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ZDFzoom: Gezielte Manipulation - Fake-News-Macher im Netz

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Mit Desinformation wird immer stärker um die öffentliche Meinung gekämpft, mit Fake News im Internet Stimmung gemacht. Längst gefährdet Meinungsmanipulation unsere Demokratie.

Mit Desinformation wird in Deutschland immer stärker um die öffentliche Meinung gekämpft, mit Fake News im Internet Stimmung gemacht. Längst gefährdet Meinungsmanipulation unsere Demokratie.

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28 min
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"Syrer beißt Deutschen", "Merkels Leichenberg wächst" oder "Migration tötet" - Meldungen wie diese finden sich viele im Internet. Geteilt über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter werden sie weiterverbreitet und erreichen Hunderttausende Menschen. Doch viele solcher Nachrichten sind teilweise oder völlig falsch. Es sind Fake News, das heißt gezielte Desinformationen, die im Netz verbreitet werden, um Stimmung zu machen und die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Wie arbeiten Meinungsmanipulatoren im Netz?

Ein Beispiel: Der Blog namens "Halle Leaks". Hier werden täglich vermeintliche Nachrichten veröffentlicht mit auffälligen Fotos und reißerischen Überschriften. Darunter finden sich viele Falschnachrichten. Hinter "Halle Leaks" verbirgt sich der Betreiber Sven Liebich. Früher war Liebich aktiv in der rechtsextremen Szene. Seit Jahren wird er vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt beobachtet. Im Netz lesen Tausende Menschen seine Beiträge.

Sven Liebich ist einer der aktivsten Meinungsmanipulatoren der rechten Szenen.
Sven Liebich ist einer der aktivsten Meinungsmanipulatoren der rechten Szene.
Quelle: ZDF

Darunter ein Artikel, in dem behauptet wird, ein 13-jähriges Mädchen sei in einem Schwimmbad von Islamisten vergewaltigt worden. Der Artikel spricht wörtlich von "Sex-Terror" und "vaginalen Verletzungen". Doch die Nachricht stimmt so nicht, erklärt Staatsanwalt Christian Wolter: "In Wolfsburg ist ein 13-jähriges Mädchen durch mehrere junge afghanische Männer sexuell belästigt worden. Es handelt sich dabei aber um Vorwürfe, die sexuelle Berührungen oberhalb der Kleidung betreffen. Es gab kein Eindringen in das Mädchen. Es gab keine Penetration, wie das in dem Artikel anklingt. Man hat ein kleines Hämatom an der Brust festgestellt, sonst keinerlei Verletzungen."

Tatsachen werden verdreht, Details frei erfunden

Das Beispiel zeigt: Nach diesem Muster arbeiten viele Fake-News-Macher. Die Geschichten haben oft einen wahren Kern - wie die sexuelle Belästigung eines Mädchens durch junge, afghanische Männer. Dann aber werden die Tatsachen verdreht, abstoßende Details frei erfunden und so der Vorfall dramatisiert und skandalisiert. Aus einer sexuellen Belästigung wird so eine Vergewaltigung mit massiven Verletzungen des Opfers. Das Empörungspotential wird so um ein Vielfaches gesteigert. Dagegen vorzugehen ist schwierig. Viele Äußerungen sind von der Meinungsfreiheit gedeckt, denn ein generelles Gesetz, das Lügen unter Strafe stellt, gibt es nicht.

Falschnachrichten werden über Social Media Kanäle von vielen Nutzern geteilt. So erzielen sie eine große Reichweite. Immer wieder werden solche Inhalte aber nicht nur von Privatpersonen, sondern auch von der AfD und einzelnen Parteimitgliedern verbreitet. Das Kalkül dahinter: Stellt sich etwas als falsch heraus, wird auf den wahren Urheber verwiesen. Die Partei oder die Privatperson, die die Inhalte geteilt hat, kann ihre Hände in Unschuld waschen. Die gewünschte Wirkung - nämlich Angst oder Vorurteile zu verbreiten  - wurden da aber schon längst erzielt.

Eine ehemalige AfD-Funktionärin packt aus

Franziska Schreiber wurde 2014 in Sachsen Vorsitzende der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD. Als stellvertretende Pressesprecherin arbeitete sie auch an den Kampagnen der Organisation. Sie räumt heute ein, mit irreführenden Facebook-Beiträgen gezielt Stimmung gemacht zu haben: "Übertrieben habe ich durchgängig. Das ist das, was von der Pressesprecherin der Jugendorganisation einfach gefordert wird, das ist die Aufgabenbeschreibung. Fakten weggelassen natürlich auch immer zu den eigenen Gunsten, das ist klar. Wirklich verdreht habe ich aus meiner Sicht nicht, aber man spielt bewusst mit falschen Eindrücken." 2017 legte Schreiber ihre Ämter nieder und trat aus der AfD aus.

Soziale Netzwerke wie Facebook spielen für die Verbreitung von Falschnachrichten eine besondere Rolle. Ihre Algorithmen verstärken einseitige Informationen und lassen Echokammern entstehen, in denen ein verzerrtes Weltbild dominiert. Falschnachrichten lösen häufig Empörung oder Staunen aus und werden deswegen öfter geteilt oder angeklickt als sachliche Nachrichten. Eine problematische Entwicklung, die das Weizenbaum-Institut in Berlin erforscht: Denn für erwachsene Internetnutzer in Deutschland bis 45 Jahre hat das Internet inzwischen das Fernsehen als Hauptnachrichtenquelle überholt. Jeder zehnte Onlinenutzer betrachtet im Netz inzwischen sogar Soziale Medien als Hauptnachrichtenquelle.

Meinungsmanipulatoren spalten unsere Gesellschaft

Ulrike Klinger, Professorin am Weizenbaum-Institut, beobachtet, dass sogenannte hyperaktive Accounts versuchen, die Online-Diskussionen zu politischen Themen zu dominieren: "Bei den Debatten um den Migrationspakt kommen 16 Prozent der gesamten Retweets auf Twitter nur von 100 Accounts. Dadurch entsteht mit relativ wenigen Akteuren der Eindruck, dass man es mit einem relevanten Thema zu tun hat. Man könnte sagen: Da sind politische Influencer", so die Kommunikationswissenschaftlerin. Meinungsmanipulatoren spalten unsere Gesellschaft. Warum aber werden Fake-News, sogar wenn sie längst als falsch erkannt wurden, weiter verbreitet? Das ist eine Frage der Verantwortung - für die Plattformen und für jeden einzelnen Nutzer.

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