Sie sind hier:

Chefredakteure diskutieren mit AfD - Ein Dialog: AfD und öffentlich-rechtliche Medien

Datum:

Der AfD-Kreisverband Dresden hatte eingeladen – und die Chefredakteure von ARD und ZDF waren gekommen. Vielleicht war das schon das Überraschendste an diesem Abend.

Die AfD hatte in Dresden ZDF-Chefredakteur Peter Frey und Kai Gniffke von der ARD eingeladen. Es ging überwiegend sachlich zu.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Und vielleicht war das auch schon das wichtigste Ergebnis der Diskussion: dass man überhaupt miteinander geredet hatte. Um es gleich vorneweg zu gestehen: Der Autor dieser Zeilen ist – in diesem besonderen Fall - befangen. Wie soll er als Berichterstatter über Berichterstattung berichten, über eine Diskussion, welche die AfD mit "Medien und Meinung" überschrieben hatte. Und damit eine immanente Kritik gleich in die Überschrift gepackt hatte.

Wer selbst als öffentlich-rechtlicher Journalist Diskussionsgegenstand ist, kann eigentlich nur mitdiskutieren, so wie Peter Frey, der ZDF-Chefredakteur. Oder - wie auch sonst – zumindest versuchen, den journalistischen Regeln zu folgen, die Peter Frey und sein Chefredakteurs-Kollege von der ARD, Kai Gniffke, immer wieder vor dem Publikum ausbreiten: Berichten, was ist, Meinung und Fakten trennen. Pointiert sollte das Ganze trotzdem sein.

Stets fair und auf Augenhöhe

Also denn, der Reihe nach: Die beiden Moderatoren, Klaus Kelle (freier Journalist) und Andreas Lombard (Chefredakteur Cato) machen ihren Job kompetent: kritisch im Umgang mit den Chefredakteuren, aber stets fair und auf Augenhöhe. Gleich zu Beginn bittet Lombard um eine sachliche Diskussion. Es gehe nicht darum, "Dampf abzulassen", sondern darum, "diese besondere Chance zu nutzen und auf emotionale Äußerungen zu verzichten. Einverstanden?"

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Es folgt Beifall zur Bestätigung, aber diese Zusage wird das Publikum nicht immer einhalten. Es besteht trotz einer offenen Einladung an alle Bürger größtenteils aus AfD-Politikern und AfD-Sympathisanten. Das bestätigen nicht nur die kritischen Zwischenrufe und Reaktionen, sondern auch der einladende Kreisverband nach Sichtung der Zusagen.

Beginn mit einem Frontalangriff

Mit auf dem Podium sitzen Nicolaus Fest, Ex-Journalist und jetzt AfD Berlin, sowie Michael Klonovsky, Ex-Journalist und jetzt Mitarbeiter von AfD-Chef Alexander Gauland. Fest beginnt mit einem Frontalangriff: Drei Dinge kritisiert er an ARD und ZDF: 1. Nicht-Berichterstattung. 2. Falsch-Berichterstattung. 3. Voreingenommene Berichterstattung.

Über die Ereignisse in Chemnitz sei völlig einseitig berichtet worden. Peter Frey betont, er sei gekommen, um sich auch Kritik anzuhören. Man müsse aber auch über den Ton reden, den Teile der AfD gegenüber der Presse anschlagen würden. Man könne sich hoffentlich darauf verständigen, "dass in einem freien Land eine freie und kritische Presse notwendig ist, und nicht eine Presse, die eingeschüchtert wird".

Kai Gniffke von der ARD betont, keine Redaktion würde wissentlich falsch berichten. Fehler gebe es, sie würden aber durchaus öffentlich eingestanden. Zugleich müsse ständig aus einer Vielzahl von Themen ausgewählt werden. Und es sei "ein journalistisches Grundprinzip, beide Seiten zu hören". Für letzteres erntet er höhnisches Gelächter im Saal.

Es geht den AfD-Kritikern um Grundsätzliches: Gewalt von Ausländern werde immer nur als Einzelfall verharmlost, so wie in der Silvesternacht 2015 in Köln. Kritische Stimmen von der AfD würden nicht in Talk-Shows eingeladen. Und Klonovsky unterstellt ARD und ZDF ganz generell: "Der Journalist in Deutschland ist in der Regel der Meinung, er muss sein Publikum belehren und erziehen", konstatiert er unter donnerndem Applaus. Meinung und Fakten würden nicht mehr getrennt. "Diese Leute haben eine Agenda."

Keine Vorurteile schüren

Peter Frey nennt die Kritik "bedrückend". Fehler in der Berichterstattung würden im ZDF offen diskutiert und öffentlich gemacht. "Wir schenken uns da nichts." Frey zitiert aber auch aus den Programmleitlinien des ZDF, nach denen Ethnie und Religion eines mutmaßlichen Täters nicht ohne zwingenden Grund genannt werden dürfen, um keine Vorurteile zu schüren. 

Außerdem betont er, es gebe "keine Vorgaben für unsere Moderatoren, außer die Fakten zu beachten".  Bei Moderationen gehe es aber auch darum, "sich daran zu reiben". Grundsätzlich werde strikt auf Faktentreue geachtet. Frey verspricht aber, in die Redaktionen noch mehr als bisher zu vermitteln, darauf zu achten, dass "Haltung nicht belehrend wirkt". Dafür gibt es immerhin zarten Applaus.

Politischen Standpunkt selbst klären

Den Vorwurf, das ZDF erkläre nicht,  was rechtslastig oder rechtsextrem sei, kontert Frey mit der Aufforderung, die AfD müsse ihren politischen Standpunkt schon selbst klären. Protest im Publikum, das kommt nicht so gut an. "Chemnitz ist ein gutes Beispiel: Sie müssen entscheiden, mit wem Sie marschieren", sagt Frey in Anspielung auf eine gemeinsame Demonstration der AfD mit "Pegida" und "Pro Chemnitz", bei der außerdem Neonazis und andere Rechtsextreme mitliefen.

"Wenn Sie in die bürgerliche Mitte wollen, müssen Sie ihr Verhältnis zum rechten Rand klären – und nicht wir." Dazu gibt es keine Reaktion aus der Runde. Es sei populistisch, wirft Frey Klonovsky vor, wenn der den Bundespräsidenten in einer Aschermittwochsrede "eine Marionette des bestehenden Systems" nenne. Wieder reagiert der Saal mit höhnischem Gelächter, jemand ruft: "Was denn sonst?" Auch diesem Demokratieverständnis widerspricht von Seiten der AfD niemand.

Weit über das Ziel hinaus?

Moderator Kelle hält dagegen, der Bundespräsident habe das Konzert einer Band empfohlen, in dem zu Gewalt und Extremismus aufgerufen werde. Dass die Kritik am Bundespräsidenten weit über das Ziel hinausschieße und sich, so Frey, an einer "politischen Institution versündige", findet Klonovsky nicht. Das sei eine Aschermittwochsrede gewesen, er hätte den Präsidenten ja auch "Schädling" nennen können.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

So wie das ZDF Verfassungsschutzpräsident Maaßen. Dass dieses Zitat nicht aus dem Informationsprogramm des ZDF stammt, sondern aus der Satiresendung heuteshow, sagt Klonovsky nicht. Auch nicht, dass die Sendung sich entschuldigte und den entsprechenden Tweet löschte.

Am Ende wird Bilanz gezogen. Fest stellt fest: Man sei sich einig, dass man nicht einig sei. Peter Frey betont, er bereue es nicht, gekommen zu sein. Vieles gebe ihm Grund, darüber nachzudenken. Das hoffe er allerdings auch für die Zuhörer im Saal. Trocken ergänzt Frey: "Wir haben uns nicht gekloppt, und insofern bin ich ganz zufrieden." Dem ist, auch aus Sicht des – befangenen – Autors,  nichts hinzuzufügen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.