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Waldbrände in Griechenland - Mehr als 70 Tote: Tsipras verspricht Hilfe

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Ein Tragödie, sagen Politiker. Inferno, nennen es Retter. Bei den schlimmen Waldbränden in Griechenland sind mehr als 70 Menschen gestorben. Und es können noch mehr Tote werden.

Bei den schweren Waldbränden nahe der Hauptstadt Athen sind mindestens 70 Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Länder haben humanitäre und technische Hilfe angeboten.

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Die Regierung spricht von einer "nationalen Tragödie", Polizei und Feuerwehr nennen es das "schlimmste mögliche Szenario" und "Inferno". Selbst diese dramatischen Worte können das Grauen kaum fassen nach den verheerenden Waldbränden im dicht bewohnten Feriengebiet im Osten und Westen Athens. Mindestens 74 Menschen kamen in den Flammen ums Leben, viele von ihnen verbrannten bei lebendigem Leibe. Unter den Todesopfern sollen viele Kinder sein, berichtete das Staatsfernsehen ERT. Mehr als 160 Menschen und 23 Kinder wurden bei den Feuern in der beliebten Ferienregion nahe der Hauptstadt verletzt. Mehr als 1.000 Ferienhäuser und Wohnungen fielen den Flammen in dem dichten Pinienwald zum Opfer. Und das ist nur eine vorläufige Bilanz. Am Dienstag wurde immer noch eine unbekannte Zahl von Menschen vermisst.

Tsipras: "Nichts bleibt ohne Antwort"

Ministerpräsident Alexis Tsipras betonte, es gehe jetzt darum, noch zu retten, was zu retten sei, und zusammenzustehen. "Keiner soll ohne Hilfe bleiben - und nichts bleibt ohne Antworten", versprach er. Denn schon jetzt wird die Frage der Verantwortlichkeit in griechischen Medien heiß diskutiert - und auch, warum die Orte nicht rechtzeitig evakuiert wurden. Hilfe sei unterwegs von vielen EU-Ländern, erklärte EU-Ratspräsident Donald Tusk, Europa werde in diesen schweren Zeiten an der Seite seiner griechischen Freunde stehen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sicherten Tsipras die Solidarität Deutschlands zu. Papst Franziskus sprach seine Anteilnahme aus. Tsipras ordnete für drei Tage Staatstrauer an.

Karte: Waldbrände - Griechenland
Waldbrände in Griechenland Quelle: ZDF

Waldbrände gibt es in Griechenland immer wieder im Sommer - sie gehören zum Alltag der Einsatzkräfte. Alle fragen sich, wie es zu der Tragödie kommen konnte. Der Zivilschutz hatte bereits am Sonntag vor großer Waldbrandgefahr gewarnt. Es hatte fast zwei Wochen lang nicht geregnet. Überall lag vertrocknetes Gras herum. Es herrschten Temperaturen um die 39 Grad Celsius. Am Montag kam starker Wind hinzu. Zunächst bricht ein Brand im Westen Athens aus. Ursache unbekannt, heißt es von der Feuerwehr. Mehrere Häuser werden zerstört, Opfer gibt es aber nicht. Um die Mittagszeit kommt die Katastrophe: Neue Feuer entstehen im Osten Athens. Die bereits stark ausgelasteten Feuerwehrleute, die Löschflugzeuge und Hubschrauber müssen nun an zwei großen Fronten kämpfen.

Der Einsatzleiter weinte

Die schlimmsten Szenen müssen sich am Montag in der Region der Hafenstadt Rafina abgespielt haben, rund 25 Kilometer in gerader Linie östlich von Athen gelegen. Rettungsmannschaften entdeckten am Dienstagmorgen 26 Leichen an einem Steilhang. "Der Einsatzleiter weinte", berichtet ein Reporter vor Ort und beschreibt das ganze Drama: Die Opfer, darunter etliche Familien, hatten versucht, den Flammen zu entkommen und waren von ihren Häusern in Richtung Küste gerannt. Doch dieser Küstenabschnitt kann nur über einen schmalen Pfad erreicht werden, in dem dichten Rauch und in ihrer Panik finden ihn die Menschen nicht. Die Flammen kommen von allen Seiten, schließen die Menschen ein. Sie bleiben stehen, umarmen sich ein letztes Mal und sterben.

Andere Reporter berichten von einer Frau, die mit ihrem Kind in einem Haus in der Ortschaft Mati entdeckt wurde. Die Mutter hatte ihr Kind schützend mit ihrem Körper abgeschirmt, bevor beide verbrannten.

Warum brechen Brände gleichzeitig aus?

Und die zweite Front - entlang der Ostküste Athens- ist ein riesiges Urlaubsgebiet. Pinienwälder überall und mittendrin verstreut Tausende Ferienhäuser und Wohnungen. Viele Athener haben dort ihren zweiten Wohnsitz, wo sie mit ihren Familien den Sommer verbringen. Die Flammen fegen mit hoher Geschwindigkeit über das Gelände. Tausende Menschen flüchten in Panik. Wer Glück hat, kann den Strand erreichen. Dort ist man sicher vor der Feuersbrunst. Viele gehen ins Wasser. Fischer holen sie am Dienstagmorgen aus den Fluten und aus schwer zugänglichen Küstenabschnitten.

Wetterausblick: Griechenland

Das Staatsfernsehen ERT zeigt am Dienstag das Ausmaß der Katastrophe, der ein riesiges Gebiet von gut 40 Quadratkilometern zum Opfer fiel: Ganze Wohnviertel in den Ortschaften Mati, Nea Makri und Rafina mit völlig zerstörten oder schwer beschädigten Häusern; Hunderte verbrannte Autos, die ihre Besitzer auf der Flucht vor den Flammen mitten auf der Straße abgestellt hatten; verstörte und verletzte Tiere irren herum. Allein in der Region um die Hafenstadt Rafina sollen mindestens 1.200 Häuser zerstört worden sein, sagt Bürgermeister Vangelis Bournous.

Mehrere Behördenvertreter erklärten, es sei seltsam, dass viele Großbrände gleichzeitig ausgebrochen seien. Sie wollen daher eine unbemannte Drohe aus den USA einsetzen, um verdächtige Vorkommnissen zu überwachen. Ein schwacher Trost für die betroffenen Menschen: Am Dienstagabend oder am Mittwoch soll es laut Wetteramt regnen.

"Es muss dort aussehen wie in einem Kriegsgebiet mit rauchenden Trümmern und Ruinen", so ZDF-Korrespondent Alexander von Sobeck über die Waldbrände östlich von Athen.

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