Sie sind hier:

Leben in Cottbus - Vier Wochen mittendrin in der Stadt

Datum:

Vier Wochen lang sind wir in Cottbus, wollen erspüren, was die Menschen bewegt, mit ihnen sprechen und vor Ort Beiträge produzieren. Wir leben in Cottbus.

Stadtansicht der Altstadt von Cottbus am 24.1.2018
Die Altstadt von Cottbus.
Quelle: reuters

Energie Cottbus steigt in die 3. Liga auf! Über 20.000 Menschen sind im Stadion dabei und feiern. Die ganze Lausitz atmet auf. "Wir haben nicht viel im Osten, aber Energie Cottbus!", ruft uns Frank zu, einer der vielen Fans. Energie Cottbus hat die Stadt mal mit gutem Fußball bundesweit bekannt gemacht. Dann kam der Absturz in die Regionalliga. Jetzt blüht wieder neue Hoffnung auf bei den Energie-Fans und in der ganzen Region.

Energie-Aufstieg und Ku-Klux-Klan-Masken

Doch dann das: Unbekannte halten auf dem Altmarkt, mitten im Herzen der Stadt, ein Banner mit der Aufschrift "Aufstieg des Bösen" hoch. Darauf auch ein Kreuz im Stil des rassistischen Ku-Klux-Klan. Die Unbekannten tragen zudem die typischen weißen Masken der rechtsradikalen Organisation. Die Fans, mit denen wir sprechen sind sauer, wollen mit den rechten Umtrieben nichts zu tun haben. "Das brauchen wir hier nicht!", sagen sie.

Es wird gegen Unbekannt ermittelt. Außerdem bearbeitet die Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen die Polizeiführerin des Einsatzes. Der Vorwurf lautet auf Strafvereitlung im Amt, denn die Polizei war zwar vor Ort, hatte aber nichts gegen die rechte Aktion unternommen.

Die Cottbusser sind sauer: "Jetzt wird wieder nur jeder dieses Bild im Kopf haben und nicht, dass Energie Cottbus aufgestiegen ist." Stefan Scharfenberg, Pressesprecher von Energie Cottbus sagt: "Wir haben die Leute nicht gerufen, die gehören nicht zu uns. Wir treten auf gegen Rassismus, gegen Fremdenfeindlichkeit. Und trotzdem wird auf uns mit Fingern gezeigt."

Eine Stadt kämpft um ihren Ruf

Egal wo wir sind, zuerst begegnen die Cottbusser uns mit Misstrauen. Und fragen: Worüber wollt ihr berichten? Sie sagen immer wieder: Die Medien haben nur Negatives über unsere Stadt geschrieben. Das weltweite Medienecho über gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen Anfang des Jahres und die Demonstrationen des fremdenfeindlichen Vereins Zukunft Heimat finden viele übertrieben. Der Verein kommt aus einem kleinen Ort im Spreewald und nutzt Cottbus als Plattform. Vor allem Anfang des Jahres hat er es geschafft, immer wieder mehrere Tausend Anhänger auf die Cottbusser Straßen zu bringen.

Ein Foto von Vermummten mit Ku-Klux-Clan-Kapuzen, die den Aufstieg von Energie Cottbus feiern, droht alle Bemühungen um ein besseres Image der Stadt zu zerstören.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Am guten Image hängen Arbeitsplätze und das brauchen sie in der Lausitz dringend. Einst schlug hier das Herz der Energieerzeugung. Das Dröhnen der riesigen Braunkohlebagger und das Rattern der Kohlezüge gab den Takt der Region vor. Hier baute die DDR Plattenbauviertel für die Arbeiter in den Kohlegruben und Kraftwerken. Doch die Branche stirbt einen schleichenden Tod und damit werden gut bezahlte Industriejobs immer weniger.

Auf der Suche nach einem Job, von dem man leben kann

Und irgendwann werden sie ganz verschwinden, wissen die Cottbusser. Doch was kommt dann? Ein Konzept für die Lausitz fehlt. Cottbus wird aber den Ostsee bekommen. Einen riesigen See, der voraussichtlich bis 2025 ein Tagebauloch füllen wird, direkt bis an die Stadtgrenze heran. Tourismus als Alternative? Viele befürchten, das reicht nicht, denn Tourismus heißt Saisonarbeit und viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Die Industriejobs würden sie nicht ersetzen können.

Cottbus - Zahlen und Fakten

Elisa Göricke packt ihre Sachen. Die 29-Jährige will nach Görlitz gehen und eine zweite Ausbildung machen, zur Ergotherapeutin. Sie will endlich einen Beruf zu finden, von dem sie auch leben kann. Dabei hat sie schon längst ausgelernt: als Verkäuferin. Doch Festverträge oder Vollzeitjobs bekam sie in Cottbus nicht, weder beim Bäcker noch in der Zoohandlung. Der Baumarkt ließ den Vertrag auslaufen, als sie krank wurde. Für weniger als 800 Euro netto ging sie arbeiten. Sie sagt: "Irgendwann hat man dann so gemerkt, Hartz IV, jetzt muss ich wieder aufstocken und zum Arbeitsamt, damit ich überhaupt über die Runden komme. Aber ich gehe den ganzen Tag arbeiten, das war sehr deprimierend. Nach einer Weile überlegt man, wieso gehe ich noch arbeiten. Sinnlos."

Doch sie will auf jeden Fall arbeiten und deshalb geht sie schweren Herzens weg aus ihrem Cottbus, weil es hier momentan keine Zukunft für sie gibt. Wie viele Cottbusser hofft sie, dass das mal anders wird. 

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.