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Weltnichtrauchertag - Blauer Dunst über Paris lichtet sich langsam

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Die Zahl der Raucher sinkt in Frankreich so stark wie nie zuvor. Leicht fällt den Franzosen das Aufhören aber nicht: Rauchen ist eben Kulturgut - und stört nicht einmal beim Essen.

Ein Café in Paris mit einer Nichtaucher-Terrasse
Noch immer eine Seltenheit: Ein Pariser Café mit Nichtraucher-Terrasse.
Quelle: picture alliance / abaca

In Paris lichtet er sich langsam, der blaue Dunst. Der französische Staat hat ihm den Kampf angesagt und sieht erste Erfolge. Doch für viele Franzosen ist Rauchen immer noch Teil ihrer Kultur, genauso wie die regelmäßigen Demonstrationen an der Bastille. 230 Jahre nach ihrer Revolution haben sie immer noch eine Schwäche für die rebellische Pose. Sie gehen auf die Straße, wenn ihnen etwas nicht passt, und lieben ihre Philosophen mit dem Charaktergesicht, debattierend, eine Zigarette in der Hand.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Zumindest mit dem Rauchen. Eine Studie des französischen Gesundheitsministeriums zeigte vor zwei Jahren: Rauchen ist die vermeidbare Todesursache Nummer Eins in Frankreich. Inzwischen kostet eine Zigarettenschachtel nicht nur deutlich mehr, sie hat sich auch deutlich verändert. Alle Verpackungen sind schwarz, mit abschreckenden Bildern. Das, und eine Vielzahl weiterer Maßnahmen, zeigen Wirkung. "Die Zigarettensteuern gehen immer weiter hoch, das entmutigt, überhaupt erst mit dem Rauchen anzufangen", sagt Alison A’Isha Commar von der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Zahl der Raucher um eine Million gesunken

Zwischen 2016 und 2017 sank die Zahl der Raucher um eine Million. "Das hat es noch nie gegeben. Bravo!", twittert die Gesundheitsministerin Marisol Touraine begeistert. Sie sieht das als Erfolg einer bereits 2014 begonnenen Kampagne. Aber das ist erst der Anfang. Ihr ehrgeiziges Ziel: Bis 2024 sollen weniger als ein Fünftel der Franzosen rauchen. Aktuell ist es fast jeder Dritte. 

Die jüngste WHO-Statistik gibt ihr Recht, nicht nachzulassen. "Es sterben immer noch jedes Jahr weltweit mehr als sieben Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums",  wird der australische Professor Kevin Hall darin zitiert.

In Frankreich ist Rauchen immer noch gesellschaftlich toleriert und nicht so verpönt wie in den USA. "Keiner rümpft die Nase, wenn man sich eine Zigarette anzündet", sagt Olga, eine langjährige Raucherin, die mit ihrer Familie in einem Pariser Vorort lebt. "In den Cafés kann man auf jedem Tisch draußen Aschenbecher finden." Selbst wenn jemand am Nebentisch isst, scheint der Qualm nicht zu stören. 

E-Zigaretten gewinnen an Beliebtheit

Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo Raucher dann mit einem gequälten Blick gebeten werden, doch zumindest in eine andere Richtung zu pusten. Spannend ist dabei: In Deutschland und Frankreich ist die Zahl der Raucher ungefähr gleich: Knapp jeder Dritte raucht. Wenn man sich aber in beiden Ländern bewegt, sieht man sehr viel mehr Raucher in Frankreich, während die Deutschen weitgehend ohne Zigaretten durch die Straßen gehen. In Deutschland werde mehr im Privaten geraucht, auch weil die gesellschaftliche Akzeptanz nicht so hoch wie in Frankreich sei, sagt Alison A’Isha Commar von der WHO. 

Wie sehr öffentliches Rauchen in Frankreich noch dazu gehört, zeigt folgendes Beispiel: Auf der Strecke Paris-London hält es das Eurostar-Team immer noch für erforderlich, die zumeist französischen Fahrgäste an das Rauchverbot zu erinnern. Auch elektronische Zigaretten seien nicht erlaubt, fügt die Stimme aus dem Lautsprecher freundlich-mahnend hinzu. 

Tatsächlich sieht man immer mehr Franzosen mit einer E-Zigarette in der Hand durch die Straßen gehen. Meist sind es junge Männer, Familienväter, die allerdings eher resigniert als genussvoll dran nuckeln. Sie und alle anderen Entwöhnungswilligen bekommen jetzt so viel Zuspruch wie nie zuvor. Mit der gewohnt starken französischen Rhetorik ermuntert die Gesundheitsministerin Marisol Touraine: "Nichts ist Schicksal (…) Auf dass der Kampf weitergeht." Und demonstriert damit revolutionären Geist, ganz ohne Zigarette in der Hand.

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