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Umstrukturierung - Die Belegschaft bei Air Berlin kocht

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Die Belegschaft kocht. Besonders das Kabinenpersonal ist auf 180. In internen sozialen Netzwerken machen die Beschäftigten der insolventen Air Berlin seit Wochen ihrem Ärger Luft.

Archiv: Beschäftigte der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin protestieren bei einer Protestaktion am 16.10.2017 in Berlin
Quelle: dpa

Auf einem Bild ist Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Hitler-Uniform zu sehen. Darüber eine Sprechblase: "Hervorragende Leistung, General Winkelmann. Jetzt ist alles meins!" Die Wut richtet sich gegen die Manager von Lufthansa, von Air Berlin, aber auch gegen die Politik. Für viele Beschäftigte war die Insolvenz und Teil-Übernahme der zweitgrößten deutschen Fluglinie ein perfider Plan und ein abgekartetes Spiel, mit dem einzigen Ziel: gut bezahlte Mitarbeiter loszuwerden, die dann bei der Lufthansa-Tochter Eurowings für weniger Gehalt und zu schlechteren Bedingungen arbeiten müssen. "Das ist nichts anderes als Lohndumping", schreibt einer.

"Arbeitslosengeld höher als deren Gehalt"

Jetzt kristallisiert sich immer mehr heraus: der Plan, wenn es denn überhaupt einer war, scheint nicht aufzugehen. Das hat auch mit der Standhaftigkeit der Air-Berlin-Beschäftigten zu tun, die zu großen Teilen nicht bereit sind,  sich zu schlechteren Konditionen bei Eurowings zu bewerben. Eine Flugbegleiterin erzählt im Gespräch mit heute.de, sie würde Vollzeit bei Eurowings weniger verdienen als mit ihrer Zehn-Tages-Teilzeitstelle bei Air Berlin. "Und bei Eurowings müssen die Stewardessen sogar das Klo putzen." Zudem bietet Eurowings gar keine Teilzeitstellen an. Für viele kommen Vollzeitstellen nicht in Frage.

"Stay united" haben sie intern als Motto ausgerufen. In einem internen Facebook-Forum schreibt einer: "Wer es nötig hat, tut mir einfach nur leid. Mein Arbeitslosengeld ist höher als deren Gehalt." So kamen gestern alleine 500 Air Berliner zu einer Jobmesse in der Düsseldorfer Arbeitsagentur, um sich bei anderen Arbeitgebern neu zu orientieren.

Castings in Rumänien, Bulgarien, Slowenien und Slowakei

Lufthansa und Eurowings haben aber offenbar inzwischen gemerkt, dass die Air-Berlin-Beschäftigten, die zum größten Teil noch alte, gut dotierte LTU-Verträge haben, nicht zum Spottpreis zu haben sind. Deshalb suchen die Airlines jetzt in Osteuropa nach Arbeitskräften. Diese Woche fanden Flugbegleiter-Castings in Rumänien, Bulgarien, Slowenien und in der Slowakei statt - "mit und ohne Erfahrung", wie es in der Ausschreibung hieß. Ein Video aus Bukarest vom Montag, das dem ZDF vorliegt, zeigt gerade mal ein Dutzend Bewerber in einer Hotellobby beim Ausfüllen von Bewerbungsformularen.

Die Berliner Arbeitsagenturen rechnen damit, dass sich kommende Woche über 1000 Mitarbeiter von Air Berlin arbeitslos melden könnten. Diese hoffen auf Hilfe von Bund und Ländern - bisher vergeblich.

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Und wer als Student in den Semesterferien noch nichts vorhat, für den hat die Airline den passenden Job parat. Motto: "Noch kein Abschluss und schon ganz oben!" Eurowings bietet den studierenden Bewerbern eine "hochwertige Ausbildung" und einen befristeten Zwei-Jahres-Vertrag. Anforderungen unter anderem: "Hohe Einsatzbereitschaft und Belastbarkeit" und "Sie können Schwimmen". "Wenn wir nicht bereit sind, zu Dumpinglöhnen zu arbeiten, dann macht es ein anderer", kommentiert ein User in einer internen Air-Berlin-Facebook-Gruppe. Diese Woche machte im Unternehmen sogar das Gerücht die Runde, Air Berlin würde von der Lufthansa ein halbes Dutzend Flieger wieder zurückbekommen, weil sich dafür nicht genug Personal findet.

Die ersten 15 bekommen eine 20.000-Euro-Prämie

Wie schwer es offenbar Eurowings fällt, geeignete Piloten zu verpflichten, zeigt auch eine Stellenausschreibung, die sich an sogenannte "Type Rating Examiner/ Instructor" für den Airbus 320 richtet, also Ausbildungskapitäne mit Trainerlizenz und Flugerfahrung. Den ersten 15, die bei Eurowings einen Vertrag unterschreiben, bietet "Eurowings Europe eine Prämie von 20.000 Euro brutto", wie es heißt. Das Unternehmen will damit wohl auch erfahrene Piloten anwerben, in der Hoffnung, dass jüngere Folgen werden.

Einen Tarifvertrag gibt es natürlich nicht. Außerdem müssen die 174 Piloten des Air Berlin-Ablegers LGW auf dem Airbus 320 angelernt werden. Die saßen nämlich bisher am Steuer der 20 kleineren Turboprop-Maschinen von Bombardier. Nur das Personal LGW (371 Stellen), Niki (921 Stellen) und mindestens 300 Stellen der Air Berlin Technik mit ihren bestehenden Arbeitsverträgen wird die Lufthansa wahrscheinlich 1:1 übernehmen.

Lufthansa: 2.500 Bewerber auf 1.300 Eurowings-Stellen

Außer diesen fast 1.500 Beschäftigten wolle Lufthansa weiteren 1.500 eine "sichere Perspektive" bieten, so hatten es jedenfalls Lufthansa-Chef Carsten Spohr und der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus immer wieder betont. Die Piloten und Flugbegleiter halten das für einen "Taschenspielertrick". Denn sie müssen sich auf die Eurowings-Stellen neu bewerben. Nach Angaben der Lufthansa hätten sich auf die 1.300 Stellen, die Eurowings bisher ausgeschrieben hat, inzwischen 2.500 Bewerber gemeldet, darunter aber nur 500 von Air Berlin.

Während das Bodenpersonal und Mitarbeiter aus der Verwaltung wohl in einer Transfergesellschaft landen, ist für den Großteil der Piloten und Flugbegleiter die Zukunft nach der Insolvenz der ehemals zweitgrößten deutschen Fluglinie weiter völlig offen. Am Donnerstag sollten die Kündigungen verschickt werden, spätestens am Samstag werden sie wissen, dass zum 31. Januar 2018 für sie das Kapitel Air Berlin beendet ist.

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