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Jubiläum des ZDF-Klassikers - "Aktenzeichen XY... ungelöst" wird 50

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Am 20. Oktober 1967 begrüßte Eduard Zimmermann, der Moderator und Erfinder "Aktenzeichen XY... ungelöst", die Fernsehzuschauer im ZDF. Es war die Geburtsstunde des Reality-TV in Deutschland, auch wenn diesen Begriff noch niemand kannte, geschweige denn gebrauchte.

Fast 4600 Fälle wurden seit der Premiere am 20. Oktober 1967 in „Aktenzeichen XY“ vorgestellt. Mit einer Aufklärungsquote von 40 Prozent hat die Kultsendung maßgeblich – auch internationale – Ermittlungsbehörden unterstützt.

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"Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einsetzen, das, meine und Herren, ist der Sinn unserer neuen Sendereihe "Aktenzeichen XY... ungelöst", begrüßte Eduard Zimmermann die ZDF-Zuschauer. Das Medium Fernsehen - genau wie das Sujet der Sendung - war dem Journalisten Zimmermann nicht neu. Drei Jahre vorher ging er schon mit "Vorsicht, Falle" im Zweiten auf Sendung. Dass er jedoch mit seiner Fahndungssendung einen derart großen und bis heute anhaltenden Erfolg haben würde, hätte er damals wohl selbst nicht für möglich gehalten.

Über 4.500 Fälle präsentiert

Zum Jubiläum der 100. Sendung danach gefragt, ob es noch weitere 100 geben würde, konnte er sich das nicht vorstellen. Mittlerweile sind es weit über 500. Nach der 300. Ausgabe verließ Eduard Zimmermann 1997 die Sendung und übergab die Moderation für vier Jahre an seine Tochter Sabine und den Rechtsanwalt Butz Peters. Seit 2002 steht Rudi Cerne vor der Kamera. Über 4.500 Fälle wurden seitdem präsentiert, einige tausend Ermittler waren zu Gast und konnten im Studio die wichtigsten Details zur Fahndung zeigen. Daran hat sich in 50 Jahren nichts verändert, auch wenn neue Kriminaltechniken hinzukamen wie die DNA-Analyse, die 3D-Gesichtsrekonstruktion oder Big-Data-Analysen und Bewegungsprofile.

"Aktenzeichen XY… ungelöst" wurde schnell zum Straßenfeger mit einem enorm hohen Zuschauerzuspruch. 18 Millionen waren es zeitweise - zugegeben in einer Ära mit nur drei Fernsehprogrammen. Schon ein Jahr nach der Gründung wurde "XY" zur Eurovisionsendung, als die Schweiz und Österreich dazukamen.

Die Mischung aus aktueller Kriminalitätsberichterstattung, der öffentlichen Live-Fahndung und wohl auch dem wohligen Grusel, den das Format noch immer bei vielen seiner Fans erzeugt, war ein Garant für hohe Einschaltquoten. Und ist es immer noch: mit 5 Millionen Zuschauern ist "Aktenzeichen XY... ungelöst" regelmäßig Marktführer am Mittwochabend.

Kulturkampf um "XY"

Doch lange Zeit war die Sendung in der deutschen Öffentlichkeit hoch umstritten: In den 70er und frühen 80er Jahren galt Aktenzeichen wahlweise als "Grusical" (Heinrich Böll), Menschenjagd oder Förderer des Denunziantentums, zumindest für den größten Teil der linken und liberalen Intellektuellen.

"XY" war Teil einer gesellschaftlichen Debatte, in der sich die westdeutsche Öffentlichkeit ihrer selbst versicherte - und ihres Verhältnisses zu staatlicher Obrigkeit und Polizei. Der Hauptvorwurf der Kritiker: Die öffentliche Fahndung nehme den Tätern und Tatverdächtigen einen Teil des Persönlichkeitsrechts und erschwere die Resozialisierung. Diese Auseinandersetzung nahm Eduard Zimmermann an und beharrte darauf, dass, bevor man einen Täter resozialisieren könne, man ihn erstmal finden und einem Gericht zuführen müsse.

In der DDR als opportun angesehen

Mit der Zeit wurden die Debatten seltener, der Austausch höflicher und heute sind sie vorbei - wohl auch eine Folge des gestiegenen Sicherheitsbedürfnisses der Bevölkerung. In der DDR hingegen galt "Aktenzeichen XY... ungelöst" als eine der wenigen "West-Sendungen", deren Konsum opportun war. Schließlich zeigte sie - in der Wahrnehmung der DDR-Staatsführung - jedes Mal aufs Neue, wie hoch die Kriminalitätsrate im kapitalistischen Westen war. Ganz im Gegensatz zu den Verbrechensstatistiken der DDR, die von Ost-Berlin offiziell verlautbart wurden.

Auf 15 Ausgaben bringt es der Fernsehklassiker in seinem Jubiläumsjahr. Zu den zwölf im Monatsrhythmus ausgestrahlten Regelausgaben, deren Formatkern sich in 50 Jahren nicht geändert hat, kommen mittlerweile verschiedene Sondersendungen: seit 2011 "Wo ist mein Kind?" über die Suche nach vermissten Kindern und jungen Erwachsenen, seit 2015 das Spezial "Vorsicht, Betrug!", in dem der Präventionsgedanke Vorrang hat, und in diesem Jahr zum ersten Mal "Aktenzeichen XY... gelöst".

In dieser Sondersendung präsentiert Rudi Cerne am 15. November drei spektakuläre Mordfälle, die nicht zuletzt mit der öffentlichen Fahndung in Aktenzeichen gelöst werden konnten. Insgesamt liegt die Aufklärungsquote über die 50 Jahre hinweg bei gut 40 Prozent. In den 60er Jahren kam es sogar vor, dass alle präsentierten Fälle einer Sendung aufgeklärt werden konnten. Bedenkt man, dass ein Viertel der gesamten Bevölkerung zuschaute, scheint das aber auch kein Wunder.

Wichtig für Polizeiarbeit

Heute hingegen macht die organisierte und die Banden-Kriminalität den Ermittlungsbehörden einen schnellen Erfolg fast unmöglich. Dennoch bleibt die Sendung ein wichtiger Bestandteil für die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft, wie BKA-Präsident Holger Münch bestätigt: "Trotz einer sich verändernden Medien- und Kommunikationslandschaft beweist dieses Fernsehformat nach wie vor seine Reichweite und seine Wirksamkeit zum Beispiel durch die hohe Anzahl eingehender Hinweise - sogar zu teilweise Jahrzehnte zurück liegenden Taten. Die Sendung "Aktenzeichen XY… ungelöst" ist daher fester Bestandteil der Öffentlichkeitsfahndung der deutschen Polizei."

Und da die kriminelle Energie der Menschen wohl auch in Zukunft vorhanden sein wird, wird es "Aktenzeichen XY... ungelöst" an immer neuen Fällen auch nicht fehlen.

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