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ZDF in Kaiserslautern - "Forschungsprojekt": 5G in der Westpfalz

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Seit Oktober ist Kaiserslautern 5G-Modellregion. Mit Blick auf den Mobilfunkstandard gilt Hans Schotten als einer der deutschlandweit führenden Köpfe. Der Experte im Interview.

Ein Funkmast mit Modulen für die neue Mobilfunkgeneration 5G steht auf einem Feld
Der neue Mobilfunkstandard 5G wird zunächst in sechs Modellregionen erprobt.
Quelle: DPA

ZDF: Die Technische Universität Kaiserslautern erhält in den kommenden drei Jahren rund zwölf Millionen Euro vom Bund, um am 5G-Mobilfunkstandard zu forschen. Sie leiten den Fachbereich für Funkkommunikation und Navigation. Warum Kaiserslautern?

Hans Schotten: Wir arbeiten seit 2012/13 an 5G. In dieser Zeit wurde die Idee entwickelt, dass 5G nicht nur eine neue Mobilfunkgeneration, sondern auch die mobile Infrastruktur für die Industrie werden soll. Wir haben hier in Kaiserslautern insbesondere die Nutzung von 5G für  Landwirtschaft und  Industrieproduktion mit vorangetrieben. Daher ist es nur natürlich, auf dieser Erfahrung aufzubauen und uns die Möglichkeit zu geben, das Thema voranzutreiben.

ZDF: Kaiserslautern ist eine von sechs 5G-Modellregionen deutschlandweit. Was muss man sich unter dem Begriff "Modellregion" vorstellen?

In erster Linie ist die 5G-Modellregion ein großes Forschungsprojekt.
Professor Hans Schotten, Experte für Funk-Kommunikation

Schotten: In erster Linie ist die 5G-Modellregion ein großes Forschungsprojekt. Wir entwickeln unter anderem ein portables 5G-System, das auf einem LKW montiert ist. Damit können wir zu Firmen fahren, die 5G-Anwendungen vor Ort ausprobieren wollen. Wir werden diese auch bei besonderen Ereignissen testen können: Großveranstaltungen, Großschadenslagen oder Erntekampagnen. In diesem Sinn wird die "Modellregion" auch tatsächlich einen regionalen Charakter haben.

ZDF: Was hat die Stadt und was haben die Menschen davon?

Schotten: Stadt und Bevölkerung werden 5G erleben können. Wir werden einen Dialog mit der Bevölkerung führen, weil die Akzeptanz von bestimmten Technologien eine ganz große Rolle spielt. Es wird ein 5G-Kompetenzzentrum aufgebaut werden, das Arbeitsplätze sichern und neue Arbeitsplätze schaffen wird.

Karte mit der Stadt Kaiserslautern im Bundesland Rheinland-Pfalz
Karte mit der Stadt Kaiserslautern im Bundesland Rheinland-Pfalz
Quelle: ZDF

ZDF:  5G ist also ein Thema, das alle angeht?

Man muss 5G als Synonym für eine neue Form von Vernetzung sehen.
Prof. Hans Schotten, Leiter des Lehrstuhls Funk-Kommunikation

Schotten: Ja, 5G eröffnet viele Möglichkeiten – einige kennen wir jetzt wahrscheinlich noch gar nicht -  und so gibt es Interesse aus verschiedensten Bereichen. Vor dem Hintergrund der Kompetenz, die es inzwischen um die TU Kaiserslautern und die Forschungsinstitute gibt, ist das offensichtlich ein Ort, an dem viele Ideen entwickelt und ausprobiert werden können. Wo man sich engagiert, Forschungsprojekte und -standorte ansiedelt. Auch die 5G-Infrastruktur wird in Kaiserslautern entsprechend früher verfügbar sein.

ZDF: Wenn es zurzeit um Fortschritt und Technik geht, fällt immer wieder der Begriff 5G. Ist dieser Hype gerechtfertigt?

Schotten: Man muss 5G als Synonym für eine neue Form von Vernetzung sehen. Wenn von 5G gesprochen wird, ist oft die mobile Infrastruktur für Digitalisierung gemeint. In diesem Sinne ist das Interesse sicher gerechtfertigt.  Wir sehen zurzeit einen starken transformativen Prozess, in dem wir vernetzte Anwendungen überall benutzen können, vernetzte Fahrzeuge und vielleicht auch Drohnen bald Alltag werden, der Werker in der Fabrikhalle von mobilen Robotern unterstützt wird und in der Landwirtschaft vernetzte Traktoren autonom arbeiten, die vom Landwirt aus einem Kontrollzentrum nur noch überwacht werden. All das sind 5G-Anwendungen, die Alltag und Arbeit verändern werden, und von daher ist die Bedeutung gerechtfertigt, die dem Symbolbegriff 5G zugerechnet wird.

Christoph Timm  und Bobby Cherian
Das ZDF-Team in Kaiserlautern: Christoph Timm und Bobby Cherian.
Quelle: ZDF/Christoph Timm

ZDF: Kaiserslautern ist eine Stadt mit vielen Baustellen. Der Strukturwandel ist zwar in einigen Teilen vollzogen, auf der anderen Seite aber gibt es riesige brach liegende Fabrikanlagen – die Hinterlassenschaften des Industriezeitalters. Zudem ist die Stadt hoch verschuldet. Spielt 5G in diesen Alltagsfragen eine Rolle?

Schotten: Ich denke, dass die 5G-Modellregion mit Blick auf die momentane Situation von Kaiserslautern sehr hilfreich ist. Die Stadt ist schon heute ein erfolgreicher Technologiestandort. Ein klares Zeichen, dass der Transformationsprozess schon weit fortgeschritten ist. Das wirkt sich aus auf Arbeitsplätze, auf die Attraktivität, die Anziehungskraft und die Sichtbarkeit von Kaiserslautern. Zudem ist das Interesse der Kaiserslauterer für das Thema Digitalisierung sehr groß. Diese Begeisterungsfähigkeit hilft sicher auch, die Probleme, die es in anderen Bereichen noch geben könnte, zu bewältigen.

Das Interview führte Bobby Cherian.

Altenburg, Thüringen

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