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"ZDF in ..." Wilhelmshaven - Vom Pleitehafen zu dicken Pötten

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Der Start des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven war fast ein Desaster. Inzwischen gilt der Containerhafen als Hoffnungsträger für die Wirtschaft. Doch er könnte weit besser dastehen.

Alleinstellungsmerkmal in Deutschland: Die Stadt Wilhelmshaven setzt große Hoffnungen auf ihren Tiefseehafen. Er verheißt Jobs und zugleich einen Schub für den Klimaschutz.

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Es wird kurz dunkel über uns: "Der Lastbrückenfahrer hat etwa 30 Tonnen am Haken", erklärt Hagen Leusin, Containerbrückenfahrer am Terminal in Wilhelmshaven. Über unseren Köpfen schaukelt ein 40-Fuß-Container. Behutsam hat ihn der Kranführer von Schiff "Vayenga" heruntergehoben. Zwei Minuten später steht der Behälter im JadeWeserPort auf dem Boden.

"Das sind Superlative, mit denen wir hier arbeiten"

ZDF-Reporterin Elisabeth Schmidt und Hagen Leusin
ZDF-Reporterin Elisabeth Schmidt und Containerbrückenfahrer Hagen Leusin.
Quelle: ZDF

Für Leusin ist der Containerhafen ein Segen für die eher strukturschwache Region - schließlich schafft der Port Arbeitsplätze. Von seinem Job ist der Kranführer begeistert: "Das sind halt Superlative, mit denen wir hier arbeiten. Es hat mich schon umgeworfen", sagt er. 1.074 Container bewegen er und seine Kollegen heute von und auf die "Vayenga". Heute ist der JadeWeserPort der einzige Hafen in Deutschland, der in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen ist.

Der Start 2012, mitten in der Wirtschaftskrise, war alles andere als rosig. Im zweiten Betriebsjahr ging der Container-Umschlag sogar wieder zurück, auf 76.138 TEU (das sind 20-Fuß-Standardcontainer). In den vergangenen drei Jahren ging es bergauf. Das Wachstum war zweistellig, 2018 wurden erstmals 655.790 TEU umgeschlagen, ein Plus von 18,3 Prozent.

Keine gesamtdeutsche Strategie für Seehäfen

Containerbrücken
Containerbrücken
Quelle: ZDF

Das Wachstum ist einzigartig, die Containeranzahl im europäischen Vergleich allerdings immer noch mau: Rotterdam liegt bei 14,51 Mio. TEU, Antwerpen bei 11,1 Mio. und Hamburg bei 8,73 Mio. "Da haben wir als Deutschland eine Aufgabe und wir müssen an einem Strang ziehen", sagt Mikkel Andersen, Geschäftsführer von Eurogate in Wilhelmshaven, Betreiberfirma des Container-Terminals. Die Schiffe würden immer größer, die Allianzen der Reedereien größer und auch komplizierter.

Was Andersen vermisst, ist eine gesamtdeutsche Strategie für die Seehäfen. Bislang kämpfe jedes Bundesland für seinen Standort. "Wir müssen unsere Infrastruktur ausbauen, wir müssen in Digitalisierung investieren. Sich nur über eine Elbvertiefung [für den Hamburger Hafen, Anm. d. Red.] zu unterhalten oder uns gegenseitig Konkurrenz zu machen – das bringt uns nicht nach vorne", kritisiert Andersen.

Hafen schreibt weiter rote Zahlen

Bis heute schreibt das Containerterminal rote Zahlen. Eine Folge des holprigen Starts: Bislang stehen erst acht von 16 geplanten Containerbrücken zum Löschen der Ladung. Eurogate hat die ursprünglichen Verträge neu ausgehandelt und will bedarfsgerecht ausbauen. Nämlich erst dann, wenn deutlich mehr als eine Million Container in Wilhelmshaven umgeschlagen werden.

Ein paar Meter weiter, hinter den Containerreihen, stehen die Lager- und Vertriebshallen der Kunden, die sich auf dem JadeWeserPort angesiedelt haben: Ein 60.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum für frische und gefrorene Güter, Frühkartoffeln oder Spare Ribs. Nachbar gegenüber ist ein Online-Vertrieb für Gartenmöbel.

Jetzt hat sich ein weiterer Großkunde niedergelassen: Ein Subunternehmer von Volkswagen wird auf 40.000 Quadratmetern Autoteile der Marken VW, Audi und VW-Nutzfahrzeuge verpacken. Sie sollen nach Asien, hauptsächlich China, verschifft werden. Mit einem weiteren Großkunden, einem chinesischen Staatsunternehmen sowie verschiedenen Startups laufen Verhandlungen.

Zwei bis vier dicke Pötte pro Woche

Andreas Bullwinkel, Geschäftsführer der zweiten Betreibergesellschaft, der JadeWeserPort Marketing GmbH, zeigt auf das neue Volkswagen-Logistikzentrum mit Stolz. "Das war ein absoluter Meilenstein für uns, natürlich ein großes Ausrufezeichen für den Standort", schwärmt er. 500 Arbeitsplätze sollen hier bis Ende des Jahres entstehen - für eine Stadt wie Wilhelmshaven mit einer Arbeitslosenquote von 10,3 Prozent - doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt - ein wahrer Segen. "Wenn die volle Auslastung erreicht ist, dann sollen hier 12.500 40-Fuß-Container jährlich mehr umgeschlagen werden. Das bietet dann Chancen für unsere Betreibergesellschaft Eurogate", rechnet Bullwinkel vor.

VW-Verpackungszentrum
VW-Verpackungszentrum
Quelle: ZDF

Es tut sich etwas, auf und rund um den einstigen Pleitehafen JadeWeserPort. Zwei bis vier "dicke Pötte", wie die Riesencontainerschiffe hier genannt werden, kommen pro Woche an. "Meiner Meinung nach ist das ein großer Wurf für die Region", erklärt Containerbrückenfahrer Hagen Leusin. Bis das Terminal weiter ausgebaut wird, müsse man halt weiter auf Schiffe warten. Geduld sind sie hier an Deutschlands einzigem Tiefseewasserhafen gewohnt.

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