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Gutachten liegt dem ZDF vor - An neue Windanlagen kaum noch zu denken

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Erst will das Wirtschaftsministerium ein Gutachten zur geplanten Abstandsregel für Windräder nicht veröffentlichen. Nun liegt es dem ZDF doch vor - und offenbart Überraschungen.

Windräder in Schleswig-Holstein. Archivbild
Im Gutachten geht es um eine geplante Abstandsregel für Windräder.
Quelle: Carsten Rehder/dpa

Können in Deutschland noch ausreichend neue Windanlagen gebaut werden, um das Ziel von 65 Prozent Ökostrom bis 2030 zu erreichen? In ihrem Klimaschutzpaket hatten sich Union und SPD trotz einer deutlichen Warnung des Umweltbundesamtes auf einen Mindestabstand für Windräder von 1.000 Metern zu Wohnsiedlungen geeinigt. Gegenüber dem ZDF berief sich der zuständige Energie-Staatssekretär Andreas Feicht dabei auf ein Gutachten - das jedoch weder die Koalitionsfraktionen noch das Wirtschaftsministerium veröffentlichen wollten.

Gutachten kommt zu ähnlichem Ergebnis wie Umweltbundesamt

Doch lange blieb das Gutachten nicht unter Verschluss - mittlerweile liegt es dem ZDF vor. Auf 55 Seiten präsentieren der Energieberater Navigant und das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik darin ihre Berechnungen, wie sich die geplante Abstandsregel auf den Bau neuer Windanlagen auswirken wird. Das Überraschende: Im Kern kommen die Gutachter zu keinem anderen Ergebnis als das Umweltbundesamt, das vor einer deutlichen Reduzierung der Fläche für Windanlagen gewarnt hatte.

Auch dem bislang unveröffentlichten Gutachten zufolge würden sich die verfügbaren Flächen für Windanlagen durch eine Mindestabstandsregel deutlich reduzieren - je nach Ausgestaltung zwischen zehn und 40 Prozent. Letzteres gilt etwa dann, wenn der Abstand auch zu Wohnsiedlungen im Außenbereich von Dörfern und Städten gelten muss. Das Umweltbundesamt hatte eine Reduktion von bis zu 50 Prozent errechnet.

Erster Entwurf für Gesetz liegt ZDF vor

Besonders drastisch wären die Folgen, sollte der geplante Mindestabstand auch für das so genannte "Repowering" gelten, also die Erneuerung von alten Anlagen. Befinden sich diese Anlagen in einer Entfernung von weniger als 1.000 Metern, dürften sie nicht ersetzt werden - müssten also abgebaut werden. In der Studie wird für dieses Szenario eine "installierbare Gesamtleistung" der Windenergie von 48,9 Gigawatt in Deutschland errechnet. Das wäre eine geringere Gesamtleistung als derzeit. Der durch Windenergie produzierte Strom in Deutschland würde sich womöglich sogar verringern.

Derweil kursiert bereits ein erster Textentwurf für ein Mindestabstand-Gesetz zwischen den Ressorts, verfasst vom zuständigen Innenministerium. Auch dieser Textentwurf liegt dem ZDF vor. Der Text deutet die Abstandsregel so umfassend aus, dass - so heißt es aus SPD-geführten Ressorts - an neue Windanlagen kaum noch zu denken ist. So soll der Mindestabstand bereits zu einer Siedlung von fünf Gebäuden eingehalten werden - ebenso zu Flächen, wo "ein Wohngebäude errichtet werden kann". Der Koalitionskrach um die Abstandsregel ist damit schon absehbar.

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