Sie sind hier:

Klimawandel zerstört die Arktis - Mit dem Segelboot zum Arzt ist keine Option

Datum:

Für die ZDF-Doku "Nordlichter - Leben am Polarkreis" ist Johannes Hano, Leiter des ZDF-Studios New York, in die Arktis gereist. Der Klimawandel verändert alles dort dramatisch.

In der Arktis kämpfen Staaten um Rohstoffe und Tiere um die letzten Lebensräume. Das zunehmende Schmelzen der Eisberge betrifft die gesamte Menschheit.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Heuchler seien wir oder Lügner, einmal rund um den Polarkreis, durch die Arktis zu fahren und dabei jede Menge CO2 auszustoßen, kritisieren in den sogenannten Sozialen Medien die Einen, die Anderen bezeichnen uns als Fake News, weil die Gletscher wachsen und nicht schmelzen würden, der Klimawandel nicht real sei. Kritik schon bevor überhaupt jemand unsere Filme gesehen hat – es war auch diese selbstgerechte Wichtigtuerei mancher, die uns von Anfang an ein Ansporn war, mal nachzuschauen, was da gerade so vorgeht in dieser rauen, unwirtlichen Region über die alle sprechen und die doch kaum jemand kennt – die Arktis.

Jenny Lind Island: Ein Außenposten der Kanadischen Joint Task Force North.
Jenny Lind Island: Ein eisiger Außenposten der Kanadischen Joint Task Force North.
Quelle: ZDF/Brian Dentz, Toby Marshall

Und um es vorweg zu nehmen: Nach vielen tausend, oft anstrengenden und gefährlichen Kilometern durch diese einsame arktische Welt ist uns klar geworden, vor welchen enormen Herausforderungen wir als Menschheit stehen. Dass sich die Erde erwärmt, in den vergangenen fünf Jahren immer schneller, dass sich das Klima ändert, daran gibt es für alle, die hier oben leben und mit denen wir gesprochen haben, überhaupt keinen Zweifel - nicht für die Inuit, die lernen damit umzugehen, dass ihr seit vielen Generationen überliefertes Erfahrungswissen an Bedeutung verliert, nicht für die Soldaten, die in dieser militärisch so wichtigen Region vor neuen strategischen Herausforderungen stehen und auch nicht für Trapper und Energiekonzerne deren Existenz auf dem Spiel steht.

Mehr Eis und Schnee durch den Klimawandel

Wir haben erlebt, dass Eis und Schnee das Ergebnis der Erderwärmung seien und sie beschleunigen können. In Ost-Grönland stranden wir im Scoresby Sund mit einer Inuit Familie im Packeis, das ein ungewöhnlich kräftiger Wind aus dem Arktischen Ozean tief in den Fjord hineingedrückt hat. Im Norden Alaskas erfahren wir, wie die vielen, immer häufiger auftretenden Hochschneewinter der vergangenen 15 Jahre dazu führen, ganze Tierpopulationen in der Brooks Range auszurotten. Wir frieren uns durch den ganzen Sommer und können nicht so recht verstehen, was das alles mit Klimawandel zu tun haben soll. Aber die Erklärungen, die wir bekommen, sind dann doch recht einleuchtend - auch wenn wir selbst so nie darauf gekommen wären.

Das dünner werdende arktische Eis bricht früher und wird durch sich verändernde Wind-Muster immer häufiger in neue "Bahnen" gelenkt.

Durch die dramatische Erwärmung werden die Ozeane - auch der Arktische - zu gigantischen Energiespeichern, was zu mehr Luftfeuchtigkeit und dann zu mehr Schnee führt. Der wiederum isoliert viel zu früh den Permafrostboden, sodass der nach der sommerlichen Erwärmung nicht oder nur sehr langsam auskühlen kann, was dann wiederum zu einer noch schnelleren Erwärmung des Permafrostes führt.

In 30 Jahren könnte der Permafrost Geschichte sein

Seit 35 Jahren messen Wissenschaftler der Universität Fairbanks in Alaska die Temperatur des Permafrostes – verteilt über den ganzen Bundesstaat in 20 bis 30 Metern Tiefe. Vor 35 Jahren hätte die Temperatur in 30 Metern Tiefe noch minus 8 Grad betragen heute liegt sie bei minus 4. Besonders schnell sei sie in den vergangenen 5 Jahren gestiegen erklärt uns Professor Vladimir Romanovsky. Romanovsky ist einer der angesehensten Permafrostforscher weltweit, berät Regierungen und Unternehmen.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Wenn diese Entwicklung so weitergehe, dann würde der Permafrost irgendwann zwischen 2050 und 2060 beginnen zu schmelzen – nicht überall gleichzeitig aber doch an vielen Orten. Sollte das passieren, dann brauchen wir uns keine Gedanken mehr um Dieselfahrverbote oder Kohlekraftwerke zu machen. Im arktischen Permafrost ist mehr als doppelt soviel CO2 gebunden, wie schon jetzt in der Erdatmosphäre vorhanden ist und dazu noch gigantische Mengen Methan – sollte das alles nach und nach freigesetzt werden wird unsere Welt eine Andere werden.

Schmelzender Permafrost gefährdet die Energieindustrie

Ein Problem aber hätten die meisten noch gar nicht auf dem Radar, meint Romanovsky, und das könnte schon sehr viel schneller zu großen Konflikten führen – weltweit. Energiesicherheit. Immer mehr Öl und Gas käme mittlerweile aus der Arktis, aus Alaska, Russland in die Industriezentren im Süden, in China, Europa und den USA.

Wieder nimmt das ZDF-Team die Zuschauer mit in eine Welt, die sich verändert und die es bald so nicht mehr geben wird. Vom größten Fjordsystem der Welt im Osten Grönlands über die Inseln der Nordwest-Passage bis zu den riesigen Ölfeldern in Alaska.

Beitragslänge:
44 min
Datum:

Das Problem: Durch den langsam schmelzenden Permafrost wird der Grund, auf dem Förder- und Transportinfrastruktur stehen, instabil. Die Infrastruktur könnte zerstört werden, es drohen ökologische und ökonomische Katastrophen, deren Ausmaß kaum vorherzusehen sei. Obwohl der amerikanische Präsident immer mehr Gebiete in der Arktis zur Ölexploration und Ölförderung freigibt, hat sich BP, einer der größten Mineralölkonzerne der Welt, diesen Sommer komplett aus Alaska zurückgezogen und seine Anteile in der Arktis verkauft. Offiziell, weil man nach neuen lukrativeren Geschäftsmodellen Ausschau hält. Im Umkehrschluss scheint sich das Geschäftsmodell Arktis für den Ölriesen langfristig nicht zu rechnen.

Klimawandel aufhalten und an eine veränderte Welt anzupassen

Und doch wachsen die Begehrlichkeiten, die riesigen Rohstoffvorkommen der Arktis weiter auszubeuten. In der kanadischen Nord-West-Passage sind wir mit der kanadischen Luftwaffe und Elitesoldaten der Infanterie an den entlegensten Orten dieser Welt unterwegs - und wir erleben was es heißt, die Kontrolle über ein so großes Gebiet zu behalten. Sein Kommandobereich sei in etwa so groß wie die USA erklärt uns Brigadegeneral Patrick Carpentier von der kanadischen Joint Task Force North. Allerdings würden in diesem Gebiet nur etwa 115.000 Menschen leben.

Abenteuer auf einem Fjord in Ostgrönland
Das ZDF-Team mit Johannes Hano auf einem Fjord in Ostgrönland
Quelle: ZDF/Toby Marshall

Energie und Transport sind die größten Herausforderungen für die Menschen hier oben im hohen Norden und natürlich verbrennen sie Öl und Gas, um in dieser erbarmungslosen Welt zu überleben, um Teilzuhaben an dem relativen Wohlstand den wir in den letzten hundert Jahren im Rest der Welt erreicht haben. Mit dem Segelboot zum Arzt, der oft hunderte, manchmal tausende Kilometer entfernt ist, ist keine echte Option für die Menschen hier auch wenn sie wissen, dass sie damit dazu beitragen, dass das Eis verschwindet und die Gletscher schmelzen.

Heuchler und Lügner, sind die, die behaupten es gebe den Klimawandel nicht und die, die uns weismachen wollen, man könne ihn mit Verzicht und Verboten noch aufhalten. Allerdings werden wir alles tun müssen, um den Prozess der Erderwärmung so zu verlangsamen; damit wir Zeit gewinnen, uns an eine Welt anzupassen, die dabei ist, sich dramatisch zu verändern. Das ist uns in der Arktis klar geworden.

Johannes Hano leitet das ZDF-Studio New York. Für den zweiten Teil der Dokureihe "Nordlichter - Leben am Polarkreis" war er mit seinem Team von Ostgrönland bis nach Alaska unterwegs. Er erlebt, eine Welt, die sich unter dem Klimawandel rasant verändert und lernt Menschen kennen, die sich an diese Veränderungen versuchen anzupassen.

Folgen Sie dem Autor auf Twitter: @JohannesHano

Nordlichter - Leben am Polarkreis

Doku -
Thema: Nordlichter - Leben am Polarkreis
 

Sie ist eine der faszinierendsten Regionen der Erde und gleichzeitig die am meisten bedrohte: die Arktis. Zwei ZDF-Teams reisen entlang des Polarkreises, ein...

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.