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Projekt "ZDF in ..." Mannheim - "Fleißig sein und arbeiten, das ist wichtig"

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Ein Reporter, ein Kameramann, vier Wochen: Ein ZDF-Team ist zurzeit in Mannheim. Ziel ist, mit den Menschen ins Gespräch kommen. Wie klappt es beispielsweise mit der Integration?

Ein Industriegebiet im Süden von Mannheim. In einem von außen unscheinbaren Flachdachhaus arbeitet Erol Uysal. Ein großer Raum, auf dem Boden stehen unzählige Jutesäcke mit Kaffeebohnen aus Peru, Brasilien, Tansania und vielen anderen Ländern. Erol Uysal, Ende 50, ist gerade beim Kaffeerösten. Seit 2008 verkauft er seinen eigenen Kaffee. Anfangs waren es 500 Kilo jährlich, inzwischen sind es bis zu 30 Tonnen. 40 verschiedene Sorten hat er im Sortiment.

"Klar, ich bin Mannheimer"

Erol Uysal ist in der Türkei geboren, lebt seit 1971 in Mannheim. "Klar, ich bin Mannheimer", sagt er inzwischen ganz selbstverständlich. Sein Vater war schon vor ihm in Deutschland, hat ihn dann nachgeholt. "Wir haben gleich ein Restaurant aufgemacht, dadurch bin ich schnell in Kontakt gekommen mit den Menschen hier. Ich ging zur Schule und habe nebenher im Lokal geholfen. Für mich war es einfach, hier anzukommen."

Erol Uysal
Erol Uysal, in der Türkei geboren, lebt seit 1971 in Mannheim.
Quelle: ZDF

Das mit der Sprache sei anfangs zwar kompliziert gewesen, erzählt Erol Uysal schmunzelnd. Aber seine Klassenkameraden hätten ihn trotzdem gleich angenommen. Überhaupt seien ihm damals fast alle Mannheimer positiv begegnet. Und er ihnen. Und heute?

Da sieht er die Haltung mancher seiner jungen Landsleute, also der Enkel-Generation der ehemaligen Gastarbeiter, eher kritisch: "Viele von denen bleiben lieber unter sich." Doch trotz dieses Befundes von Erol Uysal: Fast alle Mannheimer, mit denen wir in der Stadt sprechen, sagen: Die Integration von Zuwanderern klappt hier in aller Regel gut, auch wenn es in den letzten Jahren vereinzelt Probleme gibt - auch mit manchen Zuwanderern aus Osteuropa.

"Hier wird eine beispielhafte Arbeit geleistet"

Dass Integration und Zusammenleben in Mannheim gut funktionieren, findet auch Talat Kamran. 1978 ist er aus der Türkei nach Deutschland gekommen, leitet mittlerweile das Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog.

Ein Verein, der die Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen in der Stadt zusammenbringen will: "Es ist wirklich eine beispielhafte Arbeit, die hier geleistet wird", sagt er, "von der Stadt Mannheim, von unterschiedlichen Einrichtungen, aber auch von den Menschen, die hier zusammenleben. Wir Migranten, die später gekommen sind, fühlen uns hier zu Hause, weil die Leute hier offen sind. Und wir werden hier als Migranten auch angehört - in vielen Bereichen des städtischen Lebens."

Giuseppe Rindone
Giuseppe Rindone kam mit 17 aus Italien nach Mannheim.
Quelle: ZDF

Giuseppe Rindone hat noch eine andere Erklärung, warum er sich in Deutschland von Anfang an gut angenommen fühlte. Und Mannheim mittlerweile als sein Zuhause bezeichnet. Mit 17 er ist er aus Italien weggegangen, nächstes Jahr wird er 70. Der gebürtige Sizilianer steht vor dem Adria, Café und Pizzeria zugleich. 1975 hat er die Gaststätte eröffnet.

Die Arbeit sei der Schlüssel dafür gewesen, dass er hier so gut angekommen sei, ist Giuseppe Rindone überzeugt. Und auch dafür, dass er - nachdem er die ersten Jahre als Gerüstbauer und Maler geschuftet hat - mittlerweile ein Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern führt: "Man muss morgens aufstehen, sonst ist man verloren. Fleißig sein und arbeiten, das ist wichtig", sagt er voller Überzeugung.

"Die Organisation ist hier besser als überall anders auf der Welt"


Auch mit fast 70 ist er noch 12 bis 13 Stunden am Tag im Restaurant, organisiert das Geschäft, packt überall mit an. Er schätze an Deutschland, dass hier alles viel besser funktioniere als in seiner Heimat Italien, erzählt er: "Die Funktion, die Organisation, das ist hier besser als überall anders auf der Welt. Klar gibt es auch Probleme, aber hier werden die angepackt und gelöst."

Das gefällt ihm. Auch deshalb ist er bis heute hier geblieben. Gibt es durch die aktuelle Diskussion über Flüchtlinge inzwischen eine andere Stimmung in der Stadt gegenüber Zuwanderern als früher? Er selbst merke davon nichts, meint er.

Sein Sohn Giovanni kommt dazu. Er ist in Deutschland geboren, hier aufgewachsen, hat aber einen italienischen Pass: "Die Stimmung in Deutschland hat sich schon geändert", findet er. "Man liest und hört viel von der Zuwanderungsdebatte, aber ich habe hier in Mannheim keine Probleme. Ich muss mich hier eben, genau wie jeder Deutsche, an die Regeln halten." Sicher auch ein wichtiger Punkt, damit Zusammenleben gelingen kann.

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