Sie sind hier:

Deutsch-amerikanische Beziehung - "Wunderbar" oder doch "Worrisome"?

Datum:

Die Deutschen sehen das Verhältnis zu den USA zunehmend kritisch. Was heißt das für die transatlantischen Beziehungen? Ein Blick in die Geschichte gibt Antworten.

Donald Trump und Angela Merkel
Ist die deutsch-amerikanische Freundschaft unter Trump in Gefahr?
Quelle: dpa

"Wunderbar together" - ein Mix aus Englisch und Deutsch, ein Symbol der engen Beziehung zwischen den USA und Deutschland. Der Begriff ist der Titel der Kampagne Deutschlandjahr USA 2019. Damit soll die deutsch-amerikanische Freundschaft gefeiert werden. Doch die Freundschaft scheint derzeit mehr "worrisome" ("besorgniserregend") als "wunderbar" zu sein. Von Kriegen, Kennedy, Obama und Trump - ein Spaziergang durch die Geschichte der deutsch-amerikanischen Freundschaft:

Von Marshall-Plan und Rosinenbomber

Einer aktuellen Studie zufolge sehen die Deutschen die Beziehung mit den USA als zunehmend "schlecht" oder sogar "sehr schlecht" an. Besteht nun Grund zur Sorge? Nicht unbedingt. So "wunderbar", wie sie gerne dargestellt wird, war die deutsch-amerikanische Freundschaft schließlich auch nicht immer.

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen begannen bereits um die Gründungszeit der Vereinigten Staaten. Wir beginnen unseren Spaziergang mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Als eine der vier Besatzungsmächte übernahmen die USA die anteilige Verwaltung Deutschlands nach dem Krieg. Die Entnazifizierung, der Marshall-Plan und die Luftbrücke nach Berlin mit dem Rosinenbomber prägen bis heute das Bild der Nachkriegszeit in Deutschland, an dem die Amerikaner wesentlich beteiligt waren. Beide Länder wurden Mitglieder der Nato, ein weiterer Schritt in Richtung enger transatlantischer Beziehungen.

John F. Kennedy - Held in der Berlin-Krise?

Lange hielt die kritiklose Freundschaft jedoch nicht an – der Bau der Berliner Mauer 1961 führte in Deutschland zu heftiger Kritik an der amerikanischen Deutschlandpolitik. Der US-Regierung unter Präsident John F. Kennedy wurde vorgeworfen, sich nicht ausreichend um die Berlin-Krise und Deutschland zu sorgen. Die Kritik war durchaus gerechtfertigt, denn Kennedys Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer war folgende: "Eine Mauer ist verdammt noch mal besser als ein Krieg." Dann ging er wie geplant segeln.

John F. Kennedy 1963 in Berlin
Mit seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus 1963 konnte John F. Kennedy die Herzen der Deutschen zurückgewinnen.
Quelle: dpa

Zwei Jahre später ruderte Kennedy zurück und konnte die Herzen der Deutschen wieder für sich gewinnen. Auf seiner Deutschlandreise 1963 plante Kennedy noch im Flugzeug nach Berlin seine Rede, die er vor dem Schöneberger Rathaus halten würde. Auf einem Zettel notierte Kennedy sich die Worte, die in die Geschichte eingehen würden: "Ich bin ein Berliner." Als er den Satz in Berlin vorlas, brach die Menge in Jubel aus. Die Kritik an seiner Deutschlandpolitik und die Angst, von den Amerikanern vergessen zu werden, war wie weggeblasen. In Kennedy hatte man den Helden in der Berlin-Krise gefunden.

Verbundenheit in der Antikriegsbewegung

Auch in den Jahren danach hatten die deutsch-amerikanischen Beziehungen ihre Höhen und Tiefen. Die Bürgerrechtsdebatte in den USA wurde in Deutschland kritisch beobachtet und auch die Atomdebatte und der Vietnam-Krieg belasteten das Verhältnis teils stark – und brachten doch irgendwo Verbundenheit. Besonders junge Leute auf beiden Seiten des Atlantiks waren in ihren Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg vereint.

Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges änderte sich das Verhältnis wieder. Es wurde eine neue Balance in den neuen Zeiten gesucht. Viele globale Veränderungen trafen beide Länder zugleich, sodass erneut eine Art Verbundenheit über den Atlantik hinweg bestand. Wirtschaftlich und politisch sind die USA und Deutschland enge Verbündete geblieben.

Merkel bei den Amerikanern enorm beliebt

Angela-Merkel-Harvard
Angela Merkel, hier als Ehrengast bei der Abschlussfeier der Harvard University, ist bei den Amerikanern enorm beliebt.

Und auch in der Bevölkerung schien sich das immer widerzuspiegeln. Für die Amerikaner ist eine enge Beziehung zu Deutschland enorm wichtig, nicht zuletzt wegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie ist bei den Amerikanern sehr beliebt und genießt mehr Vertrauen der Amerikaner als Trump. Bei den Deutschen war Barack Obama als Präsident hoch im Kurs, war beliebt wie einst Kennedy 1963.

Anders sieht es nun beim aktuellen US-Präsidenten aus: Trump genießt unter den Deutschen deutlich weniger Beliebtheit als Merkel unter den Amerikanern. Als Präsident hat Trump einige internationale Abkommen gekündigt, so zuletzt das Pariser Klimaabkommen, was international auf viel Kritik gestoßen ist – eben auch in Deutschland.

Ist die deutsch-amerikanische Freundschaft also in Gefahr? Wohl eher nicht. Die Geschichte zeigt, dass diese Freundschaft schon oft vor Problemen stand, sie jedoch immer wieder überwunden hat. Jede Freundschaft, ob nun zwischen zwei Menschen oder zwei Nationen, hat schließlich ihre Höhen und Tiefen.

Der Autorin auf Twitter folgen: @carolineleicht.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.