Für Tierschützer hat es dagegen einen säuerlichen Beigeschmack. Für sie würde "Der getroffen wird" mehr Sinn machen. Denn eben erst - historisch gesprochen - hat der Wolf die Vernichtungsversuche in der Sowjetzeit  überlebt und  breitet sich wieder ordentlich aus.

Und nun das: "Im Bestreben die Bestände zu kontrollieren, wird auch heute ein Kopfgeld pro getötetes Tier gezahlt"¸ sagt Moritz Klose vom WWF. Bis zu 900 Wölfe würden jährlich geschossen. Auch ein "Sport", für den es in Russland eine breite Akzeptanz gibt. "Jagdanbieter bieten auch interessierten Ausländern Reisen in verschiedene Regionen Russlands an", so Klose.  

Wolfsjagd als Abenteuer

"Zehn Tage Vollverpflegung. Ein Wolf inklusive", so das Angebot eines deutschen Veranstalters  auf seiner Website. Ein anderer wirbt mit dem Kick, "eine der intelligentesten Wildarten zu überlisten". Ein Abenteuer, das es hier nicht gäbe, denn in Deutschland ist der Wolf streng geschützt. Nachdem der Mensch ihn im 19. Jahrhundert in Westeuropa vollständig ausgerottet hatte, feiert der Wolf seit der Jahrtausendwende wieder ein Comeback. 60 Rudel gibt es allein in Deutschland wieder, schätzt das Bundesumweltministerium. Die meisten davon im Osten des Landes.

Gerne würde aber auch hier der eine oder andere zur Flinte greifen. Im Mai hat vermutlich ein Wolf im Schwarzwald mehr als 40 Schafe gerissen. Ähnliche Fälle gab es auch in Sachsen. Nicht nur für die betroffenen Schäfer endet spätestens damit die Rotkäppchen-Romantik. Über Sonderregelungen zum Abschuss wird diskutiert. Der Deutsche Jagdverband (DJV) will den Wolf sogar in das Bundesjagdgesetz aufnehmen lassen.

Eurasische Wolf, Europäische Wolf (Canis lupus lupus)
Eurasische Wolf, Europäische Wolf (Canis lupus lupus) Quelle: imago

Von Menschen fernhalten

"Akzeptanz wird man nur erreichen, wenn man dem Wolf klar macht: Halte dich fern vom Menschen und seinen Nutztieren", erklärte kürzlich Helmut Dammann-Tamke vom DJV.  "Die Zahl der Wölfe muss reguliert werden können", fordert auch der Deutsche Bauernverband (DBV). Etwa tausend Wölfen stünden 1500 gerissene Nutztiere gegenüber. Das sei "so nicht mehr hinnehmbar." Der WWF widerspricht: Den Wolf zu jagen, "würde die Konflikte nicht lösen", so Moritz Klose. Es spiele nämlich keine Rolle, wie hoch der Bestand in der Region sei. Ein einzelner Wolf könne viele Schafe reißen, eine Gruppe von 20 dagegen überaus friedlich sein.

Die Jagd würde Konflikte sogar erst provozieren, erklärt er. "Wenn Rudel durch jagdlichen Einfluss zerfallen, wandern Tiere auch ab und sorgen in umliegenden Wolfsterritorien für Revierkämpfe und vermehrte Übergriffe auf Nutztiere." Also genau das, was eigentlich niemand will. Um Schafe und andere Nutztiere zu schützen, empfiehlt Klose dagegen "Herdenschutzmaßnahmen". Vor allem Zäune sind damit gemeint.

Lächeln für die WM

Maskottchen Zabivaka muss das alles nicht weiter belasten. Ohne zu jagen und gejagt zu werden wird er die ganze WM über entschlossen lächeln und uns mit seinen blauen Augen durch eine sonderliche Sportbrille anstrahlen. Mit seinen lebenden Artgenossen hat er dabei nur wenig gemein. Aber - zugegeben - sein Job ist ja auch ein anderer: Er soll Fußball-Spaß vermitteln und sonst nichts.

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