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Im Visier rechter Terroristen - ZDFzoom: Die Todesliste des NSU

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Zehn Menschen hat der NSU ermordet. Plante das Trio noch mehr Taten und wurden sie von einem rechts-terroristischen Netzwerk unterstützt, das vielleicht sogar noch intakt ist?

Es geht um eine geheimnisvolle Liste. Auf ihr stehen die Namen von mehr als 10 000 Personen. Experten sind überzeugt: Der NSU plante weitaus mehr Attentate und muss Helfer gehabt haben.

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Als Beate Zschäpe im November 2011 in der Wohnung, die sie zuletzt mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos bewohnt hatte, Feuer legt, dürfte es ihr vor allem um die Vernichtung von Beweismitteln gegangen sein. Trotzdem fand die Polizei später im Brandschutt zahlreiche Waffen, Munition und Bargeld sowie eine umfangreiche Adresssammlung, die später unter dem Namen 10.000er-Liste oder Todesliste des NSU in den Ermittlungsakten erwähnt wird.

Wer hat die detaillierten Informationen über Opfer gesammelt?

Ermittler sehen in der riesigen Adress-Sammlung mögliche Anschlagsziele und Opfer, vor allem auch aufgrund der teilweise sehr detaillierten Ausspähnotizen. So heißt es da zu Zielen in Nürnberg etwa: "Imbiss. Problem Tankstelle nebenan. Türke aus Tankstelle geht in jeder freien Minute zu Reden rüber" oder "Asylheim, Tür offen ohne Schloss, Keller zugänglich". Bei einigen scheint klar, wie sie auf die Liste kommen: Claudia Roth von den Grünen oder ihr Parteikollege Cem Özdemir etwa positionieren sich deutlich für Mulitkulti und gegen Rechts.

Sendehinweis: ZDFzoom zur Todesliste des NSU am Mittwoch um 22:45 Uhr

Der Dortmunder Politiker und SPD-Bundestagsabgeordnete Marco Bülow steht auch auf der Todesliste, hat aber keine vergleichbare Medienöffentlichkeit. Rätselhaft, warum er das Interesse von Nazis aus Zwickau geweckt haben sollte. Er habe sich zwar immer klar gegen Rechts positioniert, dies sei jedoch maximal in der regionalen Presse thematisiert worden: "Die müssen Helfer vor Ort gehabt haben", ist er überzeugt.

Opferanwälte: "Wir wissen von keinen gezielten Ermittlungen"

Das würde im Fall von Marco Bülow und den anderen ausgespähten Zielen in Dortmund durchaus Sinn ergeben, denn Fakt ist: Dort gibt es eine lebendige, große Neonaziszene. Helfer vor Ort wären durchaus plausibel. Vernommen wurde trotzdem niemand, kritisiert Opferanwalt Sebastian Scharmer: "Wir wissen von keinen gezielten Vernehmungen, von keinen gezielten Ermittlungen in Dortmund, die das Netzwerk NSU hätten erhellen sollen."

Es ist nicht die einzige Ungereimtheit im Zusammenhang mit der sogenannten Todesliste des NSU. So finden sich in Moers eine Reihe von Kindergärten unter den Adressen. Wollten die Rechtsterroristen dort etwa eine Bluttat verüben? Eine detaillierte Ermittlung bleibt aus. Als ZDFzoom vor Ort stichprobenartig recherchiert, wird schnell klar: Zwar steht die Adresse des Kindergartens auf der Liste, doch dem NSU dürfte es weniger um den Hort gegangen sein als vielmehr um den Club für schwule und lesbische Jugendliche, der sich seit Jahren im Keller des Gebäudes befindet.

"Da ist ein bisschen weggeschaut worden"

Der Vereinsvorsitzende Sascha Roncevic war entsprechend überrascht, dass sein Verein möglicherweise ins Visier mordender Neonazis geraten ist. Von der Polizei informiert oder befragt wurde er nie. "Wenn man merkt, dass eine Adresse wo man jede Woche tätig ist, auf so einer Liste steht, da hat man schon das Gefühl: Da ist ein bisschen weggeschaut worden", sagt Roncevic. Er hätte sich gewünscht, über die Gefahr wenigstens aufgeklärt worden zu sein.

Auch die Adresse mindestens eines ungeklärten Mordfalls findet sich auf der Liste. Sogar eine zum Mord passende Waffe wurde im Brandschutt der letzten Wohnung des NSU gefunden. Doch trotz dieser überzeugenden Indizien wird ein Zusammenhang der Tat mit dem NSU ausgeschlossen. Dagegen vermuten die Fahnder das Mordmotiv in dem angeblich "unsteten Lebenswandel" des Opfers. Opferanwalt Javus Narin geht mit den Ermittlungsbehörden hart ins Gericht: "Wir wissen weder, wie groß der NSU war, noch wissen wir, wer den NSU unterstützt hat. (…) viele Fragen hätten die Behörden durch anständige kriminalistische Arbeit und durch weniger Borniertheit lösen und erklären können."

Am Ende bleiben viele Fragen offen

Seit fünf Jahren läuft der Prozess gegen Beate Zschäpe und die vier Mitangeklagten in München. Die Kosten werden sich auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Doch am Ende werden viele Fragen offen bleiben, so auch die Fragen rund um die 10.000er-Liste. Der NSU-Komplex ist noch lange nicht ausermittelt.

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