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ZDFzoom: Stress im Nahverkehr - Teure Tickets, viele Zonen

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Im Jahr transportieren 60.000 Busse und Bahnen gut zehn Milliarden Menschen. Doch viele Fahrgäste sind sauer: Die Tickets sind teuer, Tarife und Zonen oft schwer durchschaubar.

Im Gegensatz zum Fernverkehr gibt es beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht den einen "Big Player", sondern viele kommunale und private Unternehmen. Ein Flickenteppich aus Tarifen und Tickets, Zonen und Waben, den niemand mehr durchschaut und in dem allein 60 Verkehrsverbünde vor sich hin werkeln.

Der öffentliche Nahverkehr boomt. Über 30 Millionen Fahrgäste sind täglich unterwegs. Ein bundesweit einheitliches Tarifsystem gibt es nicht. Stattdessen ein Flickenteppich aus Zonen und Waben.

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28 min
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Qualität des ÖPNV: Köln liegt auf dem letzten Platz

"Missmanagement", sagt Verkehrsexperte Stefan Weigele dazu. Einer der Gründe, warum Köln in seiner umfassenden Studie zur Qualität des öffentlichen Nahverkehrs (55 Gemeinden) auf dem letzten Platz liegt: "Zu teuer, zu schlecht gepflegt, sinnlose Investitionen", meint Weigele. Einige von ihnen sind schon lange bekannt: Der Neumarkt etwa, an dem sich sieben Bahnlinien und einige Buslinien kreuzen, ist chronisch verstopft, verdreckt und Sinnbild des Kölner Verkehrs-Chaos'.

Kaum eine Transportbranche ist so vielschichtig wie der ÖPNV. Und kaum eine ist so bürgernah, so wichtig für viele alltäglich. Aber warum existieren in Deutschland so gewaltige Qualitätsunterschiede? Warum verkaufen Gemeinden ihre traditionellen Nahverkehrskonzepte? Warum fahren in Frankfurter Außenbezirken Billig-Busfahrer für britische Investoren?

Busfahrer müssen für den Konkurrenzkampf zahlen

Beispiel Senftenberg in Brandenburg: Hier fährt seit dem vergangenen Jahr ein neuer Investor. Die Kommune hatte den öffentlichen Nahverkehr neu ausgeschrieben, ein Konkurrent des bisherigen Busunternehmens gewann. Die Folge: Viele Busfahrer wurden beim alten Unternehmen entlassen. Und fingen beim neuen an - mit weniger Lohn. Busfahrer Peter Langner rechnet vor: Er verdiene circa 300 Euro weniger. "Plus Zuschläge und was alles dran hängt."

Die Busfahrer sind sauer. Sie sind der Ansicht, die Kommune hätte in der Ausschreibung festlegen können, dass bestimmte Sozialstandards einzuhalten sind. Das zuständige Landratsamt beharrt darauf, rechtmäßig gehandelt zu haben. Außerdem wäre ja niemand arbeitslos geworden. Fragen nach Details der Ausschreibung allerdings seien "nach Vorgabe des Vergaberechts vertraulich zu behandeln. Eine Beantwortung der Frage ist daher nicht möglich".

Was ist am deutschen ÖPNV so attraktiv für Kapitalinvestoren? Vereinfacht gesagt: Wenn Kommunen regelmäßig ihre ÖPNV-Struktur ausschreiben, müssen sie diejenigen zum Zuge kommen lassen, die das billigste Angebot abgeben. Und das ist für ausländische Investoren einfach, da sie auch altgediente Busfahrer zu Anfängertarifen einstellen dürfen und so günstigere Angebote abgeben können. Ob die dann ihre Verträge später einhalten werden, ist ein anderes Thema.

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