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#ZDFcheck17 - Hamburger Polizei kämpft gegen Gerüchte und Lügen

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Erblindete Polizisten, Bundeswehr im Einsatz oder gar eine Atomrakete in der Stadt? Gerüchte, Lügen und Satire im Netz - auch damit kämpft die Polizei in Hamburg, während die Proteste gegen den G20-Gipfel eskalieren.

Nach den schweren Ausschreitungen und Plünderungen im Hamburger Schanzenviertel geht nun das Aufräumen los. In dem Szene-Viertel sind die Spuren der Gewalt sichtbar.

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Es ist ein kleiner Hilferuf der Hamburger Polizei zum Abschluss des Gipfels - "Bitte teilt Gerüchte nicht unverifiziert weiter!" schreibt sie über Twitter. Denn neben der Sicherung des G20-Gipfels hat sie es mit zahlreichen Gerüchten und Lügen im Netz zu tun. Während die Politiker in den Hamburger Messehallen diskutieren und Demonstranten auf den Straßen protestieren, tauchen viele falsche Mutmaßungen und Meldungen auf.

Gerüchte über erblindete Polizisten

"Es ist kein Polizist erblindet oder hat eine schwerwiegende Augenverletzung erlitten. Weder durch Laserstrahlen noch durch Böller", meldet die Polizei Hamburg am zweiten Gipfeltag um 16:12 Uhr und geht damit in die Offensive.

Den ganzen Tag über kursiert die Meldung, ein Beamter sei schwer durch einen Feuerwerkskörper verletzt worden. Zunächst in verschiedenen sozialen Netzwerken, dann auch auf Onlineportalen von Zeitungen.

Ein Foto soll den Übergriff belegen, es zeigt einen am Boden knienden Polizisten, davor ein Demonstrant, der ihm einen Böller ins Gesicht geworfen haben soll. Den Vorfall hat es zwar gegeben, aber eben nicht so, wie es viele schildern.

Auch meldet die Polizei selbst, dass zwei Piloten des Polizeihubschraubers "Libelle2" am Samstag vom Boden aus mit einem Laser geblendet wurden. Sie konnten daraufhin ihren Dienst nicht mehr fortsetzen. Eine Erblindung oder Augenverletzung hatte es nach Polizeiauskunft aber nicht gegeben, wie im Netz daraufhin behauptet wurde.

Panzer in Hamburg

Bereits am ersten Tag des Gipfels hatten Bilder von drei Fuchs-Radpanzern im Hamburger Stadtteil Osdorf für große Irritationen gesorgt. Über Twitter hat sich das Foto verbreitet. Schnell war über einen möglichen Einsatz der Bundeswehr im Kampf gegen die Protestaktionen im G20-Umfeld spekuliert worden. Nervös fragen viele nach - auch aus Angst vor einer zunehmenden Eskalation der Gewalt.

Doch die Radpanzer wurden nur von einer Hamburger Kaserne in eine andere überführt. Die Bundeswehr selbst sprach später von einem "unglücklichen Timing" und die Polizei muss beruhigend eingreifen: Nur bei einem "inneren Notstand" dürfe die Bundeswehr überhaupt im Inneren zum Einsatz kommen. Doch "es wurde weder der Notstand noch der Katastrophenfall ausgerufen!", so die Polizei über Twitter.

Rote Flora gestürmt?

Auch um die Rote Flora, das linksautonome Kulturzentrum im Hamburger Schanzenviertel, kursiert am Wochenende viele Gerüchte. Am Freitagabend etwa twittert die ehemalige Grünen-Abgeordnete Jutta Ditfurth über eine Stürmung des Gebäudes. "Um die Ecke wird die Flora von der Polizei angegriffen - hören wir", schreibt sie auf ihrem Twitter-Account.

Das Gebäude gilt als eine der Schaltzentren der G20-Gegner. Die Meldung findet schnell Verbreitung und auch Eingang in zahlreiche Nachrichtenticker am Abend. Die Stürmung erscheint möglich, auch weil zahlreiche Polizeieinheiten in der Nähe sind. Später wird klar, es ist ein Gerücht. Auch Jutta Ditfurth korrigiert ihre Nachricht.

Die Gerüchteküche brodelt in den Gipfeltagen. Entwendete Pistole, gestürmte Krankenhäuser - nichts scheint mehr unmöglich angesichts der verstörenden Bilder aus Hamburg. Auch nicht, dass Spezialeinheiten gezielt auf Demonstranten schießen.

Atomrakete zur Abschreckung?

Um frühzeitig der Diskussion über eine Eskalation von Gewalt entgegenzuwirken, veröffentlicht die Polizei bereits kurz nach einem Vorfall am Freitagabend, es hätte einen "Warnschuss" gegeben, kein gezielter Schuss auf Menschen. Ein wichtiger Unterschied, der in der aufgewühlten Situation aber von vielen nicht mehr gesehen wird.

Daher muss die Polizei auch eine Meldung einer Satireseite zurückweisen. "Der Postillon" hatte berichtet, die Polizei hätte sogar eine Atomrakete zur Abschreckung von Demonstranten in Hamburg auffahren lassen. Um der satirischen Überspitzung mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, veröffentlichen sie auch eine echt aussehende Fotomontage.

Die Satire-Meldung hätte vom Leser schnell selbst entlarvt werden können, denn im Artikel heißt es unter anderem: Die Atomrakete sei für den "absoluten Notfall" vorgesehen, etwa bei vermummten Demonstranten. Dennoch reagierte die Polizei sicherheitshalber: "Wer es noch nicht mitbekommen hat: Der @Der_Postillon ist eine Satire-Seite!"

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