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Warum bedrohte Frauen so wenig Hilfe finden

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Frauenhäuser in Not - Warum bedrohte Frauen so wenig Hilfe finden

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Jede dritte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in der Partnerschaft. In Notsituationen sollen Frauenhäuser Zuflucht bieten. Doch viele sind hoffnungslos überfüllt.

Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus auf einem Bett
Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus auf einem Bett
Quelle: dpa

Bedroht, geschlagen, misshandelt: Statistisch gesehen erlebt jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in der Partnerschaft. In einer solchen Notsituation sollen Frauenhäuser Zuflucht bieten. Doch die Einrichtungen sind hoffnungslos überfüllt, es fehlt an allem: Platz, Geld und Personal. Schuld daran ist auch die Politik, die das Thema seit Jahren vernachlässigt und gesetzliche Vorgaben nicht erfüllt. Wieso tut Deutschland so wenig für Frauen in Not?

Schutzsuchende sind oft in Lebensgefahr

Häufig leiden Frauen nicht unter Fremden, sondern dem eigenen Partner. Das musste auch Nina (Name geändert) schmerzlich erfahren. Aus Angst und Scham schwieg sie über mehrere Jahre hinweg. "Wenn das Abendbrot nicht richtig war oder falsch gekocht oder kalt, weil er zu spät kam, war ich dran schuld. Ich weiß nicht, wie oft meine Rippen gebrochen waren. Ich habe das stillschweigend alles ertragen", erzählt sie. In sechs Jahren Beziehung wird sie aufgrund der Verletzungen durch den Partner acht Mal operiert.

Erst als Nina mit Messerstichen im Rücken auf der Intensivstation liegt, setzt bei der jungen Frau das Umdenken ein. Für sie ging es um Leben und Tod. Trotz akuter Lebensgefahr fand sie lange Zeit keinen Platz im Frauenhaus und musste Hunderte Kilometer weit weg flüchten, bis sie in einer Einrichtung aufgenommen werden konnte. Ninas Geschichte ist kein Einzelfall.

Schutz aus Platzmangel verweigert

Frauenhäuser in Deutschland müssen mehr Frauen abweisen, als sie aufnehmen können. Auch Eva Risse, Leiterin eines autonomen Frauenhauses in Bonn, erlebt das. "Für uns geht es immer auch ein Stück um Leben und Tod. Wir wissen bei keiner Frau, die bei uns anruft - und für die wir keinen Platz haben - wie geht das weiter?" Ein Zustand, der so nicht bleiben dürfe, sagt sie.

Denn Deutschland müsste eigentlich genügend Plätze für Frauen in Not zur Verfügung stehen. Das schreibt die Istanbul-Konvention vor. Seit 2018 ist dieses internationale Abkommen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen geltendes Recht in Deutschland. Doch Deutschland verfehlt die Ziele der Konvention deutlich: Laut der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser müssten mehr als 21.000 Betten zur Verfügung stehen, tatsächlich aber sind es nur etwa 6.400.

Mangelhafte Finanzierung

Es mangelt aber nicht nur an Plätzen, auch die Finanzierung der Häuser ist Teil des Problems. Diese ist Aufgabe der Bundesländer und bislang kocht jedes Land sein eigenes Süppchen. In manchen Ländern werden Frauenhäuser pauschal finanziert. In anderen Bundesländern wird von Fall zu Fall entschieden. So kommt es vor, dass Frauen in Not abgewiesen werden müssen, weil die Finanzierung ihres Aufenthaltes nicht gesichert ist.

Die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit zeigen auch: Die Lage wird sich nicht entspannen. Denn die Zahl derer, die Hilfe benötigen, steigt. Unter ihnen sind auch Frauen mit Migrationshintergrund. "Gewalt kommt in allen Schichten vor. Es geht quer durch alle Bildungs-, Einkommensschichten, durch alle Nationalitäten, kulturellen Hintergründe", berichtet die Sprecherin der Autonomen Frauenhäuser, Sylvia Haller. "Das heißt, im Frauenhaus sehen wir eigentlich einen Spiegel der Gesellschaft." Migration ist jedoch nur ein Teil des Problems, nicht die Ursache. Jetzt soll sich endlich was tun. In diesem Jahr will Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) 5,1 Millionen Euro aus einem Förderprogramm des Bundes auf den Tisch legen, 2020 sollen 30 Millionen folgen. 

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