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Alarmierende WWF-Studie - Leere Wälder: Tierbestände seit 1970 halbiert

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Alarmierende WWF-Studie: Die Bestände von Tieren, die in Wäldern leben, sind seit 1970 dramatisch zurückgegangen - und zwar weltweit. Das hat auch Folgen fürs Klima.

Um mehr als die Hälfte sind die weltweiten Tierbestände in Wäldern zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kam eine Langzeitanalyse der Umweltorganisation WWF.

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Zwischen 1970 und 2014 schrumpften 455 untersuchte Populationen um durchschnittlich 53 Prozent - so lautet das zentrale Ergebnis der neuen Untersuchung, welche die Umweltstiftung WWF jetzt veröffentlicht hat. Damit hätten sich die Bestände zahlreicher Tierarten in Wäldern überall auf der Erde innerhalb von 44 Jahren mehr als halbiert.

"Durch den Menschen verursacht"

Dass die Artenvielfalt insgesamt weltweit nicht nur bedroht ist, sondern bereits schwindet, darauf weisen Naturschützer immer wieder hin - zuletzt im Bericht des Weltbiodiversitätsrats im Mai dieses Jahres. Der WWF hat nun zusammen mit einer UN-Organisation und einer renommierten britischen Forschungseinrichtung erstmals und umfangreich den Lebensraum Wald betrachtet.

Colobus-Affe (Colobus badius, Piliocolobus badius)
Beliebtes Jagdziel: Colobus-Affen. In Nationalparks von Tansania sind sie einigermaßen geschützt, außerhalb sorgen Jäger dafür, dass die Populationen verschiedener Unterarten zurückgehen.
Quelle: picture alliance / blickwinkel

Untersucht wurden die Populationen von Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Reptilien. Besonders betroffen seien die Tropen und der Amazonas-Regenwald - grundsätzlich kann die Entwicklung in allen Weltregionen beobachtet werden. Als Hauptgrund für die Entwicklung nennt der WWF "durch Menschen verursachten Lebensraumverlust".

Offensichtlich sind dabei die Folgen der Abholzung, die den Tieren den Lebensraum entzieht. Aber die Studie guckt zudem auch unter die Blätterdächer der Erde und stellt fest: In vielen Wäldern, die auf den ersten Blick intakt scheinen, lebten immer weniger oder zum Teil kaum noch Tiere.

Java-Nashorn in Indonesien (undatierte Aufnahme)
Wie alle Nashorn-Arten gehört das Java-Nashorn in Indonesien zu den bedrohtesten Tierarten der Welt. Das Java-Nashorn ist dabei besonders von der Abholzung des Regenwaldes auf Java betroffen. Nur noch 40 bis 60 Tiere sollen dort leben.
Quelle: dpa

Artensterben im Wald hat Folgen fürs Klima

"Der Rückgang der Artenvielfalt in den Wäldern der Welt ist erschreckend und ein deutliches Alarmzeichen", sagte Christoph Heinrich, der im Vorstand des WWF für den Naturschutz zuständig ist, dem Redaktionsnetzwerk. Die Umweltschutzorganisation fordert deswegen die Staatengemeinschaft auf, den "planetaren Waldnotstand" zu erklären und einen "'New Deal' für Mensch und Natur zu schließen.

Laut WWF ist die Studie die erste Untersuchung, die sich speziell den Tierpopulationen in Wäldern widmet - und das hat einen Grund: "Die große Mehrheit aller Landtiere lebt in Wäldern und ist von ihnen abhängig. Aber diese Abhängigkeit ist wechselseitig: Wälder sind auf eine intakte Tierwelt angewiesen", erklärt Susanne Winter, Wald-Expertin des WWF.

Und weil ohne Tiere die Fähigkeit der Wälder sinke, Kohlenstoff zu speichern, wirke sich das Artensterben in den Wäldern unmittelbar auf den Klimawandel aus. "Wenn wir die Klimakrise verhindern wollen, müssen wir die Wälder und die dort lebenden Arten schützen", beschreibt Susanne Winter den Zusammenhang.

Zwei Lichtblicke im düsteren Bild

Die Studie nennt aber auch Fallbeispiele, die zeigen, dass sich Populationen durch richtige Maßnahmen auch wieder erholen können. Dadurch hätten sich die Bestände von Gorillas in Zentral- und Ostafrika und von Kapuzineraffen in Costa Rica wieder erholt. Zwei Lichtblicke in dem insgesamt allerdings düsteren Bild, das die Studie vom Zustand der biologischen Vielfalt der Wälder zeichnet.

Eine Berggorilla-Familie im Virumga Nationalpark (undatierte Aufnahme)
Berggorillas im Virumga-Nationalpark im Kongo kämpfen wegen des Konflikts im Osten des Landes noch immer ums Überleben. Jedoch haben sich Bestände anderswo, etwa im Bwindi-Nationalpark im benachbarten Uganda, wieder erholt.
Quelle: dpa

Europa erholt sich von niedrigem Niveau

Der Zustand der deutschen Waldbewohner ist in dem englischsprachigen Report nicht detailliert Thema. Der Trend in Europa sei im Untersuchungszeitraum ab 1970 auch eher positiv - allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau, erläuterte ein WWF-Sprecher auf Nachfrage. Das liege daran, dass die Tiere in europäischen Regionen schon in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten stark dezimiert wurden.

Frühere, noch umfassendere, aber nicht auf den Wald fokussierte WWF-Untersuchungen zu Beständen von Wirbeltierarten generell zeigten ebenfalls eine dramatische Entwicklung: Laut dem "Living Planet Report" von 2018 schrumpften die untersuchten 16.700 Populationen zwischen 1970 und 2014 im Schnitt um 60 Prozent. Als Beispiele besonders betroffener Arten wurden der Irawadi-Delfin, die Feldlerche, das Rebhuhn und der Stör genannt.

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