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"Lächeln stellt eine Verbindung her"

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Psychologin zum World Smile Day - "Lächeln stellt eine Verbindung her"

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Lächeln kann Sympathie oder Verärgerung ausdrücken. Svenja Lüthge erklärt aus psychologischer Sicht, warum Menschen lächeln und warum es ein universelles Kommunikationsmittel ist.

Spielende Kinder auf dem Spielplatz lachen in die Kamera
Vor allem Kinderlachen ist für viele besonders ansteckend.
Quelle: dpa

heute.de: Warum lächeln wir?

Svenja Lüthge: Lächeln ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kommunikation und Lächeln signalisiert eine positive Gestimmtheit. Und diese stärkt die Bindung zum Gesprächspartner. Wenn wir auf die entwicklungspsychologische Seite bei Babys schauen, zeigt sich, dass sie schon recht früh anfangen zu lächeln.

Aber dieses ganz bewusste Lächeln – dieses 'Ich lächle bewusst jemanden an und der lächelt zurück' – kommt erst mit sechs bis sieben Monaten.

heute.de: Lächeln ist also angeboren, das Bewusstsein dafür entwickeln wir aber erst mit der Zeit?

Lüthge: Ja. Lächeln scheint im Laufe der Evolution entstanden zu sein. Aber so richtig mit diesem umzugehen und die Wirkung einzuschätzen, lernen wir als Babys erst mit rund sechs Monaten. Danach lächeln Babys nur noch diejenigen an, die ein freundliches Gesicht machen.

heute.de: Was löst Lächeln im Gegenüber aus?

Lüthge:  Es stellt quasi eine Verbindung her. Um noch mal auf das Baby zurückzukommen – Sie kennen das bestimmt, dieses unwiderstehliche Lächeln von Babys. Sie lachen so ganz frei, ganz klar mit ihrem zahnlosen Grinsen einen an.

Das kommt daher, weil Babys nur diese eine Kommunikationsmöglichkeit haben. Sie können weder sprechen, noch sich richtig gut allein bewegen. Es wird versucht, durch dieses Lächeln den Erwachsenen festzuhalten. Indem das Baby das intuitiv macht, schafft es vielleicht, dass der Erwachsene länger bei ihm bleibt oder positives Verhalten unterstützt.

heute.de: Lächeln baut also Brücken zwischen Menschen?

Lächeln ist etwas, das uns miteinander verbindet.
Svenja Lüthge

Lüthge: Das Lächeln ist etwas, das uns miteinander verbindet. Wenn ich auf jemanden zugehe und "guten Tag" sage, dann geschieht das mit einem leichten Lächeln. Das Lächeln ist dabei immer das Signal, dass ich dem gegenüber wohlgesonnen gestimmt bin. Es ist ein fester Teil unserer Kommunikation.

heute.de: In anderen Kulturkreisen gilt das Lächeln als Zeichen von Unsicherheit. Wie kommt das?

Lüthge: In China beispielsweise lächelt man nicht bei der Begrüßung. Die Verneigung ist ein Zeichen des gegenseitigen Respekts. Je tiefer die Verneigung bei der Begrüßung, desto höher die Position. Das resultiert aus einer kulturellen Entwicklung. Die Menschen lächeln ja trotzdem, aber nicht, bei der ersten Begrüßung. Es ist auch hier ein Mittel, das Wohlwollen ausdrückt, aber nicht als Mittel zur Begrüßung verwendet wird. Die Thailänder hingegen sind ein "lächelndes Volk".

heute.de: Was gibt es für verschiedene Facetten des Lächelns?

Eine Frau tippt auf das Display eines Smartphones mit zahlreichen Handys.
Quelle: dpa

Lüthge: Das ist lustig. Da wir heutzutage viel mit Emojis kommunizieren, habe ich mal nachgeschaut und in meinem Smartphone gibt es 24 verschiedene Lächel-Emojis, die immer eine andere Facette des Lächelns ausdrücken.

heute.de: Welche?

Lüthge: Verärgert, überrascht, lustig, höflich, aufgesetzt. Das soziale Lächeln, bei dem man Zähne zeigt, aber auch das ganz klassische Lächeln mit einem Smiley. Das spiegelt die Bandbreite wider, die wir mit einem Lächeln bewirken können. Je nachdem, wie sich unser Mund bewegt und sich unsere Augen dazu bewegen, können wir ein anderes Lächeln ausdrücken.

Sie kennen das vielleicht, wenn wir verärgert sind, dann ziehen wir zwar die Mundwinkel nach oben, aber signalisieren dem Gegenüber ein verärgertes Lächeln. Und damit kann ich wieder das universelle Kommunikationsmittel Lächeln einsetzen und die jeweilige Gefühlsregung meiner Umwelt mitteilen. Lachen kann auch negativ sein. Wenn beispielsweise jemand ausgelacht wird.

heute.de: Was passiert mit Menschen, die berufsbedingt immer lächeln müssen?

Lüthge: Menschen, die aus beruflichen Gründen quasi gezwungen sind, immer mit einem Lächeln auf den Lippen durch die Gegend zu laufen, bei denen kann das langfristig auch zu einer Depression führen. Weil das Lächeln eben immer ein aufgesetztes Lächeln ist und nicht von innen heraus kommt aus 100-prozentiger Freude. Es ist eher ein sozial erwünschtes Lächeln. Das kann dazu führen, dass diese Menschen langfristig psychische Probleme entwickeln könnten.

heute.de: Was ist mit Menschen, die von Natur aus depressiv sind? Hat das Auswirkungen auf die Gesellschaft?

Lüthge: Interessant ist, dass Menschen, die unter einer Depression leiden und ihr Baby oder Kind so gut wie gar nicht anlächeln, das auch bei dem Kind zu einer Depression führen könnte. Weil das Lächeln nicht erwidert wird. Das pathologische Verhalten der Eltern wird von den Kindern dann als Zurückweisung empfunden und das Signal "das Lächeln ist nichts wert" wird damit verbunden.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

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