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Sachbuch-Bestenliste für Januar 2020

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Leseempfehlungen - Sachbuch-Bestenliste für Januar 2020

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Eine Jury aus 30 Kritikern empfiehlt jeden Monat zehn herausragende Sachbücher: Sie machen unsere Zeit verständlicher und vertiefen Debatten - die Sachbuch-Bestenliste.

Sachbuch Bestenliste 2020
Sachbuch Bestenliste 2020

1 (2) Jens Bisky: Berlin

Rowohlt Berlin; 976 S., 38 Euro

Jens Bisky: Berlin. Biographie einer großen Stadt. Rowohlt Berlin; 976 S., 38,– €
Quelle: Rowohlt Berlin

Dem Journalisten Jens Bisky gelingt das Unmögliche: der meistbesprochenen Stadt in Deutschland neue Facetten abzuringen. Sein Berlin-Buch beginnt im 17. Jahrhundert, als die Stadt zu neuer Größe aufsteigt, sich mit Rom und Paris messen will. Bisky porträtiert eine Metropole der Widersprüche: Ort der Macht, der Teilung, der Repression und zugleich des Widerstands und des ewigen Experiments. 58 Punkte

2 (4) Reinhart Koselleck, Carl Schmitt: Der Briefwechsel: 1953–1983

Suhrkamp; 500 S., 42 Euro

Reinhart Koselleck, Carl Schmitt: Der Briefwechsel: 1953-1983. Suhrkamp; 500 S., 42,– €
Quelle: Suhrkamp

Drei Jahrzehnte lang schrieben sich der Staatsrechtler Carl Schmitt und der Historiker Reinhart Koselleck Briefe. So verschieden die beiden Intellektuellen auch waren: Sie verbanden philosophische Interessen und historische Fragen. Der Briefwechsel offenbart Schmitts randständige Stellung nach 1945, Kosellecks Uni-Karriere in der Bundesrepublik und beider Blick auf die politischen Entwicklungen ihrer Epoche. 52 Punkte

3 (–) Armin Zweite: Gerhard Richter. Leben und Werk. Das Denken ist beim Malen das Malen

Schirmer/Mosel, 480 S., 128 Euro

Armin Zweite: Gerhard Richter. Leben und Werk. Das Denken ist beim Malen das Malen. Schirmer/Mosel, 480 S., 128,– €

Das Buch des Kunsthistorikers Armin Zweites durchmisst das Werk des bedeutendsten lebenden deutschen Künstlers Gerhard Richter. Über sein Leben erfährt man wenig, über das Werk wiederum alles. Zweite legt in einer erkenntnistheoretischen Tiefe und zeitgeschichtlichen Finesse offen, was Richters europäisch geprägtes Schaffen für die globale Kunst bedeutet. Ein Buch, das im wahrsten Sinne die Augen öffnet. 46 Punkte

4 (1) Ivan Krastev, Stephen Holmes: Das Licht, das erlosch

A. d. Eng. v. Karin Schuler; Ullstein; 368 S., 26 Euro

Stephen Holmes, Ivan Krastev: Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung. A. d. Engl. v. Karin Schuler; Ullstein; 368 S., 26,– €
Quelle: Ullstein

Ivan Krastev und Stephen Holmes analysieren die Krise der Demokratie in Osteuropa: Früher ging es um Kapitalismus gegen Kommunismus, heute stehen sich Liberale und deren enttäuschte Nachahmer gegenüber. Die Osteuropäer lehnen den Liberalismus ab und preisen sich als wahre Europäer, die der Seelenlosigkeit des Westens echte Bindung und familiäre Werte entgegensetzen. Eine verblüffende Analyse. 41 Punkte

5 (4) Naomi Klein: Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann.

Hoffmann und Campe; 352 S., 24 Euro

Naomi Klein: Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann. A. d. Engl. v. G. Gockel, S. Schumacher, B. Steckhan; Hoffmann & Campe; 352 S., 24,-€
Quelle: Hoffmann & Campe

Die kanadische Aktivistin Naomi Klein fordert in ihrem aktuellen Buch stimmgewaltig eine politische Wende um 180 Grad. Nur ein "Green New Deal", der Umwelt- und Sozialpolitik gleichzeitig anspricht, kann den Planeten noch retten. Klein ist radikal und macht daraus keinen Hehl: Eine CO2-Steuer ist ihr nicht genug. Sie plädiert für Konsumverzicht, härtere Lohnsteuern und eine radikale linke Sozialpolitik. 31 Punkte

5 (–) Ulrich Pfisterer: Raffael: Glaube, Liebe, Ruhm

C.H. Beck, 384 S., 58 Euro

Ulrich Pfisterer: Raffael: Glaube, Liebe, Ruhm. C.H. Beck, 384 S., 58,– €

Die Kunstgeschichte sagt den Renaissance-Malern eine Obsession für das Göttliche nach. Der Kunsthistoriker Ulrich Pfisterer knüpft sich einen der größten Maler dieser Zunft vor, um das Klischee zu hinterfragen: das Multitalent Raffael. Pfisterer legt dar, dass sich Raffael nicht nur mit der christlichen Mythologie beschäftigte, sondern auch mit Architektur, Umwelt und ganz profan: dem Menschen an sich. 31 Punkte

7 (7) Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen

Suhrkamp; 305 S., 18 Euro

Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen: Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. Suhrkamp; 305 S., 18,– €
Quelle: Suhrkamp

Nach der wegweisenden Studie "Gesellschaft der Singularitäten" beschäftigt sich Andreas Reckwitz in seiner Essaysammlung mit dem Strukturwandel der Gesellschaft. Der Soziologe seziert die neue Klassengesellschaft, die postindustrielle Ökonomie, die Konflikte um Kultur und Identität und den Imperativ der Selbstverwirklichung, woraus Erschöpfung und Demokratiemüdigkeit entspringen. 27 Punkte

8 (–) Kristen Ghodsee: Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben.

A. d. Engl. v. U. Schäfer u. R. Barth; Suhrkamp, 277 S., 18 Euro

Kristen Ghodsee: Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben. A. d. Engl. v. U. Schäfer u. R. Barth; Suhrkamp, 277 S., 18,– €

War in Schlafzimmern sozialistischer Länder tatsächlich mehr los als in kapitalistischen Betten? Für die US-Ethnologin Kristen Ghodsee ist die Sache klar: Frauen im Sozialismus hatten besseren Sex, weil sie ökonomisch unabhängig waren. Die Amerikanerin gewinnt dem sozialistischen Realismus seine Vorteile ab und regt den Leser dazu an, dem Kapitalismus eine Prise Erotik einzuhauchen. 25 Punkte

8 (–) Quinn Slobodian: Globalisten. Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus

A. d. Engl. v. S. Gebauer; Suhrkamp, 522 Seiten, 32 Euro

Quinn Slobodian: Globalisten. Das Ende der Imperien und die Geburt des Neoliberalismus. A. d. Engl. v. S. Gebauer; Suhrkamp, 522 Seiten, 32,– €

Wer glaubt, das Wort "neoliberal" habe ausgedient, sollte dieses Buch lesen: Der kanadische Historiker Quinn Slobodian legt mit seiner Studie eine Geschichte des Neoliberalismus vor - von 1918 bis zur Gegenwart. Das Werk bietet präzise Analysen und zeigt, warum die neoliberale Weltanschauung keineswegs politische Freiheit impliziert. Gerade Staaten wie China beweisen: Neoliberalismus kann auch autoritär sein. 25 Punkte

9 (–) Malcom Gladwell: Die Kunst, nicht aneinander vorbeizureden

A. d. Engl. v. J. Neubauer; Rowohlt; 384 Seiten, 22 Euro

Malcom Gladwell: Die Kunst, nicht aneinander vorbeizureden. A. d. Engl. v. J. Neubauer; Rowohlt; 384 Seiten, 22,– €

Der Psychologe Malcom Gladwell beschreibt in seinem Buch dramatische Fälle des Aneinandervorbeiredens und offenbart, warum unsere Zusammentreffen mit Fremden so oft scheitern. Für den Psychologen ist klar: Erst Vertrauen schafft gelungene Kommunikation. Seine Schrift ist ein Plädoyer dafür, im Alltag sowie auf politischem Parkett sich zu öffnen, zu hinterfragen und schließlich Vorurteile abzubauen. 22 Punkte

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