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"ZDFin Sprechstunde": Stendal - "In the middle of nüscht"

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Irgendwo zwischen Berlin und Hannover liegt eine Stadt und eine Region, die wenige kennen. Zu Unrecht, wie die Geschichten aus der "ZDFin Sprechstunde" in Stendal zeigen.

Archiv: Der Markt mit der Kirche St. Marien, dem Rathaus (l) und dem Roland, am 20.03.2015 in Stendal
Stendal, eine Stadt im Nichts, aber zum Liebhaben: der Markt mit der Kirche St. Marien und dem Rathaus (links).
Quelle: dpa

"Ich finde diese Stadt einfach faszinierend", schwärmt Ulrike Schell. Vor einem Jahr ist die Rentnerin erst von Schwetzingen in Baden-Württemberg in die Altmark gezogen: nach Stendal, Bundesland Sachsen-Anhalt. Ihr Leben lang war der Osten für sie ein blinder Fleck, dabei fühlt sie sich in dieser Stadt mit über 80 Jahren zum ersten Mal "richtig angekommen".

Yara Hoffmann mit Ulrike Schell (l.)
Yara Hoffmann mit Ulrike Schell (l.)
Quelle: ZDF


Ein spezielles Anliegen hat sie nicht, sagt sie. Packt währenddessen aber schon gleich ihre volle Tasche aus: Geschichtsbücher, Biografien, Prospekte. Sogar ein Buch über Stendals Straßennamen ist dabei. "Die Stadtbibliothek ist wirklich hervorragend", Politik und Geschichte sind ihre Themen und Stendal hat so viel davon, erzählt sie.

Manfred Meckel hingegen hat ein Anliegen. Ein ziemlich großes sogar. Während er erzählt, packt der Vorstand des Kreisverbandes der Gartenfreunde Stendal ein eingeschweißtes Blatt auf den Tisch: eine Skizze des geplanten Kernkraftwerks Arneburg. Bis zur Wende wurde es gebaut.

Yara Hoffmann mit Manfred Meckel (2.v.l)
Yara Hoffmann mit Manfred Meckel (2.v.l)
Quelle: ZDF

Im Testbetrieb hat er sogar schon mitgearbeitet, erzählt Meckel. "15.000 Menschen haben sie hergebracht, ein ganzes Viertel und 15 Gartenanlagen aus dem Boden gestampft. Sogar eine Garage hat jeder bekommen."

Mit der Wende jedoch wurde das Kraftwerk still gelegt. Mit ihm verschwanden auch viele Einwohner aus Stendal. "Das Viertel haben sie wieder abgerissen, aber an die Kleingärtner hat keiner gedacht", so der Gartenfreund. Die Folge: Leerstand. Von knapp 2.000 Parzellen sind über 300 nicht verpachtet.

"Ganz viel grün und sonst nichts"

Jana Henning und Sybille Sperling (v.r.)
Jana Henning und Sybille Sperling (v.r.)
Quelle: ZDF

Leere ist auch ein gutes Stichwort für Sybille Sperling und Jana Henning. Die beiden kommen zur Sprechstunde, um über die Altmark zu sprechen. Das Problem: Keiner kennt sie, sagt Jana Henning. Und weiter: "Ich hab' immer gesagt, die Altmark ist der Fleck auf der Landkarte, wo ganz viel grün ist und sonst nichts. In the middle of nüscht eben."

So heißt auch das Buch, das Sybille Sperling herausgegeben hat. Ein etwas unkonventioneller Reiseführer über die Altmark, erklärt sie. Das große Thema: Entschleunigung. Dass sie sich in die Altmark verlieben und sogar über sie schreiben würde, war anfangs nicht klar: "Ich bin für meinen Mann hierher gezogen und hab mich erst gar nicht wohl gefühlt.

In Berlin war eben immer was los und hier gab es auf einmal nichts mehr." Mittlerweile hat sie auf ihrer Entdeckungsreise durch die Region aber so viele schöne Ecken und spannende Dinge kennengelernt, dass sie sich das Leben in einer "hektischen Großstadt" gar nicht mehr vorstellen möchte.

Karte mit Stendal, Berlin und Hannover

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von Yara Hoffmann, Stendal

Kennenlernen sollten die Region vor allem junge Menschen, sagt Stephan Klakow. Zusammen mit seinem Kollegen möchte in der "ZDFin Sprechstunde" ein Projekt der Wirtschaftsjunioren der Altmark vorstellen. "Ein Tag Chef" heißt es. "Viele junge Menschen wissen gar nicht mehr, welche Betriebe es hier in der Region überhaupt gibt, sagt er. Die Gruppe junger Unternehmer will mit diesem Projekttag Schüler die Möglichkeit geben, in die Arbeit einer Führungskraft einzutauchen.

Yara Hoffmann mit Sven Strauß, Emma Kerkow und Beatrice Straubel (v.l.)
Yara Hoffmann mit Sven Strauß, Emma Kerkow und Beatrice Straubel (v.l.)
Quelle: ZDF

Das ist gerade in der Altmark besonders wichtig, erklärt Sven Strauß: "Die meisten haben zwar einen speziellen Berufswunsch, denken aber nicht, dass es dafür auch ein entsprechendes Unternehmen in der Altmark gibt. Das ist immer wieder erstaunlich, dabei haben wir bisher echt jeden Beruf hier gefunden."

Drei Dienstage und insgesamt sechs Stunden lang hatten Menschen aus Stendal die Möglichkeit zur „ZDFin Sprechstunde“ zu kommen. Der Andrang war so groß, dass nicht immer für alle viel Zeit da war. Aber sie war da. Denn jede einzelne Geschichte war wichtig. Und niemand musste gehen, ohne sie erzählt zu haben.

Verschiedene Initiativen wollen Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt und seine Vorzüge bekannter machen. ZDF-Reporter gehen der Frage auf den Grund, was die Stendaler beschäftigt und wie sie die Altmark erleben.

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