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Relegation Wolfsburg - Kiel - "Glaubt dran, glaubt dran"

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Spiel mit offenem Visier: Das famose Offensivspektakel der Kieler kommt zu spät - Favorit Wolfsburg gewinnt die Relegation mit 3:1.

Spieler des Vfl Wolfsburg jubeln mit den Fans
Spieler des Vfl Wolfsburg jubeln mit den Fans
Quelle: dpa

Marvin Ducksch sinkt auf dem Boden, schlägt mit der rechten Faust wütend auf den grünen Rasen. Teamkollege Aaron Seydel zieht enttäuscht das blaue Trikot über seinen Kopf. Die beiden Profis von Holstein Kiel wissen nach dem Schlusspfiff des Relegationshinspiels beim VfL Wolfsburg ebenso wie ihre Mitspieler, dass sie mit der 1:3-Niederlage eine weitaus bessere Ausgangsposition für das Rückspiel am Montag im heimischen Stadion verschenkt haben. Im Duell des Sensations-Dritten der Zweiten Liga gegen den enttäuschenden 16. der Bundesliga war für den Außenseiter aus Schleswig-Holstein viel mehr drin: "Ich glaube, sie können sich nicht beschweren, wenn das Spiel 3:3 ausgeht. Wir haben hier was liegen lassen. Das tut weh", ärgert sich Verteidiger Dominik Schmidt. "Man hat gesehen, dass wir auf Augenhöhe mitspielen können. Darauf müssen wir aufbauen”, betont Ducksch.

Während Holstein-Trainer Markus Anfang sein Team kurz nach Spielende in einem Kreis auf dem Rasen versammelt und lautstark auf das zweite Kapitel dieses Duells in Kiel einschwört, verabschieden sich die Wolfsburger 60 Meter weiter links klatschend von ihrem Anhang. Sie wirken dabei recht emotionslos und sehen nicht wie glückliche Sieger aus - dürfen sich aber dennoch als eben solche fühlen. Und weder Fans noch Fußballer wissen, ob diese Leistung reichen wird, um auch in der Saison 2018/19 Bundesligafußball in Wolfsburg sehen zu können. "Wir haben einen Etappensieg eingefahren, aber noch nichts erreicht", meinte Trainer Bruno Labbadia.

VfL-Marktwert zehnmal höher

Er hatte im Vorfeld hervorgehoben, dass sein Team der Favorit sei und diese Rolle auch annehme. Schließlich ist Wolfsburg der Bundesligist und hat einen Kader, dessen Marktwert "transfermarkt.de" mit knapp 143 Millionen Euro angibt - zehnmal mehr als die Kieler. Holstein hatte als Aufsteiger ohnehin nur den Klassenerhalt zum Ziel. Vor einem Jahr spielte der Klub noch in der Dritten Liga gegen Vereine wie Sonnenhof-Großaspach, Lotte oder Aalen. Jetzt sind Bundesliga-Partien gegen Bayern München, Dortmund und Schalke im Bereich des Möglichen.

Wolfsburg verfügt vor allem mit Divock Origi, Josip Brekalo und Yunus Malli über die besseren Einzelspieler. Die drei sorgen in einem von Beginn an unterhaltsamen Spiel nicht nur für die VfL-Tore (13., 40., 56. Minute), sondern mit bewundernswerter Ballbehandlung auch oft für Gefahr. Die bessere Mannschaft ist jedoch Kiel. Für die Schleswig-Holsteiner ist es die wichtigste Partie der Vereinshistorie seit den Aufstiegsspielen zur Bundesliga im Juni 1965. Damals hatten die Kieler daheim unter anderem Borussia Mönchengladbach mit 4:2 besiegt. Für die von Hennes Weisweiler trainierten Gäste trafen zwei noch recht unbekannte 20-Jährige namens Jupp Heynckes und Günter Netzer. 

 Kiel erst nach 1:3-Rückstand mutig 

53 Jahre später kommen die Gäste erst so richtig in Schwung, als sie bereits 1:3 hinten liegen. In der ersten Stunde treffen die Kieler durch Kingsley Schindler zwar zum 1:1 (34.), zeigen sich insgesamt jedoch etwas zu beeindruckt, wirken auf der für sie so unbekannten Bühne einige Male überfordert. In den letzten 20 Minuten gibt es jedoch ein famoses Offensivspektakel des besten Angriffs der 2. Liga. “Wir haben uns nie aufgegeben, immer wieder gesehen, dass hier doch noch was möglich ist", sagt Ducksch.

Zwischen der 71. und 84. Minute hat Holstein fünf gute bis sehr gute Gelegenheiten - doch im Abschluss ist der Zweitligist noch nicht erstklassig. Mühling, Seydel, Kinsombi, Ducksch und erneut Seydel schießen entweder zu unplaziert oder zu überhastet. "Die letzten 15 Minuten haben wir ein bisschen gezittert", betont Wolfsburgs Maximilian Arnold. Es ist durchaus erstaunlich, wie sehr sich der Bundesligist trotz 3:1-Führung im eigenen Stadion überrennen lässt. Man sei eben nicht umsonst 16. geworden. Da komme dann schon mal Verunsicherung hinzu, so Arnold.

 Ducksch verspricht "Feuerwerk"

Der Wolfsburger Kapitän geht davon aus, dass das Hinspielergebnis reichen wird, um, wie schon im Vorjahr, erneut in der Relegation die Klasse zu halten. Doch auch die Kieler Störche sind überzeugt, ihren Höhenflug noch krönen zu können - auch wenn ihnen ein wenig die Flügel gestutzt wurden. "Glaubt dran, glaubt dran", schreit Torwart Kenneth Kronholm beim Gang durch die Interview-Zone. "Wir haben noch ein Spiel vor der Brust, da werden wir ein Feuerwerk abbrennen. Es ist alles noch machbar", meint Ducksch. Labbadia erwartet "erneut ein intensives Spiel". Natürlich werde Kiel Druck machen, aber sein Team sei auch in der Lage, "das eine oder andere Tor zu schießen", so der VfL-Trainer.

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