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ZDFzoom - Die Mittelschicht: Strampeln, schuften, abgehängt

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Polizisten klagen über zu wenig Gehalt und Respekt. Eltern sind wütend, dass die Schulen ihrer Kinder verrotten. Junge Leute werden vom Staat jahrelang mit Zeitverträgen abgespeist. Der Staat kassiert Steuern. Die Mittelschicht fühlt sich ausgebeutet und abgehängt.

Viele Menschen, die arbeiten und als Mittelschicht gelten, fühlen sich immer weiter abgehängt. So verdienen Polizisten in Berlin am schlechtesten im Bundesvergleich, bei zunehmenden Belastungen. Jetzt wollen sie beim Bundesverfassungsgericht klagen.

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Sie werden angespuckt, beschimpft, angeschrien - ein ganz normaler Abend am Kottbusser Tor. Berliner Polizisten halten in sozialen Brennpunkten ihren Kopf hin, stehen aber bundesweit am Ende der Besoldungstabelle. Ihre Kollegen in München, Frankfurt oder auch Brandenburg verdienen deutlich mehr. Er sei nicht verärgert, erklärt ein Polizist, er sei enttäuscht; denn Bezahlung sei ja auch eine Art Wertschätzung.

Wertschätzung und Respekt

Und die vermissen sie. Dabei riskieren sie oft Leben und Gesundheit. Man müsse schon
aufpassen, dass man heil nach Hause komme, sagt einer. Fast alle wurden schon bei Einsätzen verletzt. Sie fühlen sich von Politikern und auch Richtern im Stich gelassen, denn wen sie heute einsackten, weil er geklaut oder gedealt habe, der stehe morgen wieder hier, sagen sie.

Was sie besonders erbittert: Aus ihren Kindern solle mal was werden, aber die gingen in völlig marode Schulen, die Toiletten nicht benutzbar, durch das Dach regne es herein. Ich kann kaum glauben, was ich da in Schulen in der Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt sehe. Das Versprechen an die Mittelschicht, Aufstieg durch Bildung, gilt nicht mehr uneingeschränkt: Während Deutschland nur 9,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Schulen und Hochschulen ausgibt, sind es in der Schweiz 14,9 Prozent, in Neuseeland sogar 18,4 Prozent.

Nur bei Abgaben und Steuern Spitze

Nur in einem steht Deutschland fast an einsamer Spitze aller OECD - Staaten, nämlich bei den Abgaben und Steuern - mit fast 50 Prozent. Von dem Rest, der im Portemonnaie bleibt, soll die Mittelschicht in gute Bildung, eine ordentliche Wohnung, in Gesundheit und Alterssicherung investieren. Das alles gelingt immer weniger.

Politiker geißeln gern Firmen, die junge Leute ständig mit befristeten Verträgen hinhalten, doch der Staat verhält sich auch nicht anders. Eltern, die ihre Kinder zu einer guten Ausbildung ermutigt und sich jahrelang krummgelegt haben, damit Tochter und Sohn studieren konnten , müssen hinnehmen, dass der Staat junge Lehrer mit Zeitverträgen hinhält, sie vor den Ferien entlässt und danach wieder befristet einstellt.

Mit Anfang dreißig nach einem langen Studium steht das Kind wieder vor der Tür, weil die Bank ohne Arbeitsvertrag keinen Kredit vergibt und der Vermieter ohne gesichertes Einkommen keine Wohnung. Zukunftsplanung, Kinder, Familie - Fehlanzeige.

Nach der Wahl im September

Ob der nächste Bundestag sich um die arbeitende Mitte kümmert? Zunächst einmal kümmern sich Politiker offenbar um ihre eigene Versorgung. Eine Reform des Wahlrechts haben die Abgeordneten nicht angepackt, so dass der nächste Bundestag noch aufgeblähter sein wird, mit rund 700 Abgeordneten.

Dabei gäbe es genug zu tun: Arbeit, von der man leben kann, eine Zukunft für junge Leute, Investitionen in Bildung und nicht nur Lippenbekenntnisse. Und vor allem: nicht Wasser predigen und selbst Wein trinken!

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