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Rallye-Fahrerin Yara Shalaby - Die Königin der Wüste

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Yara Shalaby hat ihren Traum wahr gemacht: Sie ist die erste weibliche Rallye-Rennfahrerin in Ägypten. Anfangs von den Männern belächelt und verspottet, hat sie sich nun in der Szene etabliert. Aber Yara ist noch nicht am Ziel. Sie will eine Schule für den Rallye-Nachwuchs gründen - nur für Frauen.

Anfangs von den Männern nur belächelt, hat sich Yara Shalaby innerhalb von wenigen Jahren als erste weibliche Rallye-Rennfahrerin in Ägypten einen Namen gemacht.

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Es wird laut, als Yara den Zündschlüssel herumdreht. Der Auspuff röhrt, der Motor ihres Toyota Land Cruisers blubbert. 4,5 Liter Hubraum, 350 PS - der Geländewagen Baujahr 1992 vibriert mächtig. Und Yara strahlt über das ganze Gesicht: Jetzt ist sie in ihrer Welt.

Hügeliges Wüstenland, Felsbrocken und Schotter

Wir sind im Osten von Ägyptens Hauptstadt. Da, wo der Stadtteil "New Cairo" aufhört, beginnt die Wüste. Hier hat Yara Shalaby ihren "Spielplatz", wie sie es nennt. Zwei Betonblöcke markieren die Einfahrt zu Yaras Trainingsgelände: hügeliges Wüstenland, hier und da ein paar Felsbrocken und Schotter. Gegen das gleißende Sonnenlicht schützt sich die 36-Jährige mit einer Sonnenbrille. Auf dem Ärmel ihres schwarzen T-Shirts trägt sie die ägyptische Fahne. Yara wartet auf unser Zeichen, dass es losgehen kann. Eine kurze Vorwarnung kriegen wir noch von ihr: "Das wird jetzt noch einmal ein bisschen lauter werden!"

Dann gibt sie Gas. Der Sand wirbelt nur so durch die Luft. Wenn Yara in einer Kurve Vollgas gibt, ist der Wagen - eingehüllt in einer Staubwolke - kaum noch zu sehen. Die Hügel sind so steil, dass der Wagen manchmal fast senkrecht steht. Und genauso geht es wieder hinunter. Das alles sieht von außen doch ziemlich extrem aus. Und das ist es auch. Aber so mag es Yara nun mal.

Ein alter Toyata als Rallye-Fahrzeug

"Ich habe die Wüste schon immer geliebt. Schon als Kind bin ich mit meinen Eltern immer am Wochenende rausgefahren. Wir haben Safaris gemacht und in Camps übernachtet. Die Wüste, das ist für mich ein Gefühl der Freiheit", schwärmt sie. Vor ein paar Jahren fing Yara an, sich für den Rallye-Sport zu interessieren. Die Neugierde und Begeisterung wuchs, irgendwann wollte Yara nicht mehr nur zuschauen. Was es über Motoren und Chassis zu wissen gibt, brachten ihr Freunde bei. Strecken zu lesen und ein Gefühl für den Sand zu entwickeln - dafür braucht es viel Erfahrung. Also kaufte sich Yara von ihrem eigenen Geld einen alten Toyota und baute ihn Rallye-tauglich um.

Sie kann sich noch genau daran erinnern, wie es war, als sie das erste Mal bei einem offiziellen Rennen an den Start ging - als erste Frau überhaupt in Ägypten. Das war 2013 in El Gouna. "Die Männer haben gesagt: ‘Du bist ein Mädchen, du kannst keine Rennen fahren. Mädchen können ja nicht mal richtig auf dem Asphalt fahren, also lass uns hier bloß in Ruhe.'" Was dann passierte - die meisten hätten wahrscheinlich sofort das Handtuch geworfen: Bei ihrem ersten Rennen verliert Yara die Orientierung in der Wüste und schafft es nicht ins Ziel. Es war, als hätten ihre männlichen Kollegen, die sie mit Hohn und Spott empfangen hatten, recht gehabt. Manche Männer lachten sogar über sie. Yara war am Boden zerstört.

Von Erfolg zu Erfolg

Nur sechs Monate später startet Yara erneut in der westlichen Wüste von Ägypten. Ihr zweiter Anlauf, ihr zweites Rennen. Yara wird Zweite. Seitdem lacht niemand mehr über Yara Shalaby. Sie fährt von Erfolg zu Erfolg, ihre Trophäensammlung füllt zu Hause zwei Schränke. 2014 steht sie in Katar nach einem internationalen Rennen ganz oben auf dem Treppchen. Ihr erster Sieg. Und ihre Kritiker: verstummt. Zumindest was ihre Rennkollegen angeht. In ihrem Alltag muss sich Yara hin und wieder rechtfertigen und gegen Stereotypen kämpfen. Yara hat einen achtjährigen Sohn aus erster Ehe und einen anspruchsvollen Job als IT-Spezialistin bei einer Bank. Sie wird oft gefragt, wie sie da noch Zeit haben kann für ihr Leben als professionelle Rennfahrerin. Kann sie eine gute Mutter und eine gute Ehefrau sein?

Ihr Sohn ist oft bei den Rennen dabei, mit Motoren kennt er sich fast schon so gut aus wie sie. Am meisten freut es Yara aber, dass auch er die Wüste liebt. Genauso wie seine Mutter. Yaras Ehemann Sherif teilt die Leidenschaft seiner Frau. Auch er fährt Wüsten-Rallyes, aber mittlerweile mehr als Hobby. Kennengelernt haben sich beide, wie sollte es anders sein, im Auto: Sherif war anfangs Yaras Beifahrer. Dass er diese Rolle manchmal auch im Privatleben einnimmt, stört ihn nicht. "Ich unterstütze meine Frau, wo ich nur kann. Ein anderes Leben können wir uns beide gar nicht vorstellen." Alles eine Frage der Organisation, so Yara. "Man muss sich eben disziplinieren. Ich habe das erst lernen müssen, aber jetzt konzentriere ich mich auf das, was ich jeweils tue, zu hundert Prozent. Das gilt für meinen Job, meine Familie und das Rallye-Fahren", erklärt sie.

Ohne Sponsoren unterwegs

Sportliche Ziele hat sie noch jede Menge, auch wenn es nicht immer leicht ist, an so vielen Rennen teilzunehmen: bis heute finanziert Yara ihren Sport fast ausschließlich aus eigener Tasche. Sponsoren sind noch zurückhaltend. Aber Yara wäre nicht Yara, wenn sie nicht weiter kämpfen würde. Und einen ganz großen Traum hat sie noch: "Irgendwann will ich eine Schule gründen. Für Nachwuchs-Rennfahrerinnen. Jede Frau sollte die Erfahrung machen und herausfinden, was in ihr steckt. Auch wenn andere sagen: Du kannst das nicht."

Im Auto ist es brüllend heiß, eine dicke gelbe Staubschicht hat mittlerweile das Armaturenbrett überzogen. Yara winkt zum Abschied, dann gibt sie Gas. Wieder wirbelt der Sand auf, das Heck ist nicht mehr zu erkennen. Yaras Auto von hinten: diesen Anblick werden Yaras Konkurrenten wohl noch öfter zu sehen bekommen.

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