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World Ocean Day - Das Mittelmeer, ein Plastikmeer

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Die Konzentration von Mikroplastik ist im Mittelmeer weit größer als die des Plastikwirbels im Nord-Pazifik. Die Badesaison könnte die Plastikflut noch verstärken.

Plastikmüll im Libanon
Plastikmüll im Libanon
Quelle: dpa

Jährlich wird am 08. Juni der Welttag der Ozeane begangen. Dieser von den Vereinten Nationen ausgerufene Tag soll auf den Zustand der Ozeane aufmerksam machen. Denn sie spielen eine zentrale Rolle bei allen ökologischen Vorgängen auf unserem Planeten. Eine Zerstörung des maritimen Systems hat fatale Folgen.

Der aktuelle WWF-Report "Plastikfalle Mittelmeer" beschreibt die Folgen und benennt die Verursacher. Demnach ist das Mittelmeer ein Brennpunkt der Plastikverschmutzung. Insbesondere für Mikroplastik wurden Rekordmengen nachgewiesen. Ernüchternd die Zahlen: Die Konzentration der kleinen Kunststoffpartikel ist fast viermal so hoch wie die des Plastikstrudels im Pazifik. Bis zu 1,25 Millionen Fragmente finden sich pro Quadratkilometer. "Das Mittelmeer ist fast vollständig von besiedelten Küsten umgeben und droht zu einer Plastikfalle zu werden", sagt Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim WWF Deutschland.

Lückenhaftes Abfallmanagement

In vielen Mittelmeer-Anrainerstaaten gibt es kein geregeltes Recycling von Kunststoffmüll. Obwohl der Kunststoffmüll den wertvollen Rohstoff Erdöl enthält, wird er achtlos entsorgt. Von den 27 Millionen Tonnen Plastikabfällen, die in Europa jährlich anfallen, wird nur ein Drittel recycelt. Zwischen 30 und 50 Prozent des gesamten Plastikmülls in Italien, Frankreich und Spanien endet auf Mülldeponien. Nur sechs Prozent des Plastikaufkommens in Europa bestehen derzeit aus recyceltem Plastik.

Flüsse wie etwa der Nil, der Ebro, die Rhone und der Po fließen durch dichtbesiedelte Gebiete mit hohen Plastikmüllbergen. Das Wasser transportiert die Fracht schließlich ins Mittelmeer. Aber auch durch den Wind werden leichte Kunststoffverpackungen ins Mittelmeer eingetragen. Sonne und Wellen zermahlen den Problemmüll, so dass daraus Mikroplastikteile entstehen. Und genau die hinterlassen deutliche Spuren in der Unterwasserwelt.

Schleichende Vergiftung

Der Plastikmüll im Mittelmeer, darunter Kunststoffgranulat und  Mikroplastikfragmente, enthält organische Schadstoffe wie Pestizide, Phtalate, PCB und Weichmacher. Die Stoffe sind zu 78 Prozent giftig und führen bei tierischen Organismen zu gesundheitlichen Schäden. Da die chemischen Substanzen im Wasser nur ganz langsam abgebaut werden, also langlebig sind, reichern sie sich im Gewebe lebender Organismen an.

Der aktuelle Report warnt insbesondere vor einer schleichenden Kunststoff-Vergiftung im Pelagus- Walschutzgebiet, welches sich im nordwestlichen Mittelmeer befindet. Obwohl das Gebiet als Meeresschutzgebiet ausgewiesen ist, zeigt es eine der weltweit höchsten Konzentrationen an Mikroplastik auf. Für die Wale ist das ein beträchtliches Problem. Das Plankton ist für die Meeressäuger eine wichtige Nahrungsquelle. Doch über 56 Prozent des Planktons im Pelagus-Schutzgebiet ist schwer mit Phtalaten belastet. Die gefährliche Substanz führt zu schweren gesundheitlichen Schäden und zu einem veränderten Hormonhaushalt der Tiere.

Insgesamt sind 134 verschiedene Tierarten vom maritimen Plastikmüll betroffen – so das Ergebnis der WWF-Analyse. Darunter sind 60 Fischarten, drei Meeresschildkrötenarten, neun Seevogelarten und 5 Walarten. Experten befürchten, dass sich die Zahl der Plastik-Opfer in den Sommermonaten noch erhöhen könnte.

Steigendes Touristenaufkommen

Während der Sommermonate steigern die 320 Millionen Mittelmeer-Urlauber die Abfallbelastung des Meeres um 40 Prozent. Ob Strandurlaub oder Kreuzfahrt - für beide Varianten des Urlaubs ist ein geregeltes Abfallmanagement dringend erforderlich. "Der Tourismussektor ist gefragt und sollte den Ausbau der Infrastruktur in den Urlaubsorten unterstützen. Hotels und  Schiffe müssen wirksame, interne Abfallsammelsystem einrichten und den Müll vollständig trennen. Wir können nicht zulassen, dass das Mittelmeer in Plastik ertrinkt" fordert Heike Vesper vom WWF Deutschland. Und auch Meereswissenschaftler schlagen anlässlich des Wolrd Ocean Day Alarm: "Leider sind wir in den letzten Jahren von Meeresbiologen zu Plastikbiologen geworden, zwangsläufig. Wir verbringen den Alltag damit, den größten Lebensraum unseres Planeten zu erforschen, doch wir kommen an der mittlerweile überall präsenten Plastikverschmutzung nicht vorbei. Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse ernst genommen werden. Gesellschaft und Politik, müssen unseren Umgang mit der Natur, und mit dem Material Plastik schleunigst ändern", sagt Christian Lott von der HYDRA Marine Sciences GmbH.

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