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Kommentar zur Bayern-Wahl - Ab jetzt ist alles möglich

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Die bayerischen Wähler haben die CSU entthront. Die Partei braucht eine ganz neue personelle Aufstellung.

Kommentar von Peter Frey zur Landtagswahl in Bayern
Quelle: ZDF/dpa

Die Flügel gestutzt, aber gerade noch dem Absturz entgangen. Mit neuer Demut präsentiert sich die CSU am heutigen Wahlabend. Doch hinter Erleichterung und neuen leisen Tönen lauert die Gefahr, sich der Wirklichkeit zu verweigern.

Die bayerischen Wähler haben die Partei entthront, ihr miserables Bundestagsergebnis noch einmal verschlechtert. Noch deutlicher als 2008 haben sie die Alleinherrschaft der CSU beendet.

Verschreckte Mitte

Ihre Niederlage ist selbstgemacht. Die CSU hat die Vielfalt des modernen Bayern nicht mehr wahrgenommen und mit ihrem aggressiven Politik-Stil Angst statt Zuversicht verbreitet. Das hat viele Wähler verschreckt, gerade die, denen das C im Namen etwas bedeutet.

Drei Jahre hat Seehofer als rätselhaftes Irrlicht aus Bayern seine eigene Partei verunsichert. Söder, der neue Ministerpräsident hat den Kompass zwischen Scharfmacher und Landesvater nicht gefunden. In der Flüchtlingspolitik wollte die CSU mit immer schärferen Parolen die AfD wegdrücken.

CSU muss sich neu aufstellen

Sie lieferten den Rechtspopulisten damit die Stichworte zum Aufstieg, auch im bayerischen Paradies. Auf der anderen Seite verloren sie an die Grünen, die in den bayerischen Städten nun zur neuen urbanen Mitte werden. Wenn sie sich erneuern will, braucht die CSU statt des Bündnisses plötzlich zahmer Männer eine ganz neue Aufstellung, auch mit ihren Frauen und Liberalen.

Für Berlin bedeutet der heutige Abend: Die Große Koalition produziert nur Verlierer. Minus 21 Prozent für CSU und SPD. Besonders verheerend trifft es die Sozialdemokraten und ihre neue Vorsitzende. Diese Niederlage erschüttert einmal mehr den Stolz der Partei.

Auch Bundeskanzlerin Merkel bleibt im Abstiegssog. Nur ein überzeugender Sieg der CDU in Hessen wird einen unkontrollierten Machtverfall der Parteivorsitzenden verhindern können. Die Große Koalition ist heute noch instabiler geworden. Niemand, auch Horst Seehofer nicht, hat jetzt noch einen Schuss frei. Die SPD kann nicht mehr. Bayern ist seit heute anders. Aber auch in Deutschland ist ab jetzt alles möglich.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey kommentiert: Die Flügel der CSU sind gestutzt, sie ist aber gerade noch dem Absturz entgangen. Ihre Niederlage ist selbstgemacht. Die Partei braucht eine ganz neue personelle Aufstellung, auch mit ihren Frauen und Liberalen.

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