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#ZDFcheck17 - Das Thema der Bürger: Wo sind die Pflegefachkräfte?

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Menschen in Würde pflegen - ein Thema, das viele beschäftigt. Ältere Menschen, ihre Angehörigen und Beschäftigte in Pflegeberufen sind besorgt, denn etwa drei Millionen Menschen sind auf Pflege angewiesen.

Bundesweite Unterschiede bei einrichtungseinheitlichen Eigenanteilen

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Daher fragen die Menschen bei Politikern nach und bringen das Thema in den Wahlkampf. So auch in der ZDF-Sendung "Klartext, Frau Merkel!". Dort konfrontierte ein in Vollzeit beschäftigter und ausgebildeter Altenpfleger die Bundeskanzlerin mit dem aktuellen Pflegenotstand: "Ich finde aber, wir sollten erst einmal bei uns im Land anfangen und bessere Rahmenbedingungen schaffen. Also besseren Lohn, bessere Arbeitszeiten, eine Mindestanzahl an Personal … Ich glaube, dann würden sich auch wieder viel mehr für diesen Beruf interessieren."

Die Kanzlerin antwortete: "Wir haben allein, glaube ich, seit dem Jahr 2000 60 Prozent mehr Pflegekräfte als wir vorher hatten - und trotzdem wächst die Anforderung immer weiter."

Stimmen die Zahlen? Der #ZDFcheck17:

Insgesamt ist laut " Gesundheitsberichterstattung des Bundes" die Gesamtzahl der Beschäftigten in Pflegeheimen (Teil- und Vollzeit-Beschäftigte, Fachkraft und Hilfe) von 1999 bis 2015 um 65,8 Prozent angestiegen. Auf Nachfrage im Bundeskanzleramt bezieht sich Angela Merkel genau auf diese Statistik. Damit stimmt die Aussage der Bundeskanzlerin.

Die von Angela Merkel benannte Zahl steht allerdings im Widerspruch zu der gravierenden Lücke an Fachkräften nur in der Berufsgruppe: Altenpflege. In der ZDF-Sendung wies der Altenpfleger genau auf diesen Notstand hin. Laut Bundesagentur für Arbeit stehen derzeit für die qualifizierten Fachkräfte 12.300 offene Stellen im Altenpflegebereich zur Verfügung. Diese Stellen bleiben momentan unbesetzt, da nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung steht.  Zwischen Angebot und Nachfrage klafft eine große Lücke.

Gravierend auch für den Beruf des Altenpflegers: Bis eine freie Stelle im Bereich der Altenpflege wiederbesetzt wird, dauert es in der Regel fast ein halbes Jahr. Damit ist der Berufszweig "Altenpfleger" sogar in der Vakanzzeit statistisch Schlusslicht in der Reihe der sozialversicherungspflichtigen Berufe. Die Aussage des Altenpflegers, dass es "zu wenig Personal" in Pflegeheimen gibt, stimmt demnach.

Bis 2030: Eine halbe Million Fachkräfte fehlen

Die Lebenserwartung bei Frauen wird laut Experten auf 82 Jahre und bei Männern auf 77 Jahre geschätzt. Tendenz weiter steigend. Eine Prognose des Statistischen Bundesamtes geht davon aus, dass entsprechend auch die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 auf rund 3,4 Millionen steigen wird. Bis 2050 sogar auf 4,5 Millionen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem Ergebnis: Deutschland ist auf diesen Anstieg nicht vorbereitet.

Die Experten gehen sogar von einem viel höheren Pflegenotstand bis 2030 aus. Die Entwicklung zeige, dass im Pflegebereich im günstigsten Fall 260.000 Fachkräfte fehlen werden. Im schlimmsten Fall droht eine Versorgungslücke von fast einer halben Million Pflegekräfte. Politik kann Veränderungen vornehmen, indem sie etwa bessere Rahmenbedingungen für die Pflegeberufe schafft. Aber nach derzeitigem Stand ist das Problem kaum lösbar, auch weil es zu wenig Interessenten an Pflegeberufe gibt und die Zahl der Pflegebedürftigen massiv ansteigt.

Martin Schulz und Angela Merkel weisen zwar immer wieder darauf hin, dass Deutschland auf die wachsende Zahl von Pflegekräften aus anderen EU-Ländern angewiesen ist.  Aber es ist dringend notwendig, neue Versorgungskonzepte zu entwickeln und diese schnellstmöglich zu implementieren, so die Bertelsmann-Studie. Nur dann ist es möglich, die drohende Versorgungslücke zu schließen und Menschen im Alter ein würdevolles Leben auch im Pflegefall zu ermöglichen.

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