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Bürgerprojekt "ZDF in ..." - Junge Braunkohle-Arbeiter sorgen sich um Zukunft

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Bis 2038 soll Schluss sein mit der Braunkohle, das trifft vor allem jüngere Arbeiter. Ein ZDF-Team besucht vier Wochen lang Weißwasser - und hat sich im Lausitzer Revier umgehört.

Wie trifft der Braunkohleausstieg die Region? Wie gehen die Lausitzer mit Bevölkerungsschwund und Überalterung um?

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Noch dampft es kräftig aus den mächtigen Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Boxberg. 15 Kilometer südlich von Weißwasser wird hier aus Kohle Strom. Mit dafür verantwortlich ist Martin Schautschick. Der 32-Jährige hat schon seine Ausbildung im Kraftwerk gemacht. "In so einem Großkraftwerk wie hier haben wir so eine technologische Vielfalt", schwärmt der Elektroniker.

Trübe Aussichten im dichten Wasserdampf

Interview mit Martin Schautschick (l.)
Martin Schautschick (links) im Interview.
Quelle: ZDF

Regelmäßig überprüft der junge Mann im blauen Overall, dass die Maschinen hier rund laufen. So auch Turbinen und Generatoren, in denen der Wasserdampf aus der Kohleverbrennung ankommt. "Der Dampf treibt diese 50 Meter lange Welle an, wo am Schluss ein Generator ist, also ein großer Dynamo, der sich mit 3.000 Umdrehungen in der Minute dreht." 18 Milliarden Kilowattstunden produziert das Kraftwerk im Jahr - Strom für bis zu fünf Millionen Haushalte. Doch die Aussichten für die Kraftwerker trüben sich zunehmend ein. Bis 2038 sollen alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.

"Wir haben kein Verständnis dafür, es ist schwer greifbar", sagt Schautschick. Weil man sich ja jetzt nach langem Hin und Her darauf geeinigt habe, ein festes Datum zu setzen, wann Schluss sein soll mit der Braunkohleverstromung - "ohne auch uns jungen Menschen mal eine Alternative zu zeigen, wie wir unseren Energiebedarf decken wollen, was die Alternativen sind".

Ganze Region hängt an der Kohle

Die Unsicherheit im Lausitzer Kohlerevier ist groß. Rund 20.000 Jobs hängen hier direkt und indirekt an der Kohle. Vor allem die jungen Menschen wird der Ausstieg betreffen: Von den 8.000 Mitarbeitern des Energieunternehmens sind mehr als 600 Azubis.

"Hier hängt ja die ganze Region dran", sagt Martin Schautschick. "Die Kindergärten leben davon, die Vereine. Die Menschen brauchen Lohn und Arbeit. Der Anker hier ist noch die Kohle und wenn das wegfällt, dann in Richtung Jobs, die genauso wertvoll sind und in die Region was bringen. Aber ohne sowas wird's ganz schwer und ganz dunkel werden."

Viele Jüngere ziehen weg

Im Unternehmen engagiert sich der 32-Jährige als Betriebsrat, in Weißwasser für die CDU. Seit drei Jahren lebt Schautschick mit seiner Freundin und der kleinen Tochter im Eigenheim. Grüne Idylle mitten im Kohlerevier. Für einen neuen Job wegzuziehen, kommt für die junge Familie auf absehbare Zeit nicht in Frage. Anders bei vielen anderen.

"Man merkt es an den jungen Leuten", sagt der 32-jährige Familienvater. "Die Bereitschaft, die Region zu verlassen, ist wieder deutlich größer geworden. Obwohl es jetzt eigentlich eine gute Zeit ist, um Jobs hier zu bekommen aufgrund der Altersstruktur. Und viele sagen, ich suche gleich mein Glück in der Weite. Das ist eigentlich schade." Bis zum Mai will die Bundesregierung einen konkreten Fahrplan zum Strukturwandel vorlegen. Vor allem für die Jüngeren im Kohlerevier dringend nötig.

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