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Wibke Bruhns ist tot - Eine Pionierin des neuen Journalismus

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Journalismus war für sie der schönste Beruf der Welt, einen Namen machte sich Wibke Bruhns als erste Nachrichtensprecherin, Journalistin und Autorin. Nun ist sie gestorben.

Wibke Bruhns, Nachrichtensprecherin 1971
Wibke Bruhns wurde 1971 zur ersten Nachrichtensprecherin der Bundesrepublik.
Quelle: ZDF

Wibke Bruhns präsentierte am 12. Mai 1971 im ZDF als erste Frau die Spätausgabe der heute-Nachrichten. Die gebürtige Halberstädterin eroberte damit eine Männerbastion im bundesdeutschen Nachrichtenwesen. Sie wurde berühmt und schrieb Fernsehgeschichte. Doch Wibke Bruhns war viel mehr. Eine erfolgreiche Autorin, eine genaue Beobachterin und welterfahrene Korrespondentin. Sie galt als ein Vorbild für eine ganze Generation.

Ich bin Journalistin. Keine Sprechpuppe.
Wibke Bruhns

Aufgewachsen in einer angesehenen Halberstädter Familie musste Wibke Bruhns als Kind miterleben, wie ihr Vater Hans-Georg Klamroth als Mitwisser des Attentats vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurde. Sechzig Jahre später verarbeitete sie diese Familiengeschichte 2004 in "Meines Vaters Land". Das Buch wurde zu einem Bestseller. Es ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Vätergeneration. Die Biografie wurde in 19 Sprachen übersetzt.

Junge Bruhns wollte als Journalistin wahrgenommen werden

Wibke Bruhns
Wibke Bruhns als Kind.
Quelle: zdf

Mit ihren fünf Kindern hatte Witwe Klamroth nach der Tötung ihres Mannes Halberstadt verlassen, wagte nach dem Krieg den Neuanfang im Westen. Die jüngste Tochter Wibke Bruhns wollte unbedingt Journalistin werden, volontierte bei der "Bild"-Zeitung. 1962 wurde sie Reporterin beim ZDF in Hamburg. 1971 dann eine kleine Sensation: Sie ging als erste heute-Nachrichtensprecherin auf Sendung. Nach 380 Sendungen war Schluss. "Ich weigere mich zu akzeptieren: Männer machen Nachrichten über Katastrophen, Frauen weinen darüber", erklärte sie. Sie will nicht nur Texte vorlesen, sie will selbst Journalismus machen. Originalton Bruhns von damals: "Ich bin Journalistin. Keine Sprechpuppe."

Das Fernsehen hat sie berühmt gemacht. Für sie war es jedoch nur eine Episode. Ihre Maxime: "Alles in Frage stellen. Neu erfinden und denken." Sie berichtete über die Bonner Politik, wurde Korrespondentin für den "Stern" in Israel und in den USA. Mit großer Sicherheit wandelte sie zwischen Themen und Medienwelten, kümmerte sich um brisante Stoffe. Auf die Frage, warum sie Journalistin geworden sei, antwortete sie: "Journalismus ist der schönste Beruf der Welt. Ich war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe auch in der richtigen Zeit gelebt."

Journalismus ist der schönste Beruf der Welt. Ich war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe auch in der richtigen Zeit gelebt.
Wibke Bruhns

Bruhns war präzise in ihrer Recherche. Ein kühler, pragmatischer Ton zeichnete ihre Arbeit aus - ob für Presse, Radio oder Fernsehen. Sie sei eine "gewichtige Stimme im deutschen Journalismus" urteilte der Berliner "Tagesspiegel". Die "Bunte" nannte sie "die Jeanne d'Arc der 68er". Für Frank Plasberg war sie "die Helmut Schmidt des deutschen Journalismus". Unsinn, meinte Wibke Bruhns, eine 68erin sei sie nie gewesen, und Helmut Schmidt schon gar nicht. Sie habe alles aus eigener Kraft geschafft. Den frühen Tod ihres Mannes verwand sie, zog ihre Kinder alleine groß, machte Karriere. "Sie hat eine wahnsinnige Energie", sagten ihre Töchter.

Angebliche Affäre mit Brandt haftete ihr an

Guter Journalismus bedeutete für die Grande Dame des Journalismus einen Dreiklang aus Mut, Engagement und Understatement. Ironie des Schicksals. Ein Leben lang verfolgte sie der Mythos von einer Affäre mit Willy Brandt. "Unsinn", empörte sich Wibke Bruhns. Zwei Prozesse gewann sie erfolgreich, es nutzte nichts. Die Legende hielt sich. Bis heute. "Auf meinem Grabstein wird wohl stehen: Hier ruht die erste Nachrichtenfrau Deutschlands und die Geliebte Willy Brandts", erklärte sie einmal mit einem Augenzwinkern. Am 20. Juni 2019 schlief Wibke Bruhns nach Angaben ihrer Familie im Alter von 80 Jahren friedlich ein.

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