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ZDFzoom: Schwimmbäder in Not - Badespaß und leere Kassen

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Mit Freunden rein ins kühle Nass - das ist Freibadspaß im Sommer. Doch viele Bäder in Deutschland sind marode. Der Sanierungsstau beläuft sich auf mindestens 4,5 Milliarden Euro.

Mann springt im Schwimmbad vom Sprungturm ins Wasser
Viele Kommunen hatten sich auf Fördermittel vom Bund beworben, aber von 408 Anträgen wurden am Ende nur 67 bewilligt.
Quelle: Imago

Experten vom Städte- und Gemeindebund und der Deutschen Gesellschaft für Badewesen schätzen, dass jedes zweite Schwimmbad in Deutschland sanierungsbedürftig ist. Der Sanierungsbedarf soll zwischen 4,5 Milliarden und zehn Milliarden liegen. Vor allem Schwimmbäder aus den 60er und 70er Jahren sind für kleine Kommunen fast unkalkulierbare Kostenpunkte.

Zeil am Main: Kein Geld für Schwimmbad

Nahaufnahme eines völlig verrosteten Rohrs.
Gebaut 1974: Nach 45 Jahren werden die großen Mängel im Hallenbad in Zeil am Main sichtbar.
Quelle: ZDF/Nils Koernig-Kron

Wie so ein "Sanierungsstau" in der Praxis aussieht, ist im bayerischen Zeil am Main aus der Nähe zu beobachten. Das alte Hallenbad hat seine besten Tage schon lange hinter sich. Baujahr 1974: Der Putz bröckelt und die Laune von Bürgermeister Thomas Stadelmann ist "ausbaufähig". Über Jahre hat seine kleine Gemeinde für den Erhalt des Bades gekämpft - vergeblich. Die Technik unter dem Bad ist so marode, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohnt.

"Rund eine Million Euro müsste man auf jeden Fall investieren", erzählt Stadelmann bei einem Rundgang durch den Technikraum des Bades. Die Rohre sind verrostet, an der Decke sammelt sich Wasser. Thomas Stadelmanns Kommune hat keine Million Euro und keine Alternative. Ende Juli 2019 wird das Bad geschlossen. Schwimmkurse, Vereinsschwimmen, Gymnastikgruppen und Schulschwimmen - all das wird hier nicht mehr stattfinden.

Zu wenig Fördermittel vom Bund

Für Schwimmbäder sind in Deutschland die Kommunen zuständig. Ob Neubau, Sanierung oder laufender Betrieb, all das wird von den Gemeinden bezahlt. Zwar gibt es Fördermittel von Bund und Ländern, aber sie fallen oftmals spärlich aus.

So stellte etwa der Bund jüngst 110 Millionen für die Sanierung von Schwimmbädern zur Verfügung. Viele Kommunen hatten sich auf diese Fördermittel beworben, aber von 408 Anträgen wurden am Ende nur 67 bewilligt. Nicht nur deshalb fordern viele Bürgermeister in Deutschland mehr Unterstützung, um Deutschlands Schwimmbäder zu erhalten.

Puderbach: Seit acht Jahren kein Schwimmunterricht

Das Schwimmbad im rheinland-pfälzischen Puderbach ist zwar noch relativ neu - wegen Schäden am Dach und im Innenraum ist es aber trotzdem geschlossen. Obwohl Grund- und Realschule nur rund 100 Meter vom Hallenbad entfernt liegen, kennen die meisten Kinder hier "Schwimmunterricht" nur vom Hörensagen. Seit mittlerweile acht Jahren findet in Puderbach kein Schulschwimmen mehr statt. Aktuell sind circa 650 Kinder betroffen.

Zwei davon sind die Kinder von Cornelia Holzapfel. Damit Luna und Noah sich trotzdem sicher über Wasser halten können, hat Cornelia Holzapfel extra nach privaten Schwimmkursen gesucht. Ganze anderthalb Jahre musste sie auf zwei freie Plätze in einem Nachbarort warten. Für ihre jüngsten Kinder Maya und Samuel hat sie jetzt aufgegeben.

Viele Kinder können nicht sicher schwimmen

Puderbach ist nicht die einzige Gemeinde in Rheinland-Pfalz ohne Schwimmunterricht. Insgesamt fällt an 38 Prozent der Grundschulen in Rheinland-Pfalz der Unterricht aus, so das zuständige Ministerium.

Das ist mehr als an jeder dritten Schule. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) sorgt sich schon seit Jahren um die Schwimmfähigkeit von Kindern. Laut einer Forsa-Umfrage der DLRG sind rund 60 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer.

Im nordrhein-westfälischen Marl sollte das Freibad aus Kostengründen geschlossen werden. Das Guido-Heiland-Bad im Stich zu lassen, war allerdings keine Option: "Bürgerbad" nennt sich das Konzept, mit dem engagierte Bürger das Schwimmbad nun betreiben. Die Idee: Alle Vereinsmitglieder packen freiwillig mit an und stemmen den kompletten Betrieb. Von der Rasenpflege, über das Kassenhäuschen bis hin zur Kuchentheke - und das ohne Bezahlung. Dadurch können die Betriebskosten deutlich gedrückt und das Bad am Leben gehalten werden.

"Bürgerbad": Ehrenamtliches Engagement als Rettung?

Rund 500 solcher Bürgerbäder soll es in Deutschland geben. Oft bekommen sie zwar einen kleinen Zuschuss von der Kommune, das meiste Geld kommt aber über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Eintrittsgelder und die Gastronomie rein.

Freibad-Pommes, Mutproben vom Zehn-Meter-Brett oder einfach nur mit Freunden in der Sonne liegen und in den Himmel schauen - in Marl arbeiten die Vereinsmitglieder daran, das alles in ihrem Bürgerbad auch in diesen Sommer möglich zu machen.

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